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Mainz/München - Sami Allagui ist ein Blitzstarter: Gleich drei Mal netzte der Deutsch-Tunesier in den vergangenen beiden Bundesligapartien ein - in beiden Spielen war er erst wenige Augenblicke zuvor eingewechselt worden.

13 Minuten brauchte Allagui am 13. Spieltag, um das Spiel gegen Gladbach mit zwei Toren zu Gunsten der Mainzer zu drehen. Am 14. Spieltag gegen Nürnberg netzte er mit einem frechen Heber zum 3:0 Endstand ein - nach nur elf Minuten auf dem Rasen. Der Stürmer braucht nicht lange, um sich zu akklimatisieren, ist sofort auf Betriebstemperatur.

"Mainz ist nicht Bayern oder Schalke"

In ähnlicher Manier ist Allagui die Umstellung von der 2. Bundesliga auf Deutschlands Eliteklasse gelungen. Im Sommer wechselte der Angreifer von der Spielvereinigung Greuther Fürth an den Rhein.

Ohne Anlaufzeit etablierte sich der gebürtige Düsseldorfer sofort als fester Bestandteil der jungen FSV-Truppe, traf gleich bei seinem Debüt am 1. Spieltag. Zehn Spiele bestritt er bislang, davon acht von Beginn an. "Mainz ist nicht Bayern oder Schalke, sondern ein kleiner Verein", erklärt der gläubige Muslim den raschen Anpassungsprozess, "da hilft jeder jedem."

Sein Ziel sei immer schon die Bundesliga gewesen, sagt Allagui. Verhältnismäßig spät für einen Profifußballer wurde sein Traum im Sommer war. Neben den Youngsters Lewis Holtby und Andre Schürrle, die in der Anfangsphase der Saison die Schlagzeilen bestimmten, ist der 24 Jahre alte Allagui fast schon ein alter Hase.

Im Champions-League-Kader von Anderlecht

In der 2. Bundesliga war er eine große Nummer. 30 Tore erzielte er in drei Jahren in der zweithöchsten deutschen Spielklasse, dazu kamen insgesamt 16 direkte Torvorlagen.

Fürth-Coach Mike Büskens, unter dem Allagui noch in der Rückrunde 2009/10 trainierte, wusste genau, was für ein Sturm-Juwel er ziehen lassen muss. "Wir haben mit Sami einen Spieler verloren, der für richtig hohe Qualität stand", sagte Büskens im Sommer gegenüber bundesliga.de. Fürth verlor nicht nur richtig Qualität, sondern auch richtig viel Erfahrung, denn Allagui hatte sich zuvor bereits im Ausland Meriten verdient.

Nach Stationen als Jugendspieler beim FC Büderich, Fortuna Düsseldorf und Alemannia Aachen wechselte er für sein erstes Profi-Engagement zum RSC Anderlecht in die belgische Jupiler League. In der Champions League stand er gegen Mannschaften wie Liverpool, Chelsea und Milan im Kader, kam aber nicht zum Einsatz. Um Spielpraxis zu sammeln, verlieh ihn der Renommierclub Anfang 2007 an die KSV Roeselare.

"Da habe ich viel gelernt", sagt Allagui rückblickend über seine Zeit im Ausland. Den großen Durchbruch schaffte er in Belgien allerdings nicht. Mangels Perspektiven orientierte sich Allagui im Sommer 2007 um und kehrte nach Deutschland zurück, wo sich Carl Zeiss Jena die Dienste des vielseitigen Offensivspielers sicherte.

"Warum holt den eigentlich keiner?"

Nach einem Seuchenjahr bei den Thüringern kam seine Karriere erst in Fürth wieder richtig in Schwung. Dort machte der wendige und spielstarke Angreifer mit einer starken Scorer-Quote auch etliche Bundesligaclubs auf sich aufmerksam. Mainz 05 bekam schließlich den Zuschlag.

"Wir haben uns gedacht, warum holt den eigentlich keiner?", wundert sich 05-Manager Christian Heidel. Allagui passe mit seiner Schnelligkeit und seinem Spielverständnis ausgezeichnet zur Mannschaft, so der Manager. "Bei uns macht er nahtlos weiter, wo er in Fürth aufgehört hat." Und Trainer Thomas Tuchel lobt: "Sami ist ein schlauer, schlitzohriger Stürmer."

Tunesien statt Deutschland

Mit seiner Spielweise hätte der Sohn tunesischer Eltern womöglich auch gut in die deutsche Nationalmannschaft gepasst, wo seine Mainzer Teamkollegen zuletzt Länderspielluft schnuppern durften. Doch dieser Zug ist längst abgefahren.

Am 19. November 2008 debütierte Allagui für die Nationalmannschaft Tunesiens. "Ein klares Versäumnis des DFB", befand damals der Fürther Manager Rachid Azzouzi.

Als A-Jugendlicher hatte Allagui noch zwei DFB-Lehrgänge bestritten. Weil später entsprechende Signale der DFB-Verantwortlichen ausblieben, gab er dem Werben des tunesischen Nationaltrainers nach. Mainz 05 und der Bundesliga aber bleibt er ja erst einmal als Blitzstarter erhalten...

Andreas Messmer