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Bremen/Hamburg - Es war die erste Standortbestimmung für die deutsche Nationalmannschaft im EURO-Jahr. Beim 1:2 gegen wiedererstarkte Franzosen musste Bundestrainer Joachim Löw jedoch feststellen, dass es bis zum Start der Europameisterschaft noch einiges zu verbessern gibt.

"Ich ärgere mich vor allem darüber, wie wir verloren haben. Im Laufe des Spiels war uns Frankreich spielerisch überlegen. Im zweiten Durchgang haben wir nicht mehr zu unserem Spiel gefunden. Deshalb war es verdient, dass Frankreich gewonnen hat", analysierte Löw die Niederlage im Bremer Weser-Stadion.

Zu große Abstände

Nach den 90 Minuten hatte er die Hauptbaustelle auch schnell ausgemacht. "Zwischen der Abwehr und dem Mittelfeld waren die Abstände viel zu groß. Da müssen wir die Linien enger machen. Bis zur EM wartet da noch eine Menge Arbeit auf uns", sagte Löw.

Vor allem im zweiten Durchgang offenbarte das DFB-Team Schwächen in der Defensive. Immer wieder konterten die Franzosen die deutsche Mannschaft aus, indem sie das Mittelfeld mit einfachen Pässen überbrückten.

Die Viererkette um Mats Hummels, Jerome Boateng, Benedikt Höwedes (kam zur Pause für Holger Badstuber) und Dennis Aogo wirkte dann überfordert. Auch, weil die Unterstützung der Vorderleute fehlte. "Die Balance hat nicht immer ganz gestimmt. Nach dem 0:1 und 0:2 haben wir viele Räume offen gelassen", meinte Hummels.

Offensivmann Thomas Müller übte Selbstkritik. "Es war ein bisschen undiszipliniert. In der zweiten Halbzeit hatten wir ein wenig eine zweigeteilte Mannschaft. Wir haben die Verteidigung schön alleine gelassen", erklärte der Bayern-Star.

Khedira und Özil überzeugen nur eine Halbzeit

Auch die sich im Höhenflug befindlichen "Madrilenen" Sami Khedira und Mesut Özil konnten dem Spiel keine Wendung mehr geben. Im Gegenteil. Waren die beiden in der ersten Halbzeit noch spielbestimmend, tauchten sie nach dem Seitenwechsel fast völlig ab.

Dass sich die Überlegenheit des DFB-Teams, das in den neuen grünen Auswärtstrikot antrat, bis zur Pause nicht in Tore widergespiegelt hat, ist zudem als Manko anzumerken. Vor allem Miroslav Klose, Özil und Gladbachs Marco Reus, der zu seinem Startelfdebüt kam, vergaben aussichtsreiche Chancen.

Das Ergebnis mit dem Anschlusstreffer von Stuttgarts Cacau war am Ende aber Nebensache. Viel mehr wollten beide Trainer eine Entwicklung in ihren Reihen sehen. Frankreichs Laurent Blanc hatte da ein wenig mehr Grund zur Freude, Löw eher weniger.

Dortmunds Hummels wollte das 1:2 aber nicht überbewerten. Denn: "Wenn alle da sind, haben wir eine überragende Mannschaft. Wir haben aber auch so eine unglaubliche Breite in der Qualität des Kaders."

Rückschlag zum richtigen Zeitpunkt?

Bis zum ersten Spiel der EURO am 9. Juni gegen Portugal bleibt zwar noch genügend Zeit, es sind aber nur noch zwei Testspiele in der Schweiz und gegen Israel angesetzt, um der Mannschaft den letzten Schliff zu verpassen.

Bis dahin dürften die verletzten Leistungsträger Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Lukas Podolski auch wieder mit an Bord sein. Ob das Trio die Pleite gegen Frankreich hätte abwenden können? Ein Schuss vor den Bug zur rechten Zeit war es allemal.

Michael Reis