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Wolfsburg - "Wenn man auswärts nicht gewinnt, muss man zuhause die Punkte machen", lautet eine alte Fußball-Weisheit, die in der aktuellen Saison vor allem der Deutsche Meister von 2009 vorlebt.

Zwölf Punkte hatte der VfL Wolfsburg in den sechs Spielen vor eigener Kulisse vor der Partie gegen den 1. FSV Mainz 05 geholt. Bitter nötig, denn in der Auswärtstabelle liegen die Niedersachschen mit gerade mal vier mageren Pünktchen in acht Spielen am Tabellenende.

Gegen die Mainzer sah es lange danach aus, als würden der Heim-Bilanz drei weitere Punkte hinzugefügt. Doch dann wurden in der Volkswagen Arena Erinnerungen wach. Erinnerungen an den 28. August 2010. Damals führte der VfL Wolfsburg gegen Mainz 05 klar mit 3:0 und musste am Ende das Feld als Verlierer verlassen.

Mainz nicht wiederzuerkennen

Am Samstag lagen die "Wölfe" 2:0 vorn, gegen Mainzer, die alle Tugenden aus der Vorwoche, als der große FC Bayern München 3:2 niedergerungen wurde, vermissen ließen. Nur 33 Prozent der Zweikämpfe konnten die Gäste in den ersten 45 Minuten für sich entscheiden. Am Ende wies die Statistik eine beinahe ausgeglichene Bilanz von 51:49 Prozent für die Gastgeber aus.

"Die erste Halbzeit war eine Katastrophe, vielleicht die schlechteste, die wir je gespielt haben", gab Mainz-Keeper mit bundesliga.de zu.

"Bin mit meinem Latein am Ende"

Über eine Stunde lang gab es keinen Zweifel, wer den Platz als Sieger verlassen werde. Doch dann gab es einen Bruch im Spiel des VfL, der in Wolfsburg für Ratlosigkeit sorgte.
"Dafür gibt es keine Erklärung", rang Chris fassungslos nach Worten. "Wir waren in der ersten Halbzeit so souverän..."

"Ich bin mit meinem Latein am Ende", fand selbst ein erfahrener Profi wie Hasan Salihamidzic keine Erklärung für den Einbruch nach zwei Dritteln der absolvierten Spielzeit. "Wir haben es nicht geschafft 90 Minuten Ordnung zu halten. Was wir für Möglichkeiten auslassen, ist nicht zu glauben. Ich bin total enttäuscht."

"Mannschaft hatte Angst"

"Nach dem 1:2 war zu spüren, dass die Mannschaft Angst hatte", hatte Felix Magath beobachtet. Woran es lag, wusste der Trainer ebenso wenig zu sagen wie die Spieler. Aber bei aller Ratlosigkeit war allen Beteiligten eines klar: "Wir müssen uns nach unten orientieren", brachte Chris die Lage beim Deutschen Meister von 2009 auf den Punkt.

"Europa ist kein Thema", reagierte Salihamidzic kurz angebunden auf die Frage nach dem vorgegebenen Saisonziel. "Wir müssen jetzt immer nur ans nächste Spiel denken."

"Reicht nicht für unsere Ansprüche"

"Das reicht nicht für unsere Ansprüche", fasste Magath das 2:2 zusammen und versuchte am Ende doch noch, der Partie etwas Gutes abzugewinnen: "70 Minuten haben wir gut gespielt. Darauf müssen wir aufbauen."

"Wir haben in der ersten Halbzeit gezeigt, dass wir es können. Die war absolut zufriedenstellend, vielleicht sogar die beste, die wir in dieser Saison gespielt haben", hatte auch Salihamidzic etwas Positives beobachtet.

"Irgendwann klappt's auch auswärts"

Konkret konnte auch der erfahrene Ex-Bayern-Profi nicht sagen, wie der unerklärliche Einbruch zum Ende der Partie in Zukunft vermieden werden könne. Stattdessen klammert sich der 34-Jährige an den letzten Strohhalm, dass jede Serie einmal zu Ende geht. "Irgendwann klappt's auch auswärts", ist Salihamidzic sicher.

Um den Niedersachsen das Weihnachtsfest noch ein wenig zu retten, am besten schon am kommenden Wochenende im Nord-Derby beim Tabellen-Sechsten Werder Bremen.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs