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Der Blick auf die Tabelle schmerzt: Nach acht Spieltagen hat der VfB Stuttgart lediglich acht Punkte auf dem Konto, was im Klassement den 13. Platz ergibt und weder bei Fans, noch bei Spielern oder Verantwortlichen des schwäbischen Clubs für Glücksgefühle sorgt.

Ganz im Gegenteil: Mit dem 0:2 am vergangenen Spieltag gegen Bremen musste der VfB bereits die zweite Niederlage in dieser Saison vor eigenem Publikum hinnehmen. Die traditionelle Heimstärke der Stuttgarter ist offenbar im Zuge der Umbaumaßnahmen der Mercedes-Benz Arena zu einem reinen Fußballstadion genauso eingestampft worden, wie momentan die Cannstatter Kurve - und nur eine von mehreren Baustellen beim Vorjahresdritten.

Babbel vermisst die Leidenschaft

Auch in der Champions League wusste die Mannschaft von Markus Babbel noch nicht hundertprozentig zu überzeugen: Zuhause gegen harmlose Glasgow Rangers und bei international unerfahrenen Rumänen von Unirea Urziceni gab es trotz Führung jeweils nur ein 1:1.

Auf der Suche nach den Gründen für den bislang enttäuschenden Saisonverlauf tun sich die Beteiligten ebenso schwer wie bei der Fahndung nach Lösungen für die Probleme.

Babbel, der neben dem aktuellen Spielbetrieb gleichzeitig seinen Fußball-Lehrer-Lehrgang an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Köln absolviert, vermisst vor allem die "Leidenschaft der vergangenen Rückrunde", als seine Mannschaft eine beeindruckende Aufholjagd hinlegte und bis zum letzten Spieltag sogar noch die Chance auf die Meisterschaft hatte.

Heldt lässt Babbels Abwesenheit nicht als Alibi gelten

Verteidiger Ludovic Magnin, einer der Erfahrensten in der jungen Mannschaft, sieht genau darin einen Erklärungsansatz: "Wir haben es in den vergangenen Monaten durch einen enormen Kraftakt noch in die Champions League geschafft. Wir haben wirklich das Letzte gegeben. Dann kam der Urlaub - und diese Anspannung ist erst mal abgefallen, jeder wollte durchatmen, jeder hat den Urlaub genossen."

Doch danach sei der Zeitpunkt verpasst worden, zu dem wieder richtig harte Arbeit erforderlich gewesen sei. "Das ist sehr ärgerlich", sagt Magnin, "und es zeigt, dass wir noch viel lernen müssen, um eine große Mannschaft zu werden."

Dass Babbels Zusatzbelastung durch den Trainerschein die tägliche Trainingsarbeit erschwert will Vorstand Horst Heldt nicht als Alibi gelten lassen: "Es ist doch verdammt noch mal die Pflicht der Spieler, dass sie ihren Job gut machen. Und dabei darf es keine Rolle spielen, welches Mitglied des Trainerstabes das Training leitet." In der Länderspielpause verzichtete Babbel jedoch auf die Reise zum Lehrgang, um stattdessen intensiv mit der Mannschaft zu arbeiten.

Offensive ohne Durchschlagskraft

Mit in der Bundesliga bislang nur neun erzielten Toren hinkt der VfB der Offensivkraft vergangener Jahre hinterher. Der Abgang von Toptorjäger Mario Gomez im Sommer zum FC Bayern schmerzt die Schwaben mehr als gedacht.

Der als Gomez-Nachfolger von Zenit St. Petersburg verpflichtete Pavel Pogrebnyak kämpft nach vielversprechenden ersten Auftritten mit Anpassungsproblemen. Gomez' bisheriger Sturmpartner Cacau ist zwar mittlerweile deutscher Nationalspieler, in der aktuellen Saison aber noch genauso ohne Tor wie Ciprian Marica, der auch nach über zwei Jahren weiter auf seinen Durchbruch beim VfB wartet.

Der vom FC Barcelona ausgeliehene Alexander Hleb konnte aufgrund von Verletzungs- und Fitnessproblemen noch nicht seine Qualitäten abrufen. Neuzugang Zdravko Kuzmanovic, der aus Florenz nach Stuttgart wechselte, sitzt auf der Bank. Einziger Lichtblick in der Offensive ist Nachwuchsmann Julian Schieber, der immerhin schon drei Treffer erzielte.

Raute statt flacher Vier?

Und so wird am Neckar derzeit über eine Änderung der taktischen Formation nachgedacht. Führte in der vergangenen Saison Babbels Umstellung auf eine "Doppelsechs" vor der Abwehr mit Thomas Hitzlsperger und Sami Khedira zum gewünschten Erfolg, gilt die "flache Vier" inzwischen als zu defensiv.

Hleb selbst brachte in einem Interview mit der BILD-Zeitung die Rautenvariante für das Mittelfeld ins Spiel. "Es wäre eine Möglichkeit, mit einem klassischen Spielmacher zu spielen. Ich würde selbst gerne von ganz links außen mehr ins Zentrum gehen. Man hat gesehen, dass dieses System, das wir momentan spielen, nicht effektiv genug ist. Wir haben zu wenig Kreativität, wir haben ein Riesen-Loch im Zentrum", sagte der Weißrusse.

Babbel erwartet Reaktion gegen Schalke

Ein weiterer Kandidat für die Position hinter den Spitzen wäre Elson, derzeit im Mittelfeld nur zweite oder gar dritte Wahl. An Taktikspekulationen will sich der Brasilianer aber nicht beteiligen: "Wir müssen jetzt nicht viel reden, sondern hart arbeiten, damit wir wieder Erfolg haben können. Jeder muss jetzt dem Team helfen, denn wir haben schwere Spiele vor uns."

Der nächste Gegner heißt Schalke 04. Gegen den Tabellendritten erwartet Babbel "eine klare Reaktion", die aus schwäbischer Sicht dann hoffentlich auch wieder zu Glücksgefühlen führt.

Denis Huber