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München - Robert Lewandowski hatte das passende Rezept parat. "Es ist immer schlecht, zu sehr über Müdigkeit nachzudenken. Du musst dich nur auf Fußball konzentrieren, egal ob du müde bist oder nicht", sagte der Stürmer des FC Bayern München. Trotz der kurzen Regenerationszeit nach dem Pokalspiel bei Bayer Leverkusen präsentierte sich Lewandowski beim 3:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt (Spielbericht) hellwach.

Zum vierten Mal in dieser Saison präsentierte er sich als wahrer Frühaufsteher und traf bereits in der Anfangsviertelstunde zum 1:0. Im zweiten Durchgang legte er seinen zweiten Treffer nach. Ganz nebenbei baute Lewandowski seine Torausbeute auf 16 Saisontreffer aus. Damit hat der Neuzugang von Borussia Dortmund nun schon einen Treffer mehr auf seinem Konto als Bayerns Rekordtorschütze Gerd Müller in seiner Debütsaison für den FC Bayern 1965/66.

Torjägerkanone wieder in Reichweite

Und auch die Torjägerkanone rückt somit für den 26-Jährigen wieder in Reichweite, zumal die Konkurrenten Alexander Meier (19 Tore) und Arjen Robben (17 Tore) aufgrund ihrer derzeitigen Verletzungen ihre Trefferquote nicht weiter ausbauen können (Torjägerliste). Ganz anders Lewandowski, der allein in den vergangenen acht Spielen neun Mal traf. Trotz seiner zwei Tore gegen Frankfurt, blieb Lewandowski bescheiden: "Ich bin zufrieden, dass ich zwei Tore geschossen habe. Es hätten natürlich noch ein oder zwei mehr sein können, aber das spielt im Moment keine Rolle."

Eigene Tore sind für ihn ohnehin nur Bonus. Viel wichtiger ist ihm der Erfolg der Mannschaft. Mit seiner mannschaftsdienlichen Spielweise leistet Lewandowski seinen Beitrag dazu und beweist, dass er nicht nur an Toren zu messen ist. Gegen Frankfurt war er in der Offensive immer anspielbar für seine Teamkollegen, machte dabei viele Bälle fest und ließ sich im munteren Positionstausch mit Mario Götze und Thomas Müller immer wieder zurückfallen.

Müller von Lewandowski beeindruckt

Warum es für Lewandowski plötzlich so gut läuft, weiß er selbst nicht so genau. "Es ist nichts anders als vorher. Das ist Fußball, das kann man manchmal nicht erklären", meinte Lewandowski. Die Anlaufschwierigkeiten zu Saisonbeginn hat er ganz offenbar überwunden und sich vor allem in der Rückrunde etabliert.

Die Zahlen aus dem Spiel gegen die Eintracht belegen seinen Wert für die Bayern: Mit sieben Torschüssen war Lewandowski der abschlussfreudigste Spieler auf dem Feld, zudem wies er eine für einen Stürmer überdurchschnittlich starke Zweikampfquote von 61 Prozent gewonnener Duelle auf. "Er hat schon einen ordentlichen Oberkörper", sagte Thomas Müller, der zum 3:0-Endstand traf, über Lewandowskis Stärken. "Er hat sich scheinbar Fitnesstipps von seiner Frau geholt, die ist Kampfsportlerin."

"20 Tore wären cool"

Im Kampf um die Torjägerkanone kann Lewandowski in der Schlussphase der Saison einen langen Atem jedenfalls gut gebrauchen. Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge drückt ihm jedenfalls die Daumen. "Er hat eine gute Quote in der Rückrunde und beste Voraussetzungen, seine Torjägerkanone vom letzten Jahr zu verteidigen", sagte Rummenigge.

Auch Lewandowski, der als erster Ausländer in der Bundesliga nur 157 Spiele für 90 Tore benötigte, hat sich bei aller Bescheidenheit doch noch ein persönliches Ziel gesetzt. "Es wäre cool, wenn ich im vierten Jahr in Folge mindestens 20 Tore schießen würde", verriet der polnische Nationalspieler. Vier Treffer fehlen ihm noch dazu. Auch im Vorjahr stand er nach 28 Spieltagen bei 16 Toren, am Ende reichten 20 zum Gewinn der Torjägerkanone. Wenn er weiter vor dem Tor so hellwach bleibt, wird Lewandowski diese Marke schon bald knacken.

Aus München berichtet Maximilian Lotz