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Augsburg - Sich in den Katakomben des Augsburger Stadions zurechtzufinden, ist gar nicht so leicht. Der Reihe nach bogen die Profis des VfL Wolfsburg auf dem Weg zum Mannschaftsbus falsch ab. Bei der 0:1-Niederlage beim FC Augsburg präsentierten sich die Wolfsburger insgesamt etwas neben der Spur, von ihrem Kurs lassen sie sich dennoch nicht abbringen.

"In den entscheidenden Momenten waren wir nicht so wach", stellte Dieter Hecking fest. Der Trainer der Wölfe spielte vor allem auf die 63. Minute an. Zwar konnte Torhüter Diego Benaglio den Elfmeter von Tobias Werner noch parieren, doch anschließend reagierte Dominik Kohr schneller als Ricardo Rodriguez und versenkte den Abpraller im Wolfsburger Gehäuse.

"Wir haben schlampiger gespielt"

Der anschließende Sturmlauf wirkte unstrukturiert. Die Präzision der vergangenen Wochen, in denen der Tabellenzweite sich mit einer Serie von elf Spielen ohne Niederlage als zweite Kraft hinter dem FC Bayern etablierte, fehlte. Nach der Pleite in Augsburg wuchs der Abstand auf den Tabellenführer aus München auf elf Punkte an. "Wir haben es nicht verstanden, Druck aufzubauen und uns Chancen zu erarbeiten", analysierte Hecking und sprach von einer verdienten Niederlage. "Wir waren nicht so präsent und haben schlampiger gespielt."

Der 50-Jährige versuchte dennoch alles, um seine 100. Niederlage als Bundesliga-Trainer abzuwenden und brachte in der Schlussphase mit Nicklas Bendtner eine zweite Spitze zur Unterstützung von Bas Dost. Doch Joker Bendtner (ein Torschuss) hing ebenso in der Luft, wie Torjäger Dost (zwei Torschüsse).

Reisen fordern Tribut

Gegen die gut organisierte Defensive der Augsburger bissen sich die Wölfe die Zähne aus und blieben erstmals seit dem 5. Spieltag ohne einen eigenen Treffer. Auch Dost ging nach zuvor elf Toren in den ersten sechs Rückrundenspielen leer aus. "Heute war so ein Tag, an dem der Ball nicht rein wollte", sagte Dost. Und als der 25-Jährige nach dem Gespräch mit den Journalisten nur noch raus wollte, wählte auch er fälschlicherweise zunächst den Weg Richtung Augsburger Kabine.

Man mag es dem Niederländer verdenken, schließlich gastierte der VfL in den vergangenen zwei Wochen in vier verschiedenen fremden Stadien: Lissabon, Bremen, Leipzig, Augsburg. Der straffe Terminkalender mit den Spielen in der Europa League, dem DFB-Pokal und der Bundesliga hat Spuren hinterlassen. "Jeder war ein bisschen müde", gestand Kevin De Bruyne. "Wir waren immer unterwegs, hatten wenig Schlaf und Ruhe. Das hat man in dem Spiel gespürt."

De Bruyne verspricht Fitness

Der Belgier legte hinter Luiz Gustavo mit 11,62 Kilometern die beste Laufleistung bei den Wolfsburgern an den Tag, doch in der Offensive mangelte es an der nötigen Frische und den zündenden Ideen. Auch wenn ein Unentschieden in De Bruynes Augen das gerechtere Resultat gewesen wäre, bedeutete die erste Niederlage nach elf Spielen ohne Pleite auch keinen Weltuntergang. "Das ist nicht schlimm. Es kann passieren, dass man mal verliert", sagte der Belgier.

De Bruynes Blick ging daher auch rasch nach vorne, denn der Kalender erlaubt nur eine kleine Verschnaufpause. Im Achtelfinale der Europa League empfängt der VfL Wolfsburg als nächstes Inter Mailand. Und De Bruyne versichert: "Am Donnerstag ist wieder jeder zu 100 Prozent fit." Die vertraute Umgebung der heimischen Volkswagen-Arena soll ihren Teil dazu beitragen, dass der VfL wieder zurück in die Spur findet.

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz