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Im Juni drehte sich in Fußball-Deutschland wieder einmal alles um den runden Ball. Drei Wochen lang hielt die EURO 2008 in Österreich und der Schweiz die Fans in Atem.

Deutschland zog in das Finale eines hochklassigen Turniers ein, verlor dort aber gegen Spanien durch ein Tor von Fernando Torres mit 0:1.

Was blieb hängen?

Doch was blieb von den europäischen Titelkämpfen am meisten hängen? Wer war der Top-Spieler des Turniers, welche Mannschaft hat überzeugt, überrascht oder auch enttäuscht? Wer waren die Pechvögel?

bundesliga.de: steigt ins Archiv und blickt nochmal auf ein paar Höhepunkte zurück.

Der verdiente Triumph

Die Spanier bejubelten ihren ersten Titel bei einem großen Turnier seit der Europameisterschaft 1964. Und das völlig verdient: Spanien konnte die hochgesteckten Erwartungen vollends erfüllen. Die Mannschaft von Trainer Luis Aragones dominierte jedes einzelne Spiel und ist zu Recht auf Europas Fußball-Thron gestiegen. Erst zum dritten Mal in der Geschichte hat der Europameister in der Endrunde alle seine Spiele gewonnen (inkl. Siege nach Elfmeterschießen). Zum besten Spieler der EURO 2008 wurde der Spanier Xavi gewählt. Die UEFA begründete ihre Entscheidung mit den knappen Worten: "Xavi bestimmt das Tempo im spanischen Spiel. " Und auch der Torschützenkönig kam aus Land des neuen Champions: David Villa erzielte vier Tore. Kurios: Der Stürmer traf nur in den ersten beiden Spielen des Turniers.

Deutschland mit Höhen und Tiefen

Der Auftakt gegen Polen gelang der Mannschaft von Trainer Joachim Löw durchaus. 2:0 wurde der Nachbar bezwungen. Doppelter Torschütze war ausgerechnet Lukas Podolski, der in Polen geboren wurde. Es folgte eine ernüchternde Partie gegen Kroatien (1:2). Im abschließenden Gruppenspiel gegen Österreich gewann die Löw-Elf durch einen Hammer-Freistoß von Michael Ballack mit 1:0. Geschafft – das Viertelfinale war erreicht! Dort wartete kein geringerer Gegner als Portugal. Cristiano Ronaldo und Co. gingen als Favoriten in die Partie. Aber es kam ganz anders: Deutschland lieferte die stärkste Turnierleistung ab und siegte nach atemberaubenden 90 Minuten mit 3:2. Im Halbfinale kam es zum brisanten Duell gegen die Türkei. Wieder hieß es am Ende 3:2 für das DFB-Team. Philipp Lahm erlöste die deutschen Fans in der 90. Minute mit seinem Siegtreffer. Und es hieß: FINALE – Oho! Leider mit dem bekannten Ausgang...

Schweiz mit Pech an den Stiefeln

Co-Gastgeber Schweiz war ambitioniert ins Turnier gestartet. Aber schon das Eröffnungsspiel am 7. Juni in Basel ging gegen Tschechien unglücklich mit 0:1 verloren. Doch nicht nur die drei Punkte waren weg, auch der Kapitän der Eidgenossen, Dortmunds Alexander Frei, wurde jäh aus seinen EURO-Träumen gerissen. Es war die 42. Minute im Basler St.-Jakob-Park: Frei, bis zu diesem Zeitpunkt der beste Spieler auf dem Platz, humpelte mit Tränen in den Augen vom Platz. Diagnose: Teilabriss des Innenbandes im linken Knie - das EURO-Aus! Es folgte eine 1:2-Pleite gegen die Türkei und damit das vorzeitige Turnier-Aus! Immerhin konnte das Team von Trainer Köbi Kuhn einen versöhnlichen Abschluss feiern. Im letzten Gruppenspiel bezwang die "Nati" die portugiesische Elf mit 2:0. Es war der erste Sieg in der EM-Geschichte der Schweiz.

