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Als kleiner Junge wollte er selbst Fußballer werden. Doch dann entschied er sich fürs Schwimmen. Bis heute mit großen Erfolg. Thomas Rupprath gehört zu den erfolgreichsten deutschen Schwimmern aller Zeiten.

Der gebürtige Neusser war in seiner Laufbahn mehrfach Welt- und Europameister, Weltrekordhalter und gewann über 50 Medaillen bei internationalen Meisterschaften und 75 nationale Titel in so unterschiedlichen Disziplinen wie Rücken, Lagen und Schmetterling.

Der 31-Jähige ist verheiratet mit Urte und Vater eines zehn Monate alten Sohnes. Neben seiner Schwimmkarriere arbeitet er als Geschäftsführer eines Wellness-Studios. Er lebt mit seiner Familie in Rostock.

bundesliga.de: Herr Rupprath, das Jahr 2008 geht zu Ende. Zeit Bilanz zu ziehen. Wie fällt Ihre eigene sportliche Bilanz aus?

Thomas Rupprath: Da muss ich unterscheiden. Mit meinen nationalen Ergebnissen und Zeiten war ich sehr zufrieden. Ich bin wieder fünfmal Deutscher Meister geworden, habe jetzt insgesamt 75 nationale Titel geholt. International lief es nicht so gut. Ich habe mich zwar für die Großereignisse wie Olympia qualifiziert, bin da aber im Vorlauf ausgeschieden. Bei der EM konnte ich zum ersten Mal keine Medaille gewinnen. Problematisch war vor allem die Frage der Schwimmanzüge, über die viel geschrieben wurde.

bundesliga.de: Sie sind jetzt 31 Jahre alt, ein Alter, in dem viele Schwimmer bereits ihre Karriere beendet haben. Sie wollen weitermachen?

Rupprath: Ich werde weiterschwimmen und bin sehr optimistisch. Ich will noch einmal auf meiner Paradestrecke 50 Meter Rücken bei der WM 2009 in Rom angreifen.

bundesliga.de: Kommen wir zum Fußball. Sie haben ja früher selbst einmal im Verein gespielt.

Rupprath: Richtig, bei der SVG Neuss-Weißenberg bis ich elf Jahre alt war. Ich war linker Stürmer und hatte großen Spaß. Ich spiele auch heute noch einmal die Woche mit meiner Schwimmtrainingsgruppe zur Abwechslung Fußball.

bundesliga.de: Gibt es Vereine, mit den Sie sympathisieren?

Rupprath: Ja. Zum einen bin ich seit meiner Kindheit Fan von Bayern München. Mein Vater ist gebürtiger Bayer und hat mich auch für den Verein begeistert. Ich habe früher immer Karl-Heinz Rummenigge bewundert, der war weltklasse. Und seit ich vor einigen Jahren nach Rostock gezogen bin, verfolge ich auch Hansa sehr intensiv.

bundesliga.de: Dann wird Ihnen die Entwicklung dort nicht so gefallen?

Rupprath: Das ist schon traurig, dass dem Verein schon wieder der Abstieg droht. Fußballerisch sehe ich bei Hansa nichts mehr Hochklassiges. Ich finde es gut, dass der neue Trainer Dieter Eilts jetzt durchgreift und einige Spieler aussortiert. Da sieht man, dass es nicht immer am Trainer liegt. Frank Pagelsdorf hat ja in Rostock sehr viel bewegt und hat immer noch ein Riesenstanding in der Stadt, Vielleicht war er ein bisschen zu passiv. Ich würde mich freuen, wenn Eilts jetzt mehr auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs oder der zweiten Mannschaft setzt. Felix Kroos etwa, der Bruder von Bayerns Toni Kroos, soll ein Riesentalent sein. Hoffentlich bekommt der seine Chance.

bundesliga.de: Waren Sie in der Hinrunde auch selbst einmal im Stadion?

Rupprath: Nicht mehr so oft wie zu Bundesliga-Zeiten. Ich war einmal da und habe prompt das 9:0 gegen Koblenz gesehen. Diese Leistungsunterschiede bei Hansa sind krass. Mal spielen sie weltklasse, dann einen Katastrophenfußball. Die Menschen in der Region hier reagieren sehr hart. Bei schwachen Leistungen drehen die Fans dem Team den Rücken zu. Es kommen auch leider immer weniger Zuschauer in das schöne Stadion.

bundesliga.de: Und die Spiele der Bundesliga ...

Rupprath: ... habe ich nur am Fernseher verfolgt. Da hat mich Hoffenheim beeindruckt, ganz klar. Wie die Truppe in fast jeden Spiel ihre drei Tore schießt und in welchem Sprinttempo die Spieler den Platz rauf- und runterlaufen, ist schon bewundernswert. Die Philosophie von Ralf Rangnick finde ich vorbildlich. Das gefällt mir sehr gut. Ganz erstaunlich ist auch die Entwicklung von Hertha. Die spielen zwar nicht immer guten Fußball, holen aber die Punkte. Ich kenne den Hertha-Spieler Marc Stein privat ganz gut und freue mich, dass er nach seinem Wechsel von Hansa zu Hertha dort Stammspielern geworden ist.

bundesliga.de: Gab es ein besonderes Bundesliga-Spiel, das Ihnen in Erinnerung geblieben ist?

Rupprath: Eigentlich nicht. Ich finde die Bundesliga als Ganzes sehr interessant. Ich finde, sie steht auch im internationalen Vergleich wieder besser da. Bayern spielt in der Champions League stark. Und es macht einfach Spaß, einem Franck Ribéry zuzuschauen. Auch Luca Toni kommt wieder in Fahrt. Solche Topspieler machen die Bundesliga interessant.

bundesliga.de: Wer war für Sie der Spieler der Hinrunde?

Rupprath: Zum einen Ribéry und zum anderen Vedad Ibisevic. Seine Torquote ist ja Wahnsinn.

bundesliga.de: Und was erwarten Sie von der Rückrunde?

Rupprath: Ich erwarte einen Zweikampf zwischen Bayern und Leverkusen.

bundesliga.de: Leverkusen? Nicht Hoffenheim?

Rupprath: Ich glaube nicht, dass Hoffenheim das Niveau halten kann. Sie landen auf Platz 3 bis 5. Aber Leverkusen hat auch eine ganz starke Hinrunde gespielt. Das ist eine geschlossene, starke Truppe, von der ich noch Einiges erwarte. Aber am Ende wird Bayern München Meister.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski