Köln - Mitte Februar feierte die Schalker Ikone Willi Koslowski seinen 80. Geburtstag und die Schar der Gratulanten kannte keine Grenzen. Kein Wunder, denn Koslowski ist lebende Legende in Gelsenkirchen. Erster Bundesliga-Torschütze für den FC Schalke 04, Meisterspieler, Nationalspieler und "Mädchen für alles" bei seiner großen Liebe. Und alles fing mit einem großen Zufall an.

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"Ich stand am Zaun und auf einmal kam Trainer Fritz Thelen zu mir und fragte, ob ich auch Fußball spiele? Zwei Wochen später habe ich zum ersten Mal für die Schalker A-Jugend gespielt." Diese Anekdote gab Koslowski in einem Interview mit der Allgemeinen Westdeutschen Zeitung zum Besten. Es sind Geschichten wie diese, die Willi Koslowski so unverwechselbar machen.

Kuzorra hält Koslowski auf Schalke

Geboren am 17.02.1937 in Gelsenkirchen/Buer wuchs er zunächst gezwungenermaßen in Ostwestfalen auf, da er wegen des 2. Weltkriegs evakuiert wurde. 1952 zog es ihn zurück nach Gelsenkirchen, wo er zunächst beim BV Buer 07 in der Jugendmannschaft kickte. 1953 erfolgte dann der Wechsel in die A-Jugend von Schalke 04. Von da an hieß Koslowski nur noch der "Schwatte", weil er damals eine pechschwarze Haarpracht auf dem Kopf trug.

Nebenbei ging Koslowski in der Zeche "Hugo" täglich malochen, zu dieser Zeit eine Selbstverständlichkeit, da man nur mit dem Fußball nicht genug Geld verdienen konnte.  Der pfeilschnelle Außenstürmer wusste auf Anhieb zu gefallen, sodass er unter anderem vom DFB zu einem Nachwuchsturnier in Italien eingeladen wurde. Sein damaliger Vorgesetzter verbot ihm jedoch, dort hinzufahren, woraufhin Koslowski kündigte und mittels Beihilfe von Ernst Kuzorra einen neuen Job bei einer Glasfirma antrat.

Video: Schalkes neuer Publikumsliebling

Wer weiß wie sein weiteres Leben verlaufen wäre, wenn nicht erneut Kuzzora dem jungen Koslowski als Ratgeber zur Seite gestanden hätte, wie er in einem Interview mit 11 Freunde verriet: "Ich wäre beinahe in Dortmund gelandet. Damals gab es ein Spiel im Stadion Rote Erde. Ich weiß nicht, wer seinerzeit Schalker Trainer war, auf jeden Fall hat er mich in der Reserve aufgestellt. Ich war verärgert, weil ich nicht in der Ersten spielen konnte. Und dann haben die Dortmunder angefragt. Aber Kuzorra hat gesagt: 'Nein, du gehs’ nich’ nach Dortmund.' Außerdem hat er mir ein nagelneues Mofa geschenkt. Damit war die Sache klar."

Großer Auftritt im Finale

Diese Entscheidung sollte sich als goldrichtig erweisen. Auf Schalke avancierte der "Schwatte" mit 18 Jahren zum Stammspieler. 1958 gewann Schalke auch dank Koslowski, der im Finale gegen den Hamburger SV mit zwei Torvorlagen auftrumpfte, die Deutsche Meisterschaft. Bis heute die letzte der insgesamt sieben Schalker Meisterschaften. Darüber hinaus trug sich Koslowski am 24. August 1963 mit seinem Tor zum 1:0 gegen den VfB Stuttgart als erster Bundesliga-Torschütze für Schalke 04 in die Geschichtsbücher ein.

Der WM-Teilnehmer von 1962 verließ 1965 Schalke nach 511 Spielen für die Königsblauen und spielte noch neun weitere Jahre für Rot Weiss Essen, Eintracht Gelsenkirchen, Eintracht Duisburg und Concordia Bochum.

1981 kehrte Koslowski zu seinem Heimatverein zurück und übernahm die Amateurmannschaft. Jahre später wechselte er auf die Poststelle des Vereins und wurde zum "Mädchen für alles". Er fuhr die Profis zu Terminen, erledigte Amtsgänge oder half bei der Integration neuer Spieler. Dabei war ihm sein weißer Kastenwagen mit der Aufschrift "Post vom Meister" ein treuer Gefährte. 2014 wurde er dank seiner außerordentlichen Verdienste in die Ehrenkabine von Schalke 04 gewählt. Nach einem Gartenunfall 2015 kann er seine Tätigkeiten für Schalke nicht mehr ausüben, aber auch ohne tägliche "Post vom Meister" gehört Koslowski zum Leben auf Schalke dazu.

Cedrik Kaiser