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Louis van Gaal kommt bekanntlich aus den Niederlanden. Der Trainer des FC Bayern ist angetreten, um dem Rekordmeister ein neues, erfolgreiches und ansehnliches Spielsystem zu verpassen.

Im Schnellverfahren eignete er sich vor seinem Engagement im Rahmen eines Sprachkurses Deutschkenntnisse an und doziert mittlerweile in beachtlich flüssigem Idiom seine Gedanken, Ideen und Anweisungen zum Fußball.

VfB verfehlt die eigenen Ansprüche

Am 11. Spieltag tritt seine Mannschaft im Südgipfel beim angeschlagenen VfB Stuttgart an (Samstag ab 15 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio).

Die Schwaben verloren zuletzt fünf Pflichtspiele in Folge. In der Bundesliga liegt der VfB mit mageren zehn Zählern nur auf Platz 14 und damit nach dem schlechtesten Saisonstart seit 1974/75 weit hinter dem Anspruch eines Vorjahresdritten und Champions-League-Teilnehmers zurück. Am vergangenen Dienstag folgte auch noch das überflüssige Aus im DFB-Pokal-Achtelfinale - gegen den Zweitligisten Greuther Fürth.

"Eine Katze in einem engen Raum macht komische Sprünge"

Die Bayern hingegen feierten zwei Siege gegen Eintracht Frankfurt innerhalb von fünf Tagen: einen etwas glücklichen, wenngleich hoch verdienten 2:1-Last-Minute-Sieg am 10. Bundesliga-Spieltag vor eigenem Publikum; und einen absolut souveränen, nie gefährdeten und stellenweise beeindruckenden 4:0-Erfolg in der Frankfurter Commerzbank-Arena im DFB-Pokal.

Die Vorzeichen könnten also vor dem 85. Aufeinandertreffen der beiden Clubs unterschiedlicher kaum sein, die Favoritenrollen sind klar verteilt. Doch van Gaal warnte seine Spieler davor, Stuttgart wegen der dortigen sportlichen Krise auf die leichte Schulter zu nehmen. Auf die Frage, ob das Sprichwort "Ein angeschlagener Boxer ist ein gefährlicher Boxer" auch in den Niederlanden gelte, sagte er: "Bei uns heißt es: Eine Katze in einem engen Raum macht komische Sprünge. Das weiß ich auch."

Ein "komischer Sprung" aus Stuttgarter Sicht wäre vor allen Dingen mal wieder ein Torerfolg. Sowohl im bislang letzten Bundesliga-Spiel in Hannover als auch beim Pokalauftritt in Fürth stand bei den Schwaben vorne die Null. Das Problem ist dabei nicht die mangelnde Zahl von Tormöglichkeiten, sondern deren Verwertung. Überhaupt schossen die Schwaben in der Bundesliga erst zehn Treffer in zehn Spielern. Nimmt man dabei die insgesamt sieben Tore gegen Frankfurt und Freiburg aus der Rechnung, verteilen sich magere drei Buden auf acht Partien.

Babbel: "Zumindest zu Null spielen"

Insofern plant VfB-Trainer Markus Babbel, dem die Stuttgarter Verantwortlichen trotz ausbleibenden Erfolgs unter Woche ihr vollstes Vertrauen aussprachen, einen anderen Ansatz für das brisante Duell gegen die in Schwaben wenig geliebten Münchener.

"Wir dürfen überhaupt keine Chance mehr zulassen, denn momentan machen unsere Gegner aus einer Möglichkeit ein Tor", sagte Babbel, der zwischen 1991 und 2000 insgesamt sieben Jahre lang den Dress der "Roten" trug und mit ihnen unter anderem drei Mal Deutscher Meister wurde. "Solange wir uns mit eigenen Toren schwer tun, ist es unheimlich wichtig, zumindest zu Null zu spielen", erklärte er.

Sein Gegenüber will sich von der aktuellen sportlichen Misere nicht blenden lassen. Stuttgart habe "eine gute Mannschaft mit Spielern hoher Qualität, die ein Spiel auch ändern können", sagte van Gaal. Einen Akteur von ganz besonderer Qualität verloren die Schwaben allerdings vor der Saison an den direkten Konkurrenten: Mario Gomez, in den vergangenen drei Jahren erfolgreichster VfB-Torschütze, steht seit dem Sommer bei den Bayern unter Vertrag.

Ein besonderes Spiel für Gomez

Zwar ist Gomez vor dem ersten Treffen gegen seinen früheren Arbeitgeber derzeit nur dritte Wahl im Bayern-Sturm hinter Miroslav Klose und Luca Toni. Doch van Gaal denkt über einen möglichen Einsatz seiner Nummer 33 nach: "Es ist für Gomez ein besonderes Spiel, und ich habe den Spielern dann oft die Chance gegeben."

Während dem VfB Georg Niedermeier (Bänderdehnung), Martin Lanig (Reha nach Kreuzbandriss), Cacau (Muskelfaserriss), Sami Khedira (Überlastungsreaktion im Fuß) fehlen, stehen beim Rekordmeister bis auf Franck Ribery (Patellasehne) und Ivica Olic (Muskelbündelriss) grundsätzlich alle Spieler zur Verfügung. Allerdings steht hinter dem Einsatz von Arjen Robben noch ein großes Fragezeichen. Van Gaal wird seinen Flügelflitzer nach gerade überstandener Knieverletzung aller Voraussicht nach für das wichtige Champions-League-Spiel am Dienstag gegen Bordeaux schonen.

Solche Sorgen hätte VfB-Coach Babbel vermutlich gerne. Seine größte Aufgabe wird es sein, das Selbstvertrauen seiner Spieler zu stärken. "Keiner darf vor dem Gegner Angst haben", sagt Babbel: "Was sonst passiert hat man ja beim 4:0 der Bayern im Pokalspiel in Frankfurt gesehen." Von komischen Sprüngen hessischer Katzen ist dort nämlich nichts berichtet worden…

Denis Huber