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Sinsheim - Es war ein seltsames Spiel, dieses leichte 2:0 des FC Bayern München bei der TSG 1899 Hoffenheim. Für die Bayern war es ja das Spiel nach der 1:3-Pleite beim FC Porto im Champions-League-Viertelfinal-Hinspiel am vergangenen Mittwoch und das vor dem Rückspiel am kommenden Dienstag (ab 20:30 Uhr im Liveticker) in München, in dem sich entscheidet, ob diese Saison doch noch eine große für die Bayern wird oder doch wieder nur eine ohne den großen europäischen Titel. Und es war das Spiel nach dem überraschenden Rücktritt des Bayern-Mannschaftsarztes Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Eigentlich störte da diese Begegnung in Hoffenheim nur, die stark ersatzgeschwächten Bayern schonten viele Spieler, Boateng, Alonso, Thiago saßen zunächst nur auf der Bank, Philipp Lahm war wegen einer Magen-Darm-Verstimmung zuhause geblieben. Alaba, Benatia, Martinez, Ribery, Robben und Schweinsteiger fehlen ohnehin verletzt. Dafür setzte Trainer Pep Guardiola Gianluca Gaudino neben Sebastian Rode im Mittelfeld ein, Mitchell Weiser als Rechtsaußen und in der Abwehr spielten die zwei Linksfüße Dante und Holger Badstuber.

Hoffen auf Lahm und Schweinsteiger

Als am Ende nach Toren von Rode (38.) und einem Eigentor des Hoffenheimers Andreas Beck (90+3) alles gut für die Bayern ausgegangen war, sagte Guardiola: "Zu gewinnen, ist immer gut. Aber am Dienstag gegen den FC Porto ist ein komplett anderes Spiel, ein Finale." Die Bayern waren zwar froh, gewonnen zu haben, aber die Gedanken waren schon nach dem Abpfiff beim Spiel gegen Porto. Und Guardiola tat dann das, was ein Trainer in dieser Situation tun muss: Er redete die Spieler stark, die er zur Verfügung hat: "Ich habe großes Vertrauen in meine Spieler. Die Spieler haben mein größtes Lob verdient, egal, was am Dienstag gegen Porto passiert."

Guardiola hofft gegen die Portugiesen auf die Rückkehr des kranken Lahm, "vielleicht" auf die von Schweinsteiger, Stand  Samstag aber "nicht" auf die von Ribery. Wobei Guardiola im Fall von Ribery noch abwarten will. Gegen Porto, das ist ein großes Spiel, sagt Guardiola. Und er sagt: "Wir haben viele Probleme im Moment, und viele Spiele in den Beinen." Es sei nicht so leicht, alle drei Tage ein wichtiges Spiel zu absolvieren wie alle glauben.

Emotionale Kabinenansprache nach dem Spiel

Guardiola weiß, dass am Dienstag ein Kraftakt seiner von vielen Verletzungen geplagten Mannschaft nötig sein wird, um in der Champions-League weiter dabei bleiben zu können. Der Katalane, so erzählte es der starke Sebastian Rode, habe nach dem Spiel angesichts der Schicksaalstage in der Kabine eine emotionale Ansprache gehalten und die Mannschaft auf die sportlichen Ziele eingeschworen. "Der Trainer war sehr emotional, er wollte uns zusammenschweißen. Er sagte, dass wir in dieser Situation die Ruhe bewahren müssen und dass er stolz auf uns ist", erzählte Sebastian Rode.

In Hoffenheim erwischten die Münchner in Vorbereitung auf das Porto-Spiel einen dankbaren Gegner. Entgegen ihrer Art griffen die Hoffenheimer die Bayern nicht ganz vorne an. Fast hatte man den Eindruck, einem Freundschaftsspiel beizuwohnen, bei dem die große Mannschaft mit der kleinen einen Nichtangriffspakt abgeschlossen hatte.

Guardiola liest Rudy die Leviten

Das erste Foul gab es erst nach 19 Minuten, Sebastian Rudy rutschte Juan Bernat auf der Höhe der Mittellinie in die Parade. Das erboste  Guardiola so sehr, dass er seine Coachingzone verließ und Rudy die Leviten las – ganz nach dem Motto: Hey, wir haben am Dienstag ein wichtiges Spiel, hör auf so hart einzusteigen. Den leicht angeschlagenen Bernat nahm Guardiola als Vorsichtsmaßnahme in der Pause lieber vom Platz.

Der ganze Fokus liegt nun auf dem Spiel gegen Porto, Robert Lewandowski fordert: "Wir müssen alles geben, was wir noch drin haben." Und der Stürmer sagt auch: "Der FC Porto hat auch alle drei Tage ein Spiel."

Aus Sinsheim berichtet Tobias Schächter