Köln – Wer Serge Gnabry dabei beobachtet, mit welcher Selbstverständlichkeit er die Defensivreihen der Bundesliga durcheinanderwirbelt, wird kaum glauben können, dass der Offensivspieler von Werder Bremen gerade seine erste Saison als vollwertiges Mitglied einer Profi-Mannschaft absolviert. So spielerisch leicht er auf dem Platz agiert, so geerdet ist er abseits des Rasens. Neben seinen herausragenden sportlichen Fähigkeiten ist diese Bodenständigkeit ein wichtiger Baustein seines Erfolgs.

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Obwohl er in fünf Jahren beim FC Arsenal lediglich 483 Minuten in der Premier League auf dem Platz stand – inklusive zwölf Minuten während der völlig missglückten Leihe an West Bromwich Albion – hat Serge Gnabry in London eine Menge gelernt. Vor allem, wie wichtig Einsatzzeiten für einen jungen Spieler sind. Und das Leihspieler häufig nicht dieselbe Wertschätzung genießen, wie Profis, die beim Club fest unter Vertrag stehen.

Özil und Mertesacker als Ratgeber

Als der 21-Jährige nach herausragenden Olympischen Spielen in ganz Europa heiß begehrt war, waren bei seiner Entscheidung für einen neuen Club zwei Kriterien ausschlaggebend: Viele Einsätze und ein fester Vertrag. Ein Leihgeschäft kam für den pfeilschnellen Offensivallrounder nach der Erfahrung mit West Bromwich nicht in Frage.

Nach Rücksprache mit seinen Londoner Teamkollegen Per Mertesacker und Mesut Özil entschied sich Gnabry für Werder Bremen. Eine Entscheidung, die sich für beide Seiten voll ausgezahlt hat. Nach 24. Bundesliga-Spieltagen hat Gnabry bereits 1.800 Bundesliga-Minuten absolviert und sich mit seinen starken Leistungen bis in die Nationalmannschaft gespielt.

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Nominiert im Februar sind Serge Gnabry, Naby Keita und Ousmane Dembele

Dabei ist er nicht nur auf dem Feld wichtig: Als Gnabry am 24. Spieltag in Leverkusen verletzt ausfiel, reiste er dennoch mit der Mannschaft ins Rheinland und unterstützte die Teamkollegen. "Ihn hier zu haben als Unterstützer, ist wichtig für das Team", sagte Abwehrspieler Niklas Moisander, "das ist ein großartiges Zeichen." Und unterstreicht, wie reif Gnabry für sein Alter bereits ist.

Hrubesch ist Gnabry-Fan

Für einen kam der rasante Aufstieg nicht überraschend: Horst Hrubesch, der das deutsche Olympiateam in Brasilien betreute, ist schon lange von den Fähigkeiten des 21-Jährigen überzeugt: "Er hat eine super Technik, das Auge für den Pass, ist torgefährlich und besitzt eine Qualität, die musst du suchen", so Hrubesch. Und mit einer Prognose aus dem Herbst 2016 lag der DFB-Sportdirektor goldrichtig: "Wenn er bei Bremen langsam Fuß fasst und dann im Winter eine ordentliche Vorbereitung hinter sich hat, wird man im Frühjahr den besten Serge Gnabry sehen."

Die ersten acht Gnabry-Tore im Video

Im Februar erzielte der Bremer drei Tore in vier Bundesliga-Partien – darunter seinen ersten Doppelpack beim 2:1-Auswärtssieg in Wolfsburg. Vor allem auswärts läuft es bei Gnabry, der neun seiner zehn Saisontore auf fremden Plätzen erzielte – nur Aubameyang war da noch erfolgreicher. Werte, die ihn zu einem würdigen Kandidaten für den Rookie des Monats machen. Und eines ist sicher: Selbst, wenn Serge Gnabry die Wahl gewinnen sollte – abheben wird er weiterhin nur, wenn er zum Kopfball hoch steigt.

Florian Reinecke