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Bad Ragaz - Viel Lob, ein wenig Tadel und ab und an wird es auch mal lauter. Trainer Dieter Hecking kommuniziert viel mit seinen Spielern während der Trainingseinheiten des VfL Wolfsburg. Ein Name fällt dabei besonders oft: Junior Malanda. Der Belgier hat sich nach seiner schweren Knieverletzung für die kommende Saison einiges vorgenommen.

Sein letztes und zugleich wohl bis dato bestes Pflichtspiel für den VfL absolvierte der 19-Jährige am 15. April in Dortmund. Viel bitterer als die 0:2-Niederlage und das damit verbundene Aus im Halbfinale des DFB-Pokals war für Malanda die Verletzung, die seine Saison in der 81. Minute beendete. Die Diagnose: Kapsel- und Innenbandanriss im rechten Knie sowie eine Quetschung des Innenmeniskus. "Es ist schade für ihn, aber wenigstens kann er in der Vorbereitung auf die neue Saison wieder voll angreifen", sagte Hecking damals.

Voller Einsatz im Training

Zu Beginn musste Malanda jedoch noch etwas kürzer treten, verpasste das erste Testspiel (zur Übersicht) wegen den Folgen der Verletzung. Jetzt, im Trainingslager in der Schweiz, ist alles in Ordnung mit dem Knie. "Ich habe keine Schmerzen", sagt Malanda. Im Training geht er entsprechend zur Sache. So sehr, dass Trainer Hecking den Youngster manchmal etwas bremsen muss. Da kann es auch mal passieren, dass ein paar ernste Worte fallen, so wie nach der Einheit am Mittwoch. "Heute war es gegen Ende ein bisschen schwierig, aber das ist völlig normal", relativiert Malanda hinterher.

Dennoch hält man in Wolfsburg große Stücke auf das Mittelfeldtalent. Bereits vor einem Jahr nahmen die Wölfe den "Sechser" unter Vertrag, liehen ihn aber noch weiter an den SV Zulte Waregem aus. Aber nicht, ohne sich eine vorzeitige Rückholoption zu sichern. Nach starken Leistungen in der belgischen Jupiler Pro League mit drei Toren und ebenso vielen Vorlagen in 19 Spielen holten die Wolfsburger Malanda bereits in der Winterpause der Vorsaison.

Malanda lobt Konkurrent Medojevic

Das in ihn gesetzte Vertrauen zahlte er im Laufe der Rückrunde mit Leistung zurück. Doch die schwere Knieverletzung bremste ihn nach nur sieben Bundesliga-Spielen vorzeitig aus. Gerade als er nach zwei Toren und einem Assist auf bestem Weg zum Stammspieler war. Das Ziel für die neue Saison liegt auf der Hand. "Ich will mehr Spiele machen als in der letzten Saison", sagt Malanda.

Der Platz an der Seite von Luiz Gustavo im defensiven Mittelfeld ist hart umkämpft. Neben dem Aufrücker aus der zweiten Mannschaft, Paul Seguin, ist Slobodan Medojevic Malandas Hauptkonkurrent. "Medojevic absolviert eine sehr gute Vorbereitung", findet Malanda.

Er weiß, dass er 100 Prozent geben muss für einen Platz in der ersten Elf. "Wenn es für mich nicht reicht, dann ist das auch nicht so schlimm", meint Malanda. "Ich saß zwei Monate auf der Bank und habe nichts gesagt. Wenn mir der Trainer die Chance gibt, dann will ich sie nutzen und das Beste für die Mannschaft geben."

Debüt für Belgien nur eine Frage der Zeit

Der Erfolg der belgischen Nationalmannschaft bei der WM ist dabei ein besonderer Ansporn. Der Traum des zwölfmaligen U-21-Nationalspielers, einmal selbst für die Roten Teufel aufzulaufen, könnte schon bald in Erfüllung gehen. Kontakt zu Nationaltrainer Marc Wilmots gab es bereits. "Er hat mit mir gesprochen, nachdem ich mich verletzt habe. Er sagte, wenn ich in diesem Jahr viele Spiele mache, dann bekomme ich meine Chance."

Für seinen endgültigen Durchbruch in Wolfsburg legte das ehrgeizige Kraftpaket bereits im Winter den Grundstein. Unmittelbar nach seinem Wechsel zum VfL lernte Malanda fleißig Deutsch. Nach einem halben Jahr in Niedersachsen wird das Verständnis immer besser. "Selber sprechen klappt noch nicht so gut", gibt Malanda zu. "Ich hoffe, ich kann weiterhin Unterricht nehmen, aber das wird ein bisschen schwierig, weil wir in der nächsten Saison viele Spiele haben werden." Wenn er möglichst viele davon selbst bestreitet, wird Malanda den Unterricht wohl kaum vermissen.

Aus Bad Ragaz berichtet Maximilian Lotz