ANZEIGE

Köln - Przemyslaw Tyton hat in seiner Karriere bereits so einiges erlebt. Vom aufstrebenden Held bei der Heim-EM bis hin zum abgeschriebenen Bankdrücker. Der 28-Jährige weiß, dass es im Fußball nicht nur bergauf geht. Beim VfB Stuttgart soll nun aber alles besser werden.

Es war die 69. Minute des Eröffnungsspiels der EM 2012 zwischen Co-Gastgeber Polen und dem ehemaligen Europameister Griechenland. Nach einer Notbremse von Stammkeeper Wojciech Szczesny gegen Salpingidis zückte Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo beim Stand von 1:1 die Rote Karte und zeigte auf den Punkt. Plötzlich wurde es still im Nationalstadion von Warschau. Doch die beklemmende Stille sollte nicht lange anhalten. Ohne sich warmzumachen, betrat Tyton den Platz und parierte den Elfer von Karagounis mit seinem ersten Ballkontakt. Das Stadion explodierte, ein neuer Held war geboren.

Erste Gehversuche in der Ekstraklasa

Das Kicken lernte Tyton bei Hetman Zamosc von wo er 2005 loszog, um bei Gornik Leczna seine ersten Gehversuche in der polnischen Ekstraklasa zu machen. In den ersten beiden Spielzeiten brachte er es zwar nur auf 20 Einsätze, dennoch weckte er das Interesse des niederländischen Erstligisten Roda Kerkrade. Doch auch in der Eredivisie tat er sich zunächst schwer und musste sich mit der Rolle der Nummer zwei hinter Bram Castro begnügen.

In der Saison 2009/10 wurde er dann Stammkeeper, ehe ihn 2011 eine schwere Schulterverletzung wieder zurückwarf. Dennoch zeigte der PSV Eindhoven Interesse und verpflichtete ihn auf Leihbasis. Nachdem sich Konkurrent Andreas Isaksson in zwei Spielen zehn Gegentore fing, setzte Coach Fred Rutten fortan auf Tyton und sollte Recht behalten. Mit starken Leistungen führte er die mittlerweile von Phillip Cocu betreute Mannschaft zum Pokalsieg gegen Heracles Almelo.

Und obwohl der PSV ihn fest verpflichtete, rückte Tyton erneut ins zweite Glied. Nach nur sechs Liga-Einsätzen in der Saison 2013/14 packte er wieder seine Koffer und schloss sich dem FC Elche an. In der Primera Division lief es dann besser. In 32 Spielen stand er zwischen den Pfosten und kassierte dabei 47 Gegentore, zehn Mal stand sogar die Null. Den Zwangsabstieg des Tablellen-13. wegen Steuerschulden konnte er aber auch nicht verhindern. Dennoch bezeichnet er die Zeit in Spanien als “lehrreich“. Vor allem die Spiele gegen Real Madrid und den FC  Barcelona sind ihm in Erinnerung geblieben, wenn auch nicht in allerbester. "Gegen diese Teams mit diesen Weltklassespielern zu spielen, das ist schon Wahnsinn. Da hast Du wirklich keine Chance", sagt er voller Ehrfurcht.

"Nie von der Bundesliga zu träumen gewagt"

Eine neue Chance hat er jetzt beim VfB Stuttgart, dem er sehr dankbar ist für das Vertrauen. "Ich hätte nie von der Bundesliga zu träumen gewagt", sagt er und verspricht seinem neuen Arbeitgeber gleich vollen Einsatz: “Ich möchte hier meine Qualitäten zeigen und mich durch gute Leistungen weiterhin für die Nationalmannschaft empfehlen." Dort ist er mittlerweile oftmals nur noch die Nummer vier. Ein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, ist dies aber nicht. Zuviel hat er bereits erlebt.

Zudem sind sie auch im Ländle von seinen Qualitäten vollends überzeugt. “Przemyslaw hat in der Primera Divison seine Qualitäten unter Beweis gestellt und uns mit seinen Leistungen überzeugt“, sagt VfB Sportvorstand Robin Dutt und fügt hinzu: “Wir haben ihn intensiv beobachtet und uns ein umfassendes Bild von seinen Fähigkeiten gemacht. Wir sind davon überzeugt, dass er alle Voraussetzungen mitbringt, um in der Bundesliga zu bestehen.“

Konkurrenzkampf mit Langerak

Bestehen muss der Nachfolger von Sven Ullreich aber auch gegen Mitch Langerak, der von Borussia Dortmund kommt. Beim VfB erhofft man sich von der neuen Konstellation mit zwei gleichwertigen Torhütern eine Win-Win-Situation. “Wir haben mit Mitchell Langerak und Przemyslaw Tyton zwei Torhüter, die in der Lage sind, den nächsten Schritt zu machen und die zur Spielkonzeption passen. Beide sind positive Typen. Wir erwarten von ihnen, dass sie sich einen Konkurrenzkampf liefern.“

Für Przemyslaw Tyton keine neue Situation. Wohlwissend, dass er sich in seiner Karriere noch überall durchgesetzt hat. Manchmal braucht es eben einfach ein bisschen mehr Zeit. Und die heilt bekanntlich alle Wunden.

Von Thomas Ziemann