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Ingolstadt - Den FC Ingolstadt hatten wohl nur die allergrößten Optimisten unter den Fans des Clubs als möglichen Aufsteiger auf der Rechnung. Umso überraschender wie souverän sich die Elf von Trainer Ralph Hasenhüttl letztlich die Meisterschaft in der 2. Bundesliga sicherte. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der Österreicher über die Herausforderung Bundesliga, über sein Vertrauen in die Aufstiegself und über die Torhüterfrage.

bundesliga.de: Herr Hasenhüttl, vor etwa zehn Tagen ist die 2. Bundesliga in die neue Saison gestartet. Sind Sie morgens aufgewacht und haben einen Moment lang gedacht "Heute geht’s los!"?

Ralph Hasenhüttl: Nein. Aufgrund der Vorbereitung bin ich auf einen anderen Termin gepolt (lacht). In der Tat war es aber ein eigenartiges Gefühl die ersten Spiele der neuen Zweitliga-Saison im Fernsehen zu sehen. Da habe ich durchaus kurz gedacht "Wahnsinn, dass wir in dieser Liga nicht mehr dabei sind, sondern jetzt in die Bundesliga gehören!"

bundesliga.de: Nach dem SC Paderborn ist der FC Ingolstadt wieder ein absoluter Neuling in der Bundesliga. Lässt sich von Paderborn etwas lernen?

Hasenhüttl: Das ist nicht die Art wie ich denke. Wir wollen unseren eigenen Weg gehen und unsere eigenen Spuren hinterlassen. Natürlich war es in den vergangenen Jahren häufig so, dass Aufsteiger wie Fürth, Braunschweig oder Paderborn Probleme hatten die Klasse zu halten. Trotzdem haben wir andere Vorstellungen.

"Müssen uns Woche für Woche alles abverlangen"

bundesliga.de: Vorstellungen, die sich durch die Vorbereitung verfestigt haben?

Hasenhüttl: Ich bin sehr zufrieden mit der Vorbereitung. Wir haben gute Testspiele absolviert, die für mich zudem sehr aufschlussreich waren. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass wir auf den Punkt genau bei hundert Prozent sein werden, wenn die Saison losgeht.

bundesliga.de: In der vergangenen Saison war der FCI auswärts beinahe genauso stark wie zuhause. Kann man diese Spielweise in der Bundesliga aufrechterhalten?

Hasenhüttl: Es wird in der Bundesliga nicht nur auswärts, sondern auch zuhause ein ganzes Stück schwerer werden als bisher. Und den Punktestand, mit dem wir in der 2. Bundesliga abgeschlossen haben, werden wir in der Bundesliga kaum mehr erreichen (lacht). Für uns wird es Woche für Woche darum gehen, uns alles abzuverlangen, egal ob zuhause oder auswärts. Wir haben uns in der vergangenen Saison auswärts wenig von den Kulissen oder den Stärken der Gegner beeindrucken lassen, sondern haben immer versucht, unser Ding durchzuziehen. Die anderen Vereine mussten erkennen, dass unsere Art Fußball zu spielen, nicht angenehm ist für den Gegner. Ich sehe also keinen Grund, warum wir das in der Bundesliga nicht auch versuchen sollten. Zudem gibt es doch keine Garantie darauf, zumindest einen Punkt mitzunehmen, wenn wir sagen "Wir stellen uns tief hinten rein und hoffen, dass es dann gut geht!".

bundesliga.de: Bei nur vier Neuzugängen kann man nicht behaupten, dass Sie auf dem Transfermarkt in die Vollen gegangen wären,...

Hasenhüttl: Stimmt...

"Können Konkurrenzkampf verstärken"

bundesliga.de: ...was man als Zeichen des Vertrauens interpretieren könnte, das Sie in die Aufstiegsmannschaft haben...

Hasenhüttl: Da haben Sie völlig Recht! Selbstverständlich weiß ich, dass die Bundesliga ein anderes Kaliber ist und dass es ungleich schwerer wird, dort zu bestehen. Ich bin aber davon überzeugt, dass die jetzige Mannschaft noch sehr viel Entwicklungspotenzial hat. Wir haben viele junge Spieler, denen ich zutraue, dass sie sich an das höhere Niveau anpassen können. Und die Spieler, die uns wirklich um so viel besser machen würden, wären für uns ohnehin nicht erschwinglich. Die Neuzugänge, die wir geholt haben, passen sehr gut in unser Mannschafts-, aber auch in unser Gehaltsgefüge, und werden uns in der Breite besser machen.

bundesliga.de: Bemerkenswert scheint auch, dass Sie im Grunde kaum einen Leistungsträger verloren haben. Das ist früheren Aufsteigern schon ganz anders ergangen...

Hasenhüttl: Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir fast alle halten konnten. So können wir mit den Neuen den Konkurrenzkampf noch einmal verstärken.

"Haben zwei hervorragende Keeper"

bundesliga.de: Auf dem offiziellen Mannschaftsfoto sind nicht nur Spieler und Trainer  zu sehen, sondern auch Teamkoordinatorin, Zeugwarte und Videoanalyst. Zufall oder ebenfalls ein Zeichen für großen Zusammenhalt?

Hasenhüttl: Kein Zufall! Das soll eine Wertschätzung sein für die Leute, deren Gesichter die Öffentlichkeit vielleicht nicht so kennt, weil sie eher im Hintergrund arbeiten, die aber dennoch einen großen Anteil an unserem Erfolg haben. Deshalb sind sie übrigens nicht nur auf dem Foto zu sehen, sondern wurden zum Trainingsauftakt alle einzeln vor Publikum vorgestellt. Das ist sehr gut angekommen.

bundesliga.de: Für Aufsehen hat Ihre Aussage gesorgt, dass Sie möglicherweise mit zwei Nummer-eins-Torhütern in die Saison gehen wollen...

Hasenhüttl: Ich weiß bereits, wie ich vorgehen werde, möchte das zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht öffentlich machen. Ohnehin handelt es sich um ein Luxusproblem, weil wir zwei hervorragende Keeper haben, die der Konkurrenzkampf noch besser machen wird. Ich empfinde diese Situation eher als angenehm als umgekehrt und kann damit sehr ruhig schlafen. Auch, weil ich davon überzeugt bin, dass beide Keeper absolut professionell mit meiner Entscheidung umgehen werden, egal wie sie ausfällt.

"Uns zu schlagen ist nicht so einfach"

bundesliga.de: Sie haben auch gesagt: "Ich weiß, dass wir nicht der Prügelknabe sein und drin bleiben werden." Was gibt Ihnen diese Zuversicht?

Hasenhüttl: Die Mannschaft! Ich habe im Verlauf der vergangenen Saison nie davon gesprochen, dass wir definitiv aufsteigen werden, sondern habe immer "nur" betont, dass wir es schaffen können, wenn alles passen sollte. Wenn es aber gegen den Abstieg geht, ist Zuversicht noch wichtiger. Für uns handelt es sich doch um eine sehr vorteilhafte Ausgangsposition, dass wir uns in der kommenden Saison in einem Großteil der Spiele mit einem Unentschieden als Sieger fühlen dürfen, während der Gegner als Verlierer gelten muss. Uns zu schlagen ist nicht so einfach, und wir werden unsere Punkt holen. Davon bin ich felsenfest überzeugt!

Das Gespräch führte Andreas Kötter