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Sergej "Kiki" Kirjakov ist in der Bundesliga noch wohl bekannt. Der kleine Dribbler absolvierte von 1992 bis 1999 174 Partien in der höchsten deutschen Spielklasse. Davon 146 beim Karlsruher SC, wo er immer noch regelmäßig für die KSC-Allstars am Ball ist. Derzeit ist Kirjakov Co-Trainer von Russlands U21-Auswahl.

Am Samstag (ab 16:45 Uhr im Live-Ticker) erwartet die "Sbornaja", die russische Nationalmannschaft, in Moskau den Rivalen aus Deutschland. Auf dem Kunstrasenplatz im Luschniki-Stadion wird in der Gruppe 4 wohl die Entscheidung im Kampf um die direkte WM-Qualifikation fallen.

bundesliga.de sprach mit Kirjakov über das "Finale", Russlands Superstar, die Stärken sowie Schwächen der DFB-Elf und den großen Vorteil der Hausherren.

bundesliga.de: Herr Kirjakov, ist die Spannung in Russland vor dem Spitzenspiel gegen Deutschland spürbar?

Sergej Kirjakov: Es wird viel geschrieben und gesprochen. Das Interesse ist sehr groß. Es ist nun einmal das Spiel des Jahres. Und natürlich hoffen alle auf einen Sieg unserer Mannschaft.

bundesliga.de: Die DFB-Elf liegt in der Gruppe 4 nur einen Punkt vor Russland. Ist es ein Duell auf Augenhöhe?

Kirjakov: Auf jeden Fall. Wir liegen in der Tabelle noch knapp hinter Deutschland, das ist ein Nachteil. Aber am Samstag sind wird dennoch im Vorteil. Denn wir sind den Kunstrasenplatz gewohnt. Viele Spieler müssen hier in der Meisterschaft ran. Auch die Länderspiele finden hier statt.

bundesliga.de: Und den technisch versierten Gastgebern kommen die Platzverhältnisse ja auch gelegen.

Kirjakov: Das hat nicht unbedingt was damit zu tun, dass die russischen Spieler vielleicht kleiner und wendiger sind. Es ist einfach eine Umstellung, wenn man sonst nur auf natürlichem Rasen spielt. Und deshalb erhöhen sich unsere Chancen auf einen Sieg.

bundesliga.de: Bei der russischen Mannschaft sind also alle bester Hoffnungen?

Kirjakov: Naja, wir haben im Sturm im Moment ein paar Probleme. Ob Roman Pavlyuchenko überhaupt spielen kann, steht noch nicht fest. Pavel Pogrebnyak und Aleksandr Kerzhakov sind auch nicht richtig in Form. Aber das geht der deutschen Elf mit Mario Gomez, Miroslav Klose und Lukas Podolski ja nicht anders. Die befinden sich ja auch in einem Formtief.

bundesliga.de: Und Andre Arshavin? Könnte er am Ende zum Matchwinner werden?

Kirjakov: Ja, er ist unser Top-Spieler. Von seiner Leistung hängt viel ab. Er kann die Mannschaft mitreißen. Wenn er einen guten Tag erwischt, dann werden wir das Spiel auch gewinnen.

bundesliga.de: Was erwarten Sie von der DFB-Elf?

Kirjakov: Ich gehe davon aus, dass die deutsche Mannschaft defensiv beginnen wird. Ein Unentschieden reicht ihnen ja wahrscheinlich schon zum Gruppensieg. Aber mit Kontern und vor allem durch Standardsituationen sind sie immer sehr gefährlich. Russland wird auch nicht gleich alles auf eine Karte setzen. Aber irgendwann müssen wir dann in die Offensive gehen.

bundesliga.de: Wo sehen Sie noch die Stärken von Michael Ballack, Philipp Lahm und Co?

Kirjakov: Deutschland war schon immer physisch sehr stark. Aber sie sind auch bis zur letzten Minute hochkonzentriert. Da darf man bis zum Schlusspfiff nicht nachlassen.

bundesliga.de: Was würde ein Scheitern in der WM-Qualifikation für Russland bedeuten?

Kirjakov: Das würde uns in der Entwicklung sehr weit zurückwerfen. Aber daran denken wir gar nicht. Wir gewinnen am Samstag mit 2:1. Und sollte das nicht klappen, dann müssen wir die Qualifikation über die Playoff-Spiele erreichen.

Das Gespräch führte Michael Reis