Frankreich-Aus in der Vorrunde – Ribery verletzt

Schon die Auslosung zur EURO verlief für die Franzosen nicht nach Plan - und schon gar nicht nach Wunsch! Das Los bescherte dem Weltmeister von 1998 mit Italien, den Niederlanden und Rumänien eine hohe Hürde für das Erreichen des Viertelfinals. In Nachhinein weiß man: Die Hürde war zu hoch. Mit nur einem Punkt und als Gruppenletzter verabschiedete sich die Mannschaft von Trainer Raymond Domenech von der EURO 2008. Der einzige Punktgewinn gelang der "Equipe Tricolore" beim 0:0 gegen Rumänien. Im Spiel der Franzosen gegen Italien (0:2) stockte auch den deutschen Fans der Atem - vorausgesetzt sie waren Bayern-Fans. FCB-Superstar Franck Ribery hatte sich im Zweikampf mit Zambrotta verkakt, hielt sich die Wade und musste mit der Trage abtransportiert werden. Der befürchtete Beinbruch bestätigte sich zum Glück nicht, aber mit einem Riss am Syndesmoseband oberhalb des linken Sprunggelenks fiel der Franzose dennoch lange aus.

Russland begeistert mit tollem Offensiv-Fußball

Die russische Nationalelf qualifizierte sich als Zweiter der Gruppe D hinter Spanien für das Viertelfinale. Dort traf Russlands Trainer Guus Hiddink mit seinem Team auf sein Geburtsland Holland. Es war wohl die turbulenteste Partie während der Titelkämpfe. Roman Pavlyuchenko brachte die Russen in der 56. Minute in Front. Alles sah nach einem Sieg der Hiddink-Truppe und dem Aus der Niederländer aus. Doch in der 86. Minute klingelte es auch im Kasten der Russen. Ruud van Nistelrooy glich für "Oranje" aus. Es ging in die Verlängerung. Dort behielten die Russen die Oberhand. Dmitriy Torbinskiy (112.) und Andrey Arshavin (116.) versetzen den Niederländern den K.o. - Russland zog mit dem 3:1 n.V. ins Halbfinale ein. Dort unterlagen sie allerdings den überragenden Spanier deutlich mit 0:3. Dennoch gehörte Russland sicherlich zu den positiven Überraschungen der EURO. "Die Russen laufen schneller rückwärts als meine Spieler vorwärts", lobte Berti Vogts, Nationaltrainer von Aserbaidschan.

Titelverteidiger scheidet sang- und klaglos aus

Als Titelverteidiger reisten die Griechen mit ihren deutschen Trainer Otto Rehhagel zur EURO an. Bei den Titelkämpfen 2004 in Portugal hatten sie noch sensationell Europas Fußball-Gipfel erklommen. Doch die Geschichte sollte sich nicht wiederholen: Diesmal verabschiedeten sich die Griechen mit null Punkten und nur einem von Angelos Charisteas erzielten Tor schon nach der Vorrunde von dem Turnier. Spanien, Schweden und Russland waren einfach eine Nummer zu groß für die Rehhagel-Truppe. Der Trainer nahm's dennoch recht gelassen: "Es ist keine Schande, wenn man hier alle drei Spiele verliert. Niemand konnte erwarten, dass wir Europa schwindlig spielen."

Favoritensterben

Für die Top-Favoriten stand die EURO 2008 nicht gerade unter einem guten Stern - die meisten veranschiedeten sich mehr oder weniger früh aus dem Turnier. Die Franzosen blieben bereits in der Gruppenphase hängen, Portugal scheiterte an Deutschland, Holland an Russland und Weltmeister Italien an Spanien. Vor allem die Holländer präsentierten sich in der Gruppenphase als spielstarkes Team und setzte sich in der "Hammer"-Gruppe C verlustpunktfrei gegen Italien, Frankreich und Rumänien durch, scheiterten dann aber bereits im Viertelfinale an den Russen (1:3 n.V.).