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Zürich - "Ich will nichts sagen." Franck Ribery wies jeden Wunsch der anwesenden Journalisten ab, als er am Montagabend den Kongress-Palast von Zürich gegen 20.45 Uhr fluchtartig verließ.

"Ich werde heute keinen einzigen Kommentar abgeben und auch keine Ausnahme machen", sagte der Franzose, setzte sich mit Bayerns Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge ins Auto und düste in Richtung München.

Sogar noch hinter Messi

Seine große Enttäuschung war natürlich mehr als nachzuvollziehen. In den letzten Stunden vor der Weltfußballer-Wahl glaubte er ganz fest an seine Chance. Nun ist er aber nicht nur von Cristiano Ronaldo, sondern auch von Lionel Messi geschlagen worden. Ribery landete auf Platz drei, was er ganz bestimmt nicht erwartet hatte. "Ich bin guter Dinge, dass ich diese Wahl gewinnen werde. Ich habe mehr erreicht als meine Konkurrenten", hatte Ribery am vergangenen Samstag noch gesagt.

2013 gewann er mit dem FC Bayern die Champions League, die Deutsche Meisterschaft, den DFB-Pokal sowie die Club-WM und den europäischen Supercup. Ende August wurde er sogar von der UEFA zum besten Spieler Europas gekrönt. "Ich denke, dass ich es nicht besser machen kann. Ich habe alles gewonnen sowohl mit der Mannschaft als auch individuell. Was soll ich denn bitte mehr tun?", fragte er mehrfach vergangene Woche in Doha.

"Er wird daran sicherlich nicht zerbrechen"

Für Bayern-Kapitän Philipp Lahm ist es "sehr schade für den Franck. Ich hatte ihn gewählt. Für uns, den Verein und die Fans wäre es eine schöne Sache gewesen. Das ist aber der Sport. Persönlich finde ich es schade. Ich hätte mir gewünscht, dass Franck gekrönt wird. Ich habe mit ihm gesprochen: Er war aber nicht großartig enttäuscht. Und ich gehe nicht davon aus, dass wir ihn in den kommenden Tagen aufmuntern müssen. Er liebt Fußball, er hat sehr viel Spaß in unserem Verein, deswegen wird es keine großen Probleme geben, wobei er dieses Jahr eine Riesen-Chance hatte, weil er ja so gut wie alles gewonnen hat."

Auch Manuel Neuer zeigte sich "stolz auf den Franck, auch wenn er sein Ziel nicht erreichen konnte. Er hätte es verdient gehabt. Er wird daran aber sicherlich nicht zerbrechen."

Deschamps hofft auf Trotzreaktion

Für Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps war die Sache eh schon längst gegessen. "Seit die Wahl vom ursprünglichen 15. auf den 29. November verschoben wurde, hatte er verloren. Das ist bitter und schade für ihn. Es war eine großartige Chance für ihn, seinen Traum zu verwirklichen. Hoffentlich wird er sofort auf dem Platz mit dem FC Bayern reagieren können. Er ist ein Kämpfer, das hat er in seiner ganzen Karriere bewiesen. 2014 stehen aber auch tolle Herausforderungen für ihn an", erklärte Deschamps (weitere Reaktionen zur Wahl).

In den kommenden Tagen wird Ribery aber sicherlich an dieser persönlichen Niederlage knabbern und eine gewisse Zeit brauchen, um sich davon zu erholen. "Das Leben wird so oder so ganz normal weiter gehen. Nach Enttäuschungen bin ich stets wieder aufgestanden und ich habe noch mehr Gas gegeben. Es wird dieses Mal nicht anders", betonte er letzte Woche. Für seinen Mitspieler und Freund Daniel van Buyten "ist es sogar gut, dass dieses ganze Theater nun vorüber ist. Er wird nun wieder weniger Druck haben und befreit aufspielen können. Es ist wichtig, dass wieder Ruhe einkehrt."

Aus Zürich berichtet Alexis Menuge