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Leverkusen - Während Werkself-Trainer Roger Schmidt seiner etatmäßigen Nummer 10, Hakan Calhanoglu, eine kleine Verschnaufpause gönnte und ihn beim 4:0-Erfolg gegen den Hamburger SV 80 Minuten auf der Bank ließ, durfte Gonzalo Castro im Mittelfeld die Fäden ziehen.

Der 27-Jährige spielte überragend, traf doppelt, gab die Vorlage zum 2:0 und war am 3:0 beteiligt. Viel mehr geht nicht! Entsprechend zufrieden war das Urgestein von Bayer 04 Leverkusen im Interview mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Gonzalo Castro, Glückwunsch zu einer Galavorstellung beim 4:0-Heimsieg gegen den Hamburger SV. Wie fassen Sie das Spiel zusammen?

Castro: Wir haben es gut gemacht. Wir haben die Schwächen der Hamburger eiskalt ausgenutzt. Sie haben uns den Gefallen getan und versucht, hinten rauszuspielen. Darauf haben wir gelauert. Umso schöner für uns.

"Ab und zu tut mir die Rolle ganz gut"

bundesliga.de: Die Mannschaft hat auch nach dem 2:0 weiter Gas gegeben und sich vor dem Pokalspiel gegen die Bayern am Mittwoch nicht geschont. Das machen nicht alle Teams.

Castro: Wir sind in der Birne reifer geworden. Wir wissen, was wir wollen. Wir hatten direkt nach der Pause zwei Riesenchancen. Wir hätten auch schon früher das 3:0 machen können. Aber letztendlich haben wir hochverdient 4:0 gewonnen.

bundesliga.de: Und Sie hatten auf Ihrer Position im zentralen Mittelfeld richtig Spaß?

Castro: Ja, sicher. Wenn du zwei Tore machst und zwei vorbereitest, hast du immer Spaß. Ab und zu tut mir die Rolle ganz gut. Aber eigentlich bin ich der Sechser, und Hakan Calhanoglu ist der Zehner. Mich freut auch sehr, dass der Kies (Stefan Kießling, die Red.) zwei Tore gemacht hat. Das war für seine Seele und seinen Kopf enorm wichtig.

"Wir wissen, was wir können"

bundesliga.de: Jetzt hat Bayer 04 die letzten fünf Spiele alle zu null gewonnen. Ist Leverkusen nach dem Stolperstart in die Rückrunde nun die Mannschaft der Stunde?

Castro: Wir sind zufrieden. Die Kritik war angebracht und so Dämpfer wie gegen Augsburg oder Wolfsburg tun irgendwie auch ganz gut. Danach haben wir uns stabilisiert und uns in der kompletten Defensivarbeit gegen den Ball enorm verbessert. Wir werden von Woche zu Woche immer stabiler und haben jetzt auch noch mit Tin Jedvaj einen sehr guten Außenverteidiger dazu bekommen. Das tut der Mannschaft sehr gut.

bundesliga.de: Am Mittwoch empfängt die Werkself Bayern München im Pokal. Bei den Bayern fehlen eine ganze Reihe wichtiger Spieler wie Arjen Robben, David Alaba, eventuell Franck Ribery. Wie groß ist Ihre Zuversicht, den Rekordmeister packen zu können?

Castro: Wir wollen weiterkommen. Wir wissen natürlich, dass es schwer wird. Wir müssen alles dafür tun, es den Bayern so schwer wie möglich zu machen. Und wir wissen, was wir können und können mit breiter Brust aufspielen. Unser Konterspiel ist enorm schnell und gut. Nach dem 4:0 gegen den HSV und fünf Siegen in der Meisterschaft in Folge ist unser Selbstvertrauen groß. Aber die Bayern können ein Spiel auch dominieren und einen Gegner an die Wand spielen. Wir müssen auf alles gefasst sein und freuen uns sehr auf die Aufgabe.

bundesliga.de: Vor sechs Jahren gab’s die Paarung Leverkusen gegen München im Viertelfinale schon einmal. Damals gewann Bayer 04 und zog ins Finale ein.

Castro: Das ist doch ein gutes Omen. Aber es wird sehr schwer, auch wenn sie ein paar verletzte Spieler haben. Die Bayern haben immer noch genügend gleichwertige Spieler auf der Bank.

"Ein Verdienst der Mannschaft"

bundesliga.de: Von Trainer Roger Schmidt heißt es, er habe die Spieler besser gemacht. Wie hat er das gemacht?

Castro: Er ist ein guter Trainer, der ein System hat. Es ist komplett anders als das von anderen Vereinen. Mir liegt die Spielweise, ebenso beispielsweise Karim Bellarabi. Für uns ist es alle schön, dieses System zu spielen. Es ist anstrengend, aber wir sind damit erfolgreich.

bundesliga.de: Sehen wir im Moment den stärksten Gonzalo Castro seit langem?

Castro: Ich spiele gut, aber das ist auch immer ein Verdienst der Mannschaft. Wenn die gut spielt, spielt auch jeder einzelne Spieler gut. Julian Brandt war heute ebenfalls ganz stark, Stefan Kießling genauso und auch hinten in der Viererkette verteidigen wir im Moment sehr gut.

bundesliga.de: Für den Moment hat Leverkusen den nächsten Konkurrenten Schalke um neun Punkte abgehängt. Orientieren Sie sich jetzt eher an Mönchengladbach auf Platz 3?

Castro: Natürlich wollen wir Dritter werden. Gladbach hat noch einige schwere Aufgaben vor sich, wir aber auch. Wir müssen in den letzten sieben Spielen kämpfen. Wenn wir viele davon gewinnen, werden wir am Ende der Saison sehen, wo wir stehen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski