Mainz - Mit seinem strammen Schuss machte Sead Kolasinac nicht nur das Tornetz kaputt, sondern erzielte auch den Siegtreffer für den FC Schalke 04 beim 1:0-Sieg der Königsblauen gegen den 1. FSV Mainz 05. Der Auswärtserfolg rundete aber auch die Rückkehr eines langjährigen Mainzers an seine alte Wirkungsstätte ab.

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Christian Heidel kam dann natürlich auch noch zu den Mainzer Journalisten. Fast 25 Jahre hatte Heidel als Manager beim FSV gewirkt, bevor er im vergangenen Sommer die neue Herausforderung beim FC Schalke suchte. An diesem Sonntag nun war er erstmals als Gegner zu jenem Club zurückgekehrt, den er maßgeblich von einem graumäußigen Zweitligisten zu einem etablierten Erstligisten geformt hatte. Einen Klos habe er schon im Hals gehabt, als er den Rasen betrat, erzählte Heidel. Und als Sead Kolasinac in der 50. Minute den Schalker Siegtreffer erzielte, sei er nicht wild rumgehüpft, so Heidel, weil er ja gewusst habe, dass eine Kamera ihn beobachte.

Heidels Rückkehr

Heidel hatte ja auch leicht reden: Durch den 1:0-Sieg in seiner Heimatstadt verschaffte sich die Mannschaft des FC Schalke auch in der Bundesliga die Möglichkeit, eine vermeintlich vermaledeite Saison doch noch zu retten: Nur drei Tage nach Weiterkommen gegen Mönchengladbach und dem Einzug ins Europa-League-Viertelfinale, in dem die Schalker im April auf Ajax Amsterdam treffen werden, wahrte die Auswahl von Trainer Markus Weinzierl mit nun 33 Punkten auch in der Bundesliga die Chance, in der kommenden Saison doch noch international spielen zu können.

Zum Ende einer Phase von 13 Spielen in sechs englischen Wochen machte Weinzierl nach dem hart erkämpften Erfolg in Mainz seiner Mannschaft dann auch nur Komplimente: "Das war eine Energieleistung, wir haben noch einmal alles rausgehauen, was wir drin haben und drei ganz wichtige Punkte geholt", lobte er. Entscheidend war die gute Defensivleistung der Schalker, die vor allem in der zweiten Halbzeit dem bemühten Gegner nur noch „Halbchancen“ (Mainz-Trainer Martin Schmidt) zuließen. Dass seine Elf in der Schlussphase fahrlässig einige Konter schlecht zuende spielte, wollte der sichtbar erleichterte Weinzierl nicht kritisieren. Für Schalke fühlte sich dieser Sieg nach dem Glücksgefühl im Europapokal vor drei Tagen erneut wie ein erlösender Befreiungsschlag an.

"Ein typischer Kolasinac-Konter"

Besonders Torschütze Sead Kolasinac verkörpert mit seiner robusten Spielweise eine Siegesmentalität, die viele in Schalke an alte "Eurofighter"-Zeiten erinnert.  Unwiderstehlich zog der bosnische Nationalspieler in der entscheidenden Szene an der Mittellinie los, bevor er wuchtig das Siegtor schoss.  "Das war ein typischer Kolasinac-Konter. Das ist Seo live. Wenn er nach vorne marschiert, ist er kaum zu halten", lobte Manager Heidel den Torschützen. Drei Tore hat der dynamische Linksverteidiger bereits erzielt, der in dieser Woche die markante Gesichtsmaske ablegen will, die er nach einem Nasenbeinbruch zuletzt getragen hatte.

Bei seinem Schuss hat er sogar das Tornetz kaputt geschossen, das danach repariert werden musste. Kolasinac lieferte zu seiner Schussstärke am Sonntag noch eine schöne Anekdote. Er spiele gerne "FIFA" auf der Playstation, sagte er und erklärte schmunzelnd: "Ich spiele mit mir selbst als Schalke-Spieler und habe dort in den Einstellungen meine Schussstärke hochgestellt." Nun freue er sich über das tolle Tor in Mainz, sagte der 23-Jährige und fügte grinsend hinzu: "Also nicht über das kaputte Netz, sondern darüber, dass ich so schießen kann."

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Die Kraft und die Spielfreude des Linksfußes benötigen die Schalker auch weiter, um ihre Ziele zu erreichen. Mit dem Rückenwind der drei Punkte aus Mainz geht es nach der Länderspielpause für Schalke nun also optimistisch ins Derby gegen Borussia Dortmund. Kolasinac sagt: "Darauf freue ich mich, das ist ein besonderes Spiel." Zur Vorsorge sollten die Schalker Platzwarte die Tornetze noch einmal fest im Boden verankern. Man weiß ja jetzt, was passieren, wenn Sead Kolasinac abzieht.

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter

Video: Schalkes Gute-Laune-Stürmer