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Augsburg - Für den FC Augsburg ist es ein Schnäppchen, für Piotr Trochowski die Chance, sich noch einmal zu beweisen. Vier Jahre nach seinem Wechsel zum FC Sevilla kehrt der 31-Jährige in die Bundesliga zurück und unterschreibt bei den Fuggerstädtern einen Einjahres-Vertrag mit Option auf eine weitere Saison.

Coach Markus Weinzierl weiß, was für einen Topspieler er sich da kurz vor Saisonstart noch geangelt hat. "Piotr hat nicht umsonst 35 Länderspiele gemacht", sagt der Erfolgscoach des FCA. "Mit ihm stellen wir unseren Kader nicht nur breiter auf, sondern bekommen zusätzliche Qualitäten ins Team, die die Mannschaft weiterbringen werden", glaubt Weinzierl.

Großes Lob von Rummenigge

Einen viel versprechenderen Deal hätten die bayrischen Schwaben derzeit wohl kaum machen können. Denn Trochowski galt lange Zeit als eines der größten Talente in Deutschland, wurde sogar von Bayerns Vorstandsvorsitzendem Karl-Heinz Rummenigge einst in den höchsten Tönen gelobt. Und immerhin brachte er es auf 35 Länderspiele für Deutschland und die Teilnahme an der EM 2008 und der WM 2010.

Aus der Jugend des FC St. Pauli wechselte Trochowski, der als Fünf-Jähriger mit seinen Eltern aus Polen nach Hamburg gezogen war, 1999 zum FC Bayern München. Dort feierte er, nachdem er 2001 und 2002 zweimal Deutscher A-Jugendmeister geworden war, 2002 bereits als gerade 18-Jähriger sein Debüt in der Bundesliga und gewann anschließend mit den Bayern die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal. In der Folgesaison kam der junge Offensivspieler dann zwar auf zehn Bundesliga-Einsätze und ein Tor, konnte sich aber nicht nachhaltig beim Rekordmeister durchsetzen.

Europa-League-Halbfinale mit dem HSV

Stattdessen wechselte er in der Winterpause 2004/05 zum Hamburger SV und avancierte dort schnell zum Stammspieler und Leistungsträger. In sechseinhalb Jahren machte der Mittelfeldspieler 180 Bundesliga-Spiele für den HSV, erzielte dabei 20 Tore und war an zahlreichen weiteren beteiligt. Zumeist kam er im linken Mittelfeld zum Einsatz, da seine Lieblingsposition hinter den Spitzen durch Rafael van der Vaart (Foto) belegt war. Erst in seiner letzten HSV-Saison verlor er in der Rückrunde 2010/11 seinen Stammplatz.

Zuvor hatte er den HSV 2005/06 auf Platz drei in der Bundesliga und damit in die Champions League geführt, wo allerdings nach der Vorrunde Schluss war. 2008/09 marschierten die Hamburger, die im Jahr zuvor noch einmal Bundesliga-Vierter geworden waren, ins Halbfinale der Europa League, scheiterten dort unglücklich am SV Werder Bremen.

35 Länderspiele für Deutschland

Einen Stammplatz hatte der gebürtige Pole zu dieser Zeit auch in der Nationalmannschaft. Nachdem er alle Jugendauswahlen des DFB von der U16 bis zur U23 durchlaufen hatte, debütierte Trochowski im Oktober 2006 beim 2:0 gegen Georgien im Nationalteam. 2008 wurde er mit Deutschland Vize-Europameister, kam bei dem Turnier allerdings nicht zum Einsatz, obwohl er in der Qualifikation regelmäßig gespielt hatte. 2010 wurde er bei der WM dann vier Mal eingesetzt und wurde mit der Nationalelf Dritter. Das 0:1 im Halbfinale gegen Spanien war sein 35. und bis heute letztes Länderspiel.

Nach der enttäuschenden Rückrunde 2010/11 beim HSV ging Trochowski im Sommer 2011 schließlich zum FC Sevilla in die spanische Primera Division. Bei den Andalusiern kam er in der ersten Saison gleich auf 35 Einsätze. Eine schwere Knieverletzung schaltete ihn dann aber für ein gutes Jahr aus. Nach seiner Rückkehr konnte er sich nur noch bedingt durchsetzen. Er kam zwar noch auf 18 Liga-Einsätze, beim großen Triumph des FC Sevilla spielte er aber keine Rolle auf dem Platz: Sevilla gewann 2014 die Europa League, Trochowski machte nur drei Spiele.

Streit mit Sevilla

Danach kam es zum Streit mit dem spanischen Club. Sevilla vermeldete im September 2014 die Auflösung seines Kontrakts bis 2015, Trochowski dementierte diese und zog vor das Arbeitsgericht. Seit Sommer 2014 war der Mittelfeldspieler daher vereinslos. Mitte Juli bot er sich schließlich dem FC Augsburg im Probetraining an. Nach zwei Tagen und einem Testspiel griff Geschäftsführer Sport Stefan Reuter zu: "Piotr hat nicht nur in den Trainingseinheiten und dem Testspiel einen sehr guten Eindruck hinterlassen, sondern hat auch in den Gesprächen deutlich gemacht, dass er heiß darauf ist, mit dem FC Augsburg die Herausforderungen der kommenden Saison anzunehmen."

Mit dem FCA kann er nun sogar noch einmal international antreten. Schließlich haben sich die Augsburger bereits für die Europa-League-Gruppenphase qualifiziert. Für Augsburg könnte er zum Glücksgriff werden. Nach der Rückkehr des für ein halbes Jahr ausgeliehenen Pierre-Emil Höