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Köln - 240 Kinder aus 22 Clubs trafen sich in Freiburg zum großen Kids-Club Sommercamp. Durch Workshops, Spielen und Aktionen lernten die Kids vier Tage lang viel über Zusammenhalt, Inklusion, Gewalt- und Drogenprävention.

Eine Sportanlage in Freiburg, malerisch an der Dreisam gelegen. Zahllose Kinder flitzen über den Rasen der drei Fußballplätze. Es geht hoch her. Plötzlich dröhnt "Auf uns" von Andreas Bourani aus überdimensionalen Boxen. Das Essen ist fertig. Wie auf Knopfdruck rennen die Kids aus allen Ecken des Geländes zu einem großen Atrium. Bevor das Lied zu Ende ist, sitzen dort 240 Kindern an den Tischen. "Das klappt wirklich sehr gut", stellt Tobias Barth fast ein wenig überrascht fest.

Tobias Barth ist einer der Organisationsleiter des Kids-Club Sommercamps 2015 in Freiburg. Gemeinsam mit Tobias Rauber vom Freiburger Kids- und Niklas Ziegler vom Jugend-Club der Breisgauer hat er seit Monaten alles akribisch vorbereitet. Der Sport-Club Freiburg und das Institut für Sport und Sportwissenschaften der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg waren die Gastgeber des diesjährigen Sommercamps, das 2015 bereits zum fünften Mal stattfand. Die DFL Deutsche Fußball Liga unterstützte das Treffen der Kids-Clubs der Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga. Finanziert wurde das Sommercamp mit Hilfe der Bundesliga-Stiftung.

28 Mädchen unter den Teilnehmern

Die Mahlzeiten waren die einzige Zeit, in denen die Kinder fast ausschließlich mit anderen jungen Fans aus ihrem Kids-Club zusammen saßen - aus organisatorischen Gründen. Das gemeinsame Essen von 240 Kindern aus 22 Clubs - darunter 28 Mädchen - und rund 50 Betreuern war auch ohne frei Platzwahl eine logistische Herausforderung. Abgesehen vom Essen mischte sich die Gruppe bunt durcheinander.

Und das schon bei der Anfahrt. Aus dem Norden rollte am Montag ein Zug mit 70 jungen Fans des Hamburger SV, des FC St. Pauli, von Werder Bremen sowie von Hannover 96 Richtung Freiburg. Währenddessen stiegen im Ruhrgebiet junge Anhänger von Borussia Dortmund und Schalke 04 in einen Reisebus. Auch die Kids-Clubs von Fortuna Düsseldorf, Bayer Leverkusen und dem 1. FC Köln fuhren gemeinsam in den Breisgau.

Trotz der Rivalität der einzelnen Clubs verlief die Anreise bei allen Parteien reibungslos. Bis auf den Bus aus dem Rheinland - hier war der DVD-Player aus Versehen auf Zufallswiedergabe gestellt, ließ sich nicht umstellen. So verfolgten die Kinder den Film "Teufelskicker" in einer sehr individuellen Version. Die Stimmung konnte das allerdings nicht trüben.

Fast reibungslose Anfahrt

Die gemeinsame Fahrt zum Sommercamp sorgte dafür, dass die Kinder eventuelle Vorurteile gegenüber Fans anderer Vereine schon bei der Ankunft in Freiburg völlig vergessen hatten. "Die Kinder merken schnell: Auch wenn jemand Fan von einem anderen Club ist, kann das ein ganz netter Mensch sein, mit dem ich zusammen spielen möchte. Diese Erfahrung steht im Camp immer an oberster Stelle", betont Stefanie Thiele vom FC Schalke 04.

Thiele ist Teil des Nationalen Arbeitskreises der Kids-Clubs (NAK), der sich gemeinsam mit der von Arne Stratmann, Referent Fanangelegenheiten, vertretenen DFL auf ein gemeinsames Jahresthema für die Spielzeit 2015/16 verständigt hat. Nach "Lesen" in der Premierensaison und "Bewegung" in der abgelaufenen Spielzeit gilt das Augenmerk im kommenden Jahr verstärkt dem Thema "Prävention". Das Sommercamp bildete den Auftakt zu zahlreichen Aktionen in der kommenden Saison.

Tolle Erfahrungen in Inklusions-Workshops

In verschiedenen Workshops wurden die Themen Gewalt-, Drogen- und Verletzungsprävention sowie die Förderung von Bewegung kindgerecht vermittelt. Die Jungs und Mädchen hatten viel Spaß und lernten dabei eine Menge. Besonders die Gefahren von Pyrotechnik blieben den Kindern im Gedächtnis.

Neben dem Thema Prävention spielte - wie in den vergangenen beiden Jahren auch - Inklusion eine große Rolle. Die Aktion Mensch und die Deutsche Behinderten Sport Jugend (DBSJ) führten verschiedene Workshops durch, in denen die Kinder einmal in die Rollen behinderter Sportler schlüpfen konnten. "Die Perspektive von Kindern mit Behinderung einzunehmen, lässt Barrieren in den Köpfen gar nicht erst entstehen. Und das ist das Ziel der Präventionsarbeit der DFL und der Bundesliga-Stiftung in diesem Bereich", sagt Arne Stratmann.

Gerade der Blindenfußball, das blinde Klettern oder der Biathlon für seh- oder körperlich behinderte Menschen war für die Kinder ein ganz besonderes Highlight. Viele fanden genau diese Workshops am Ende am besten. "Das Schöne ist: In dem jungen Alter sind sie gegenüber dem Thema sehr offen", erklärte Thomas Stephany von der Aktion Mensch, der die Kinder beim Blindenklettern anleitete.

Zettel und Stift am letzten Tag

Neben den Workshops blieb natürlich auch noch viel Zeit für das Kicken gegen den Ball. Bei der Mini-WM mit bunt gemischten Teams am zweiten Tag setzte sich etwas überraschend Australien durch. Außerdem wurde Freiburg erkundetet, und die Freiburger Spieler Nils Petersen und Julian Schuster stellten sich auf einer Kinder-Pressekonferenz den Fragen der Kids.

Als die Kinder am Donnerstagmorgen zum letzten Mal beim Frühstück zusammensitzen, müssen Tobias Barth und seine Kollegen massenhaft Stifte und Zettel herausgeben. Telefonnummern von neuen Freunden werden eilig notiert. Analog. Handys sind beim Sommercamp nämlich nicht gerne gesehen. "Das Camp war der Hammer", jubelt ein junger Kölner Fan. Tobias Barth lächelt. "Wir haben ganz viel Arbeit in das Sommercamp gesteckt, aber es hat sich hundertprozentig gelohnt. Heute Abend falle ich müde, aber glücklich ins Bett." So wie 240 Kinder und 50 Betreuer auch.

Florian Reinecke

Das Sommercamp im Video

Kinder PK mit Schuster und Petersen

Inklusion im Sommercamp

Prävention im Sommercamp