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Sinsheim - Die Interviewzone in der Rhein-Neckar-Arena bietet nicht nur gute Arbeitsmöglichkeiten für die Journalisten, sie gibt auch immer wieder interessante Einblicke hinter die Kulissen. Ein skurriler Anblick ist es beispielsweise, ein leibhaftiges Maskottchen nach getaner Arbeit zu sehen.

"Hoffi", der während des Spiels so agile, stets freundlich winkende Plüsch-Elch, schlappte am Sonntagabend beispielsweise genau so übellaunig von dannen wie die 1899-Akteure, die allerdings die Größe besaßen, ausführlich Stellung zu beziehen.

Umso beachtenswerter, als der Frust noch recht frisch war. Schließlich fiel der Freiburger Siegtreffer ja in buchstäblich letzter Sekunde der Partie - Schiedsrichter Felix Zwayer pfiff jedenfalls erst gar nicht wieder an.

Selbstkritik nach der Fehlerkette

Ob des späten Nackenschlags verärgert, zeigte sich nicht nur Hoffenheims Verteidiger Andreas Beck: "So zu verlieren in letzter Sekunde ist richtig ärgerlich, das ist sch..." Auch er wusste natürlich, dass der Freiburger Treffer nie hätte fallen dürfen: Zuerst stellte sich Luiz Gustavo ungeschickt an, als er Freiburgs Stefan Reisinger nicht daran hindern konnte, den Ball erst anzunehmen und dann auf den späteren Torschützen Papiss Demba Cisse weiterzuleiten.

Dann standen - der nächste Fehler - Beck und Issac Vorsah zu ungünstig, um den Senegalesen ernsthaft stören zu können. Kollege Marvin Compper gestand das ebenso wie Beck unumwunden ein: "Jeder hat sich auf den anderen verlassen. Wir waren fünf gegen zwei in Überzahl, das darf nicht passieren."

Auch Trainer Ralf Rangnick hatten die letzten Sekunden dieser taktisch von beiden Seiten anspruchsvoll geführten Partie die Laune vergällt: "Es ist unglaublich, wie wir es schaffen, die Zeitpunkte der Gegentore immer weiter nach hinten zu verlegen." Wie Compper fand auch er, dass der Freiburger Sieg eher glücklich ausgefallen war. Das sah auch Demba Ba so: "Wir hatten die klar besseren Chancen. Insofern war es auch Pech, dass wir verloren haben."

Ersatzmann Sigurdsson überzeugt

Tatsächlich hatte 1899 Hoffenheim keine schlechte Partie hingelegt - im Gegenteil. Rangnicks Maßnahme, neben Vead Ibisevic auch Sead Salihovic zunächst auf der Bank zu lassen, hatte vor der Partie manchen Beobachter irritiert. Nach der Begegnung war das anders: Gylfi Sigurdsson, der für den Freistoßspezialisten in die Partie gekommen war, hatte einen starken Auftritt gezeigt und durch ausnahmslos klare Aktionen, intelligente Pässe und auffallend gute Standards überzeugt.

Es war sicher kein Zufall, dass der Isländer, der im Sommer aus der zweiten englischen Liga, aus Reading, geholt worden war, in der 21. Minute die größte Hoffenheimer Chance der ersten Hälfte hatte. Einen schwer zu nehmenden Ball hämmerte er da mit voller Wucht und exzellenter Schusstechnik an die Unterkante der Latte.

Wiedergutmachung in Frankfurt

"Wir müssen jetzt in Frankfurt die Punkte holen, die uns fehlen", forderte Compper mit Blick auf die Partie am kommenden Samstag. Bange muss den Kraichgauern vor dem Auswärtsspiel nicht sein. Das Team hat auch am Sonntag nicht enttäuscht und streckenweise eindrucksvoll gezeigt, dass es ins obere Tabellendrittel gehört.

Die Unkonzentriertheiten, die sich wie ein roter Faden durch den bisherigen Saisonverlauf ziehen, sollte die Mannschaft allerdings baldmöglichst abstellen. Auch wenn Ralf Rangnick mit beißendem Sarkasmus auch auf diesem Gebiet Fortschritte festgestellt haben will: "Immerhin legen wir den Zeitpunkt unserer Gegentreffer immer weiter nach hinten."

Christoph Ruf