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München - Nicht nur die Bundesliga feiert in diesem Jahr ihr Jubiläum (50 Jahre), sondern auch der DFB-Pokal, der zum 70. Mal ausgespielt wird (alle Spiele im Live-Ticker). Mit 64 Vereinen startet die 1. Runde. Für die "Kleinen" ist es mindestens das Spiel des Jahres, wenn nicht sogar das Highlight der Vereinsgeschichte, für die "Großen" eine unangenehme Pflichtaufgabe mit Stolpergefahr. Denn Jahr für Jahr kommt es zu dicken Überraschungen, wie der Blick in die bundesliga.de-Datenbank verrät.

In der vergangenen Saison erwischte es gleich zum Auftakt den VfL Wolfsburg beim Viertligisten RB Leipzig mit 2:3. Auch Werder Bremen, mit sechs Pokalsiegen immerhin nach Rekordpokalgewinner Bayern München (15 Titel) Deutschlands zweitbeste Pokalmannschaft aller Zeiten, flog in Runde 1 raus. Die Werderaner wurden vom Drittligisten 1. FC Heidenheim mit 2:1 düpiert.

Der SC Freiburg komplettierte das prominente Erstrunden-Verlierertrio bei seiner 2:3-Niederlage in Unterhaching. Im Achtelfinale gesellte sich auch der 1. FSV Mainz 05 durch eine peinliche 0:2-Pleite beim Regionalligisten Holstein Kiel zum Kreis der Sensationsverlierer.

Ohne Gegentor ins Finale



Mit vier ausgeschiedenen Bundesligisten gegen krasse Außenseiter lag die vergangene Spielzeit im Schnitt der letzten Jahre. Die Mainzer gehören dabei ebenso zu den "Wiederholungstätern" wie übrigens auch Vereine wie Hannover 96 und Borussia Dortmund, die in den Spielzeiten 2009/10 und 2010/11 jeweils gegen deutlich klassentiefere Clubs auf der Strecke blieben.

Dass zumindest der BVB es besser kann, bewies er im Vorjahr mit dem Pokalgewinn. Bemerkenswert daran war übrigens nicht nur, dass die Borussia auf dem Weg ins Endspiel ohne Gegentor blieb, sondern dass sie dabei auf keinen einzigen Bundesligisten traf. Immerhin aber auf zwei spätere Aufsteiger, die sie jedoch erst in der Verlängerung (SpVgg Greuther Fürth) beziehungsweise sogar erst im Elfmeterschießen (Fortuna Düsseldorf) bezwang.

78 Sensationen seit 1974



Mit Ausnahme der Saison 2006/07, als acht Bundesligisten in den ersten beiden Pokalrunden die Segel streichen mussten, haben die Topvereine in den letzten zehn Jahren ihre Hausaufgaben einigermaßen gut erledigt. Den Tiefpunkt bildet die Saison 1992/93, als die Hälfte aller Bundesliga-Clubs sich schon in den ersten beiden Runden gegen klassentiefere Vereine blamiert hatte. Dadurch kam mit den Amateueren von Hertha BSC sogar ein Drittligist bis ins Endspiel, das nur mit 0:1 gegen Bayer Leverkusen verloren ging.

Seit 1974 (Einführung der 2. Bundesliga) sind im DFB-Pokal die Bundesligisten insgesamt 78 Mal an Vereinen gescheitert, die zu diesem Zeitpunkt nicht in der 1. oder 2. Liga waren. Historisch gesehen scheiterte der 1. FC Köln am häufigsten gegen klassentiefere Kontrahenten, satte 17 Mal. Eine große Überraschung wäre es nicht, wenn sich diese Zahl am Wochenende erhöhen würde, wenn der FC beim Drittliga-Tabellenführer Unterhaching gastiert. Auf Platz 2 folgt Borussia Dortmund mit 16 überraschenden Pokalpleiten vor Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach (15) sowie dem Hamburger SV (14), dem 1974 beim 1:2 in Eppingen so etwas wie die "Mutter aller Pokalniederlagen" gelang.

Schaaf und Schweinsteiger können Rekord brechen



Aber auch andere ruhmreiche Vereine wie Bayern München, der 1. FC Nürnberg oder Eintracht Frankfurt schrieben einige spannende Kapitel peinlicher Pokalmomente: Die Bayern bei ihren historischen Pleiten gegen Weinheim (0:1), Vestenbergsgreuth (0:1) oder Osnabrück (4:5) oder der "Club" als er 2001 beim SSV Ulm 1:2 verlor, die bis einzige Niederlage eines Bundesligisten bei einem Fünftligisten. Eintracht Frankfurt blieb es 2000 vorbehalten beim 1:6 gegen VfB Stuttgart II die höchste Packung aller Bundesligisten bei einem Drittligisten kassiert zu haben.

Die erfolgreichsten Trainern der Pokalgeschichte sind Karl-Heinz Feldkamp, Ottmar Hitzfeld, Udo Lattek, Otto Rehhagel, Thomas Schaaf und Hennes Weisweiler, die den Cup jeweils drei Mal gewannen. Dabei gelang Feldkamp das Kunststück, mit drei verschiedenen Clubs (Uerdingen, Frankfurt und Kaiserslautern) den Pokal zu holen. Der Bremer Schaaf könnte in dieser Saison alleiniger Rekordtrainer werden.

Rekordgewinner als Spieler ist Oliver Kahn. Der langjährige Keeper des FC Bayern konnte sechsmal den Cup in die Höhe recken. Ihm dicht auf den Fersen sind seine Vereinskollegen Bixente Lizarazu, Mehmet Scholl und Bastian Schweinsteiger mit fünf Titeln. Letztgenannter könnte in dieser Saison mit dem "Titan" gleichziehen.

Gerd Müller Rekordtorschütze



Die meisten Pokalspiele seit 1963 bestritt Mirko Votava (79), gefolgt von Karl-Heinz Körbel (70), Oliver Kahn (68), Manfred Kaltz und Willi Neuberger (jeweils 67). Am häufigsten ins gegnerische Tor traf Gerd Müller (78) vor Dieter Müller (48), Heinz Flohe (46) sowie Manfred Burgsmüller (40).

Nur acht Vereinen gelang es bislang, den Pokal zu verteidigen: Dresdner SC 1941, Karlsruhe 1956, Bayern München 1967 und 2006, Frankfurt 1975, Köln 1978, Düsseldorf 1980 und Schalke 2002. Sechs Titelverteidiger flogen bereits in der 1. Runde raus, zuletzt der 1. FC Kaiserslautern 1996.

Fehlschuss nach 25 Elfmetern



Das längste Elfmeterschießen gab es beim Spiel SV Sandhausen gegen den VfB Stuttgart mit 13:12 (Saison 1995/96, 1. Runde). Nach 120 Minuten stand es 2:2, die ersten 25 (!) Elfmeter wurden alle verwandelt, danach traf Hendrik Herzog nur den Pfosten.

Den höchsten Sieg der Pokalgeschichte verbuchte der FC Bayern im Jahr 1997, als er den DJK Waldberg mit 16:1 deklassierte. Der 1. FC Kaiserslautern siegte 2004 gegen den FC Schönberg 95 mit15:0, Wacker Burghausen im Jahr 2003 den TSV Gerbrunn mit 14:0.