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Ganz so negativ wie Mark van Bommel es vorrechnete ist die vergangene Woche für den FC Bayern München dann doch nicht verlaufen. "Es passiert uns nicht oft, dass wir zwei Mal hintereinander verlieren, drei Mal hintereinander wäre schon sehr komisch", sagte der FCB-Kapitän nach der Niederlage gegen den VfB Stuttgart mit Blick auf das Champions-League-Hinspiel gegen Manchester United am Dienstag.

Dabei unterschlug van Bommel, dass die Münchner zwischen den 1:2-Schlappen in Frankfurt und gegen den VfB durch das 1:0 nach Verlängerung beim FC Schalke 04 das Finale des DFB-Pokal erreicht hatten. Die Botschaft des Niederländers am Samstagabend war trotzdem klar: Die Bayern wollen in ihren "Wochen der Wahrheit" den Trendwechsel schaffen.

"Natürlich ist die Stimmung schlecht"

Das Spiel gegen Manchester wird dabei für die Münchner Elf eine Art Reifeprüfung: Sie muss zeigen, wie sie mit einem deutlichen Rückschlag umgeht. Denn gegen Stuttgart kassierte sie nicht nur die erste Bundesliga-Heimniederlage der Saison, sondern verlor auch die Tabellenführung an den FC Schalke. "Wir haben verloren und sind nicht mehr Tabellenführer, natürlich ist die Stimmung schlecht", sagte Philipp Lahm deshalb auch am Sonntag.

Sein Trainer stimmte ihm in dieser Beschreibung zu. "Es tut sehr weh. Ich denke, dass es ein ausgeglichenes Spiel war", analysierte Louis van Gaal, nahm seine Spieler aber auch in Schutz: "Ich kann nicht sagen, dass meine Spieler nicht alles gegeben haben." Möglicherweise habe auch die Belastung aus dem Pokalspiel auf Schalke Einfluss gehabt, erklärte van Gaal.

Sein Torhüter Jörg Butt konstatierte bei einer Bilanz von nur zwei Siegen aus den letzten sechs Pflichtspielen aber auch: "Natürlich ist es ein Rückschlag, wenn man das Heimspiel verliert. Wir haben geführt - dann darf man das Spiel nicht mehr aus der Hand geben."

Kein Grund für Schwarzmalerei

Doch damit wollten es die Bayern auch erstmal belassen bei der Aufarbeitung des Geschehens vom Samstagnachmittag. Verständlicherweise, denn mit der Partie gegen Manchester United am Dienstagabend steht schon der nächste Höhepunkt auf dem Programm.

"Es ist schwer zu verarbeiten, wenn man einen Rückschlag in der Bundesliga erleidet. Aber am Dienstag ist ein neues Spiel, die Champions League ist etwas Besonderes", sagte Philipp Lahm, der mit Blick auf die verbleibenden Bundesliga-Topspiele auch feststellte: "Jetzt muss die Mannschaft zeigen, wie weit sie ist. Gegen Manchester zuhause, auf Schalke, in Manchester und in Leverkusen. Danach sieht man, wo die Mannschaft steht."

Kapitän van Bommel wollte von Schwarzmalerei trotz der letztlich klar ausbaufähigen Leistung gegen Stuttgart nichts wissen. "Es könnte besser sein, aber es ist noch nicht katastrophal", erklärte er.

Hoffen auf Robben

Das stramme Programm des Rekordmeisters könnte sich schließlich auch als Segen erweisen. So haben die Bayern schon gegen Manchester die Gelegenheit, die Sorgen aus der Bundesliga in den Hintergrund zu drängen. Ein gutes Ergebnis gegen den englischen Spitzenclub, und die Münchner könnten mit Schwung in die restlichen "Endspiele" gehen.

"Es ist auch ein Vorteil, dass man in drei Tagen gleich wieder ein Spiel hat. Da zählt nicht, was man davor gemacht hat", bestätigt van Bommel und versichert, dass das Team gegen Manchester "ein ganz anderes Spiel" abliefern werde.

Allerdings wäre es bei diesem Vorhaben von großem Vorteil, wenn Ausnahmekönner Arjen Robben mit von der Partie wäre. Der Niederländer zog sich beim Spiel gegen den VfB eine Wadenzerrung zu. "Er fühlt sich viel besser als gestern", berichtete van Bommel und hofft auf das Mitwirken seines Landsmannes.

"Wir haben alles in der eigenen Hand"

Es gibt für den FC Bayern vor dem Kracher gegen United aber auch zwei gute Nachrichten in Sachen Personal. Martin Demichelis konnte nach seiner schweren Gesichtsverletzung am Samstag schon wieder eingewechselt werden und spielte mit Spezialmaske. Und auch Stürmer Mario Gomez ist für die Champions League nach überstandenem Muskelfaserriss wieder eine Option. "Ich bin bereit", sagte Gomez nach dem Mannschaftstraining am Sonntag und einer Extraschicht Torabschluss.

Mit seiner Hilfe könnten die Bayern die Stimmung wieder wenden, schließlich stehen sie mit zwei Punkten Rückstand in der Bundesliga, dem Einzug ins DFB-Pokalfinale und dem Auftritt im Champions-League-Viertelfinale immer noch blendend da. "Wir haben alles in der eigenen Hand. Das ist immer noch so", weiß Philipp Lahm. Kein Grund also, sich schlechter zu machen, als man ist.

Matthias Becker