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Istanbul/München – Das Ziel war klar definiert. Der neunte Streich sollte in Istanbul folgen. Angesichts der Motivation der Hausherren, mit allen Mitteln den zweiten Platz in der EURO-Qualifikationsgruppe A zu erreichen, und den 50.000 frenetischen Fans im Stadion in deren Rücken, war ein Erfolg der deutschen Nationalmannschaft aber gar nicht so wahrscheinlich.

Aber doch: Mit einem in der Höhe für die Türkei fast noch schmeichelhaftem 3:1 behielt das DFB-Team seine weiße Weste von neun Siegen in neun Spielen. "Großes Kompliment an die Mannschaft. Wir sind souverän geblieben und haben uns nicht aus der Ruhe bringen lassen", freute sich Bundestrainer Joachim Löw nach dem Spiel. Für Löw war es der 50. Sieg im 71. Länderspiel als Coach der Nationalmannschaft.

Doppel-Aus vor dem Spiel

Dabei musste er noch am Morgen vor dem Anpfiff zwei personelle Rückschläge verkraften. Für Mesut Özil und Miroslav Klose, die beim 3:0 im Hinspiel die Tore erzielten, kam ein Einsatz nicht in Frage.

Anstatt Özil sollte nun der Dortmunder Mario Götze die entscheidenden Pässe spielen. Es war aber überraschend Manuel Neuer, der gleich zwei der drei Treffer mustergültig einleitete.

Neuer mit Glanztat

Vor dem 1:0 durch Mario Gomez bediente er Flankengeber Thomas Müller mit einem langen Abwurf. Das 2:0 resultierte aus einem Befreiungsschlag Neuers, den Götze annahm und dann etwas glücklich zu Müller querlegte. "Manu macht das Spiel halt gerne schnell", erklärte Müller die Qualitäten seines Teamkollegen.

Dass Neuer die deutsche Mannschaft bereits nach wenigen Minuten mit einer sensationellen Parade gegen Hamit Altintop vor einem Rückstand bewahrte, rundete die klasse Vorstellung des Bayern-Torwarts ab. "Hamit kenne ich noch aus Schalker Zeiten. Daher wusste ich, dass er gerne mal mit dem Außenrist schießt", spielte Neuer seine Glanztat herunter.

Khedira hadert

Nicht ganz so toll war dagegen die Chancenverwertung der DFB-Kicker. Mit etwas mehr Konzentration im Abschluss wären zwei, drei Tore mehr möglich gewesen. Das fand auch Löw: "Nach dem 2:0 hätten wir die Türken deutlicher nach Hause schicken können."

Vor allem hätten sich die Deutschen das Zittern nach dem Anschlusstreffer sparen können. "Wenn wir den ein oder anderen Konter besser ausspielen, hätten wir den Sack früher zumachen können", sagte Sami Khedira, der nach der verletzungsbedingten Absage von Toni Kroos wieder neben Bastian Schweinsteiger als "6er" agierte.

Belgien vor der Brust

Doch "letztendlich so zu gewinnen vor 50.000 Türken ist trotz einiger ungenutzter Chancen mehr als in Ordnung", befand Löw. Besser noch: Mit einem Sieg am Dienstag in Düsseldorf gegen Belgien würde Deutschland zum zweiten Mal eine Qualifikationsrunde mit der Maximal-Punktzahl beenden.

Zehn Siege wären allerdings einer neuer Rekord nach den acht Erfolgen in der WM-Quali 1982. Die Spieler sind heiß auf die neue Bestmarke. "Der Sieg in der Türkei war schon wichtig. Jetzt steht nur noch das Belgien-Spiel an und da wollen wir die Zehn natürlich voll machen", blickte Neuer voraus.

Michael Reis