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Bremen - Eigentlich ist Roman Neustädter defensiver Mittelfeldspieler, doch aufgrund von Personalmangel auf der Innenverteidiger-Position rückte der 26-Jährige in die Abwehr. Der Schalker war nicht nur zweikampfstärkster Spieler seines Teams (75 Prozent gewonnen), sondern steuerte auch noch den zweiten Treffer zum 3:0-Auswärtssieg bei Werder Bremen bei. Im bundesliga.de-Interview blickt er auch schon voraus auf das Revierderby gegen Borussia Dortmund am Samstag.

bundesliga.de: Roman Neustädter, vor der Partie stand die Mannschaft nach sieben sieglosen Pflichtspielen schon mächtig unter Druck. Jetzt gelang endlich der erste Dreier der Saison. Wie groß ist die Erleichterung?

Roman Neustädter: Die Stimmung vor dem Spiel war nicht so angespannt, wie ich es erwartet hatte. Nach vier Partien in der Bundesliga ohne Sieg ist es als Schalke-Spieler schon ein bisschen bedenklich, aber alle waren vor dem Spiel locker drauf und trotzdem konzentriert - und das hat man im Spiel auch gesehen. Es bedarf einer gewissen Lockerheit, aber in den entscheidenden Momenten waren wir hochkonzentriert.

bundesliga.de: In der ersten Halbzeit lief beim Team noch nicht viel zusammen. Bis auf eine gute Chance von Dennis Aogo lag die Offensive brach.

Neustädter: Das stimmt. Wir haben es teilweise in der ersten Halbzeit nicht gut ausgespielt. Der letzte Pass oder der letzte Laufweg hat gefehlt. Nach der Pause haben wir die Dinger dann reingemacht. Nach der Führung haben wir dann die zweite Luft bekommen und konnten die wichtigen entscheidenden Meter mehr machen.

bundesliga.de: Als Torjäger sind Sie bisher noch nicht so oft in Erscheinung getreten. Mit ihrem Kopfballtor zum 2:0 haben Sie den Weg zum ersten Saisondreier der Knappen geebnet. Es war ihr siebtes Bundesliga-Tor, das vierte nach einem ruhenden Ball. War der Treffer für Sie auch eine persönliche Erlösung?

Neustädter: Dass ich getroffen habe, hat mich wahnsinnig gefreut. Meine Freundin hat vor dem Spiel gesagt, ich müsse irgendetwas besonderes machen. Ich habe ihr dann geschrieben, dass ich es im Gefühl habe ein Tor zu schießen und so war es dann auch. Wichtiger als mein Tor sind aber die drei Punkte.

bundesliga.de: Sie haben auf der ungewohnten Position des Innenverteidigers gespielt. Wie groß war die Umstellung, auf einmal in der Abwehr zu spielen?

Neustädter: Die Laufwege als Innenverteidiger sind etwas anders. Und wenn der Ball über mich hinweg fliegt, ist keiner mehr hinter mir außer "Ralle" (Ralf Fährmann, Ann. der Red.). Sonst gibt es nicht viel Unterschiede.

bundesliga.de: Anscheinend haben Sie sich sehr wohlgefühlt in der Innenverteidigung. Ist das für Sie vielleicht auch eine Dauerlösung?

Neustädter: Egal auf welcher Position ich spiele, ich versuche das Bestmögliche abzurufen. Gerade funktioniert es hinten ganz gut, wenn der Trainer mich dann wieder auf die Sechs stellt, spiele ich da. Es macht richtig Spaß in der Abwehr, man hat das Spiel noch mehr vor sich und man nimmt manchmal noch mehr am Spiel teil. Besonders im Ballvortrag bin ich als Abwehrspieler mehr gefordert.

bundesliga.de: Nicht einmal nach der Einwechslung des etatmäßigen Innenverteidigers Joel Matip stellte Trainer Keller Sie zurück ins defensive Mittelfeld. Das ist schon eine besondere Anerkennung, oder?

Neustädter: Ja, klar. Ich dachte auch, dass ich wieder auf der Sechs vor der Abwehr spielen soll als Joel eingewechselt wurde. Ich fühle mich auf der Position des Innenverteidigers auch sehr wohl und habe einen guten Part gespielt, die Position kann ich auch spielen.

bundesliga.de: Werder als Gegner scheint Schalke derzeit zu liegen. Seit stolzen neun Bundesliga-Spielen sind die Königsblauen gegen Bremen ohne Niederlage und konnte beeindruckende 25 von 27 möglichen Zählern gegen den SVW holen. Jetzt wartet am Samstag auf Schalke der BVB. Ab wann fängt es bei Ihnen an zu kribbeln?

Neustädter: Ab jetzt ist Derbyzeit. Wir müssen uns jetzt gedanklich auf den BVB vorbereiten. (Derbyseite)

bundesliga.de: Wie wichtig war ein Sieg in Bremen für das Duell mit den Schwarz-Gelben?

Neustädter: Eigentlich ist es egal, was vorher war. Es sind am Samstag 90 Minuten Ausnahmezustand und nichtsdestotrotz gibt der Sieg den Fans und der Mannschaft enormes Selbstvertrauen für die Partie am Wochenende.

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage