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München - Ob Bundesliga oder Europa-League - Borussia Dortmund ist derzeit die Mannschaft der Stunde. Auf europäischer Ebene lieferte der BVB eine hochemotionale Partie. Auch in der Bundesliga sind die Spiele des BVB höchst ansehnlich, wenn auch deutlich erfolgreicher: Mit dem 2:0 in Mainz stellte der BVB mit seinem fünften Bundesliga-Auswärtssieg in Serie den Vereinsrekord aus der Meistersaison 2001/02 ein.

Mit einem weiteren Sieg am Sonntag bei Hannover 96 (ab 17 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) kann die Borussia diese Bestmarke sogar noch übertreffen und die Tabellenführung weiter ausbauen. Hannover, das auf Rang 6 steht und zuhause erst ein Mal verloren hat, will nach der 0:4-Pleite in Hoffenheim wieder zurück in die Spur kommen.

Slomka: Respekt vor dem BVB

96-Coach Mirko Slomka geht von einer spannenden, körperbetonten Partie aus: "Der BVB ist sehr offensiv ausgerichtet. Sie können mit wenigen Ballkontakten eine Menge entscheiden, sind kämpferisch stark, lauffreudig und haben junge, großartige Talente."

Besonders der 18-jährige Youngster Mario Götze ist den letzten Wochen in den Fokus gerückt. "Mario ist ein hochtalentierter Spieler, doch das sind Nuri Sahin, Kevin Großkreutz und Lucas Barrios auch", gibt Slomka zu bedenken, "wir sollten uns allerdings auf unsere Stärken konzentrieren."

Das Europapokalspiel der Dortmunder in Paris rief beim BVB positive und negative Emotionen hervor. So spielte der Bundesliga-Tabellenführer zwar überlegen und hatte durch Lewandowski die Riesenchance auf das Siegtor - am Ende sprang aber nur ein Punkt heraus. Marcel Schmelzer war nach Abpfiff sichtlich enttäuscht: "Wir arbeiten uns auch in der Bundesliga sehr viele Torchancen heraus, aber wir nutzen zu wenige davon." Neven Subotic versuchte, dem Unentschieden wenigsten etwas Gutes abzugewinnen: "Wir fühlen uns niedergeschlagen, aber nicht komplett am Boden. Wir haben leider keinen Schritt nach vorne gemacht, aber auch keinen zurück".

Slomka bleibt optimistisch

Bei den Niedersachsen überwiegt hingegen trotz der herben 0:4-Niederlage am letzten Spieltag gegen Hoffenheim der Optimismus. Slomkas Team hat schließlich bislang immer wieder Moral bewiesen und mit starken Leistungen nach Rückschlägen aufkommende Kritiken gleich im Keim erstickt. So startete die Mannschaft nach dem Pokal-Aus gegen Elversberg mit zwei Siegen in die Saison, und auch nach der Niederlage gegen den Rivalen aus Wolfsburg antwortete das Team mit einem 4:1-Heimsieg gegen das favorisierte Werder Bremen.

Die Statistik weiß: Hannover liegt Dortmund nicht, jedenfalls nicht in den letzten Partien. Ein Blick in die jüngere Vergangenheit des Spiels verrät, dass der BVB nur eins der letzten acht Spiele gegen die "Roten" für sich entscheiden konnte. Vier Mal teilten sich beide Mannschaften dabei die Punkte, drei Mal konnte 96 einen Sieg für sich verbuchen. Insgesamt führt der BVB mit 16:9 Siegen (bei 13 Remis) die Statistik jedoch an und ist ob der Tabellensituation natürlich der Favorit.

Cherundolo: "Wir sind schwer zu schlagen"

Doch das intensive Spiel hat sicherlich seine Spuren bei den Dortmundern hinterlassen. Eine Chance für Hannover? 96-Kapitän Steven Cherundolo jedenfalls blickt optimistisch auf die kommende Begegnung und weiß um die Stärken seines Teams. "Wir stehen diese Saison kompakt und sind schwer zu schlagen. Für die eigenen Mitspieler da zu sein, das ist die Basis unseres Spiels."

BVB-Coach Jürgen Klopp lässt die Doppelbelastung nicht als Ausrede gelten. Auch im 18. Pflichtspiel der Saison hatte der BVB schließlich Luft für Tempofußball bis zur letzten Sekunde. "Wir waren frisch, wie man nur sein kann", attestierte Klopp: "In der Schlussphase waren wir läuferisch überlegen." Ob die Dortmunder Kraftreserven irgendwann erschöpft sind?

Piszczek fraglich - Großkreutz als Verteidiger?

Personell muss Klopp sein Team möglicherweise umstellen. Zur Pause des Europa-Leauge-Spiels musste Lukasz Piszczek draußen bleiben. "Der Muskel hat zu gemacht", erklärte der Pole. Der Wechsel erfolgte noch rechtzeitig: Die medizinische Abteilung diagnostizierte "nur" eine Verhärtung, so dass ein Einsatz in Hannover möglich erscheint.

"Wenn nicht", sagt Klopp, der mit Patrick Owomoyela ohnehin auf seinen Stammspieler auf dieser Position verzichten muss, "haben wir Kevin Großkreutz, der das in Paris sehr, sehr ordentlich gemacht hat." Die Variante, wie am 34. Spieltag der letzten Saison in Freiburg Dede links und Schmelzer rechts zu bringen, schließt der Coach fast aus: "Wenn wir es irgendwie hinkriegen, sollten wir schon einen Rechtsfuß auf der rechten Seite haben." Der BVB muss außerdem weiterhin auf Mohamed Zidan, Támas Hajnal, Florian Kringe (alle Trainingsrückstand) und Sebastian Kehl (Sehnenanriss) verzichten.

Schulz-Einsatz entscheidet sich kurzfristig

Auch in Hannover gibt es einen Kandidaten, bei dem der Einsatz auf der Kippe steht. Abwehr-Routinier Christian Schulz laboriert weiterhin an einer Zehenprellung. "Er hat Schmerzen, wird behandelt", so Slomka. Ob der Defensivmann spielen kann, wird sich somit erst kurzfristig zeigen. Mit Youngster Christopher Avevor und dem Schweizer Nationalspieler Mario Eggimann bieten sich Slomka zwei Alternativen an.

Eggimann ist nach überstandener Hüftoperation wieder fit und brennt nach seinem Kurzeinsatz gegen Köln auf einen Platz in der Startelf. Für den gesperrten Manuel Schmiedebach könnte KSC-Neuzugang Lars Stindl in die erste Elf rücken. Nicht im 96-Kader sind außerdem Emanuel Pogatetz (Muskelfaserriss) sowie Leon Andreasen und Carlitos (beide im Aufbautraining).