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Es war fünf Minuten vor Zwölf, als Karl-Heinz Rummenigge nach dem schwächsten Start in die Königsklasse seit sieben Jahren der Kragen platzte. "Ich würde euch dringend empfehlen, eine andere Gangart einzulegen. Das wird nicht der Erfolgsweg des FC Bayern sein", sagte der Vorstandsboss beim Bankett zu mitternächtlicher Stunde im Regent Hotel von Bordeaux in Richtung der Spieler.

Diese an Klarheit nicht zu überbietende Ansage wurde bei "Seeteufel Bordelaise" und "Rinderfilet Maitre de Chai" mit Beifall der enttäuschten Sponsoren bedacht. Nach dem bitteren 1:2 (1:2) beim französischen Champion Girondins Bordeaux ist der in der Bundesliga auf Platz sechs liegende Rekordmeister auch in der Champions League als Gruppendritter unter Druck geraten.

Müller untröstlich

Neben dem Geschenk eines Eigentors von Michael Ciani (6.) gab es im ganzen Spiel durch den Pfostenkopfball von Luca Toni (72.) nur eine Großchance, dafür aber zwei Platzverweise gegen Thomas Müller (30.) und Daniel van Buyten (87.). Müller zeigte sich untröstlich: "Ich habe der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen. Es tut mir sehr Leid für die Mannschaft, dass sie zu zehnt auskommen musste. Es war ein bitterer Abend."

Van Gaal sah den Schlüssel für die Niederlage jedoch nicht in der Gelb-Roten Karte gegen den Torjäger, sondern in den zahlreichen Ballverlusten im Mittelfeld: "Wir müssen lernen, den Ball zur richtigen Farbe zu spielen."

Sechs Punkte aus den bevorstehenden Heimspielen

Kapitän Mark van Bommel fand den Auftritt "einer Spitzenmannschaft nicht würdig". Mit dem 1:2 durch einen Treffer des Eigentorschützen Ciani per Hacke (27.) und von Marc Planus (40.) waren die Bayern noch gut bedient, denn der starke Jörg Butt parierte gleich zwei Strafstöße gegen Yoann Gourcuff (66.) und Jussie (88.).

"Jetzt ist eine Reaktion der Mannschaft gefragt. Wir stehen unter Druck und müssen in den beiden Heimspielen in der Champions League sechs Punkte einfahren", sagte der als Bayern-Boss bis Ende 2011 bestätigte Rummenigge.

Achtelfinal-Teilnahe in Gefahr

Sein Team liegt mit vier Zählern auf Platz drei hinter Bordeaux (7) und Juventus Turin (5), das Pflichtziel Achtelfinale ist akut in Gefahr. Eine schlechtere Start-Bilanz in den ersten drei Vorrunden-Spielen der Champions League hatte es zuletzt 2002 mit nur einem Punkt gegeben, damals folgte das Aus.

Van Gaal bleibt mit Blick auf das anstehende Endspiel gegen Bordeaux am 3. November jedoch optimistisch: "Wir haben ein Spiel verloren, aber nicht den Krieg."

Ribery fällt womöglich bis Ende November aus

Die Personalsituation wird freilich immer angespannter, denn Müller und van Buyten werden beim Rückspiel gegen die Franzosen gesperrt fehlen. Zudem räumte van Gaal ein, dass der an Patellasehnenproblemen leidende Superstar Franck Ribery möglicherweise noch bis Ende November ausfallen könnte. "Wir haben die Entscheidung getroffen, dass wir die Verletzung ausheilen lassen wollen", erklärte van Gaal.

Rummenigge akzeptiert das alles aber nicht als Entschuldigung und erwartet schleunigst die Wende: "Ich erwarte eine Reaktion der Mannschaft - und zwar schon am Samstag gegen Frankfurt." Dann wird wahrscheinlich auch Arjen Robben wieder zur Verfügung stehen.