München - Robert Lewandowski hatte im doppelten Sinne Grund zum Feiern. Einen besseren Moment, diese Freude zu teilen, hätte sich der Stürmer des FC Bayern München selbst nicht erträumen können. Sein Zaubertor beim 1:0-Sieg über Atletico Madrid war der perfekte Rahmen.

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"Ich wollte zeigen, dass meine Frau Anna schwanger ist", erklärte Lewandowski freudestrahlend seinen Daumenlutscher-Torjubel mit dem Ball unter dem Trikot. "Das war ein Tor für sie und für das, was sie im Moment im Bauch hat." Das private Glück hat dem 28-Jährigen auch sportlich einen zusätzlichen Schub verliehen.

Mit der Nachricht über die Nachwuchsfreuden im Hause Lewandowski überrumpelte der polnische Nationalspieler sogar seine Teamkollegen. "Fast alle waren überrascht", sagte Mats Hummels. "Im Kreis gab es spontane Glückwünsche für ihn. Es ist eine schöne Sache." Auch Trainer Carlo Ancelotti freute sich mit dem werdenden Vater: "Wenn man Kinder hat, ist man immer zusätzlich motiviert und ich glaube, dass er in der Zukunft noch motivierter sein wird."

Plötzlich Meister des ruhenden Balls

Schon jetzt wirkt Lewandowski von der frohen Kunde beflügelt. Und präsentiert plötzlich bislang ungekannte Qualitäten auf dem Rasen. Schon im Spiel gegen den 1. FSV Mainz 05 überraschte der Torjäger der Bayern mit einem feinen Freistoßtreffer zum 3:1-Endstand. Gegen Atletico Madrid ließ er quasi die Blaupause dieses Kunstschusses folgen. "Die beiden Freistoßtore sind das Ergebnis von guter, harter Arbeit. Er tritt sie momentan aus der Distanz auf ganz hohem Niveau", sagte Hummels.

"Früher habe ich das ein bisschen trainiert, aber nicht so systematisch", erklärte Lewandowski. Bereits seit der Sommerpause hat er Zusatzschichten eingelegt und nach dem Training mit Spezialisten wie David Alaba und Xabi Alonso Freistöße geübt. Dabei hat er, ermutigt von Trainer Ancelotti, konsequent seinen eigenen Weg verfolgt. "Ich hatte kein Vorbild", räumte der neue Kunstschütze ein. "Meine Technik und mein Laufweg sind anders." In der Tat einzigartig ist sein Anlauf, der nur aus wenigen Schritten und einem Trippelschritt kurz vor dem Abschluss besteht.

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"Wichtig für die Zukunft und das Selbstvertrauen"

Wie schon gegen Mainz glückte auch gegen Atletico die Ausführung perfekt. Mit seinem 20. Tor im 30. Champions-League-Spiel für den FC Bayern verlieh Lewandowski dem sportlich eher zweitrangigen Spiel gegen die bereits als Gruppensieger feststehenden Spanier ein künstlerisches Highlight. Nebenbei sorgte er für einen Prestigesieg, von dem sich die Münchner zusätzlichen Rückenwind für den Jahresendspurt in der Bundesliga erhoffen. Um möglichst als Tabellenführer in die Winterpause zu gehen. Zusätzlichen Druck spüren die Bayern dadurch aber nicht.

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"Wir stehen immer unter Zugzwang", betonte Hummels, "ungeachtet dessen, was die anderen machen. Das können wir nicht beeinflussen. Was die Mannschaften direkt vor oder hinter uns machen, können wir eben nur beeinflussen, wenn wir gegen sie spielen - aber das kommt ja auch noch in drei Spieltagen." Vor dem Topspiel gegen den Tabellenführer RB Leipzig zum Jahresabschluss geht es für den Rekordmeister zunächst gegen den VfL Wolfsburg darum, den Aufwärtstrend der vergangenen Wochen zu bestätigen.  "Wir haben jetzt drei gute Auftritte hintereinander hingelegt, am Samstag wollen wir den nächsten folgen lassen", unterstrich Hummels.

Siegtorschütze Lewandowski sieht den jüngsten Erfolg in der Champions League ebenfalls positiv: "Das Spiel war für uns mental sehr wichtig. In der Champions League gegen Atletico zu spielen und zu gewinnen, ist wichtig für die Zukunft und für das Selbstvertrauen." An zusätzlicher Motivation dürfte es Lewandowski aber ohnehin nicht fehlen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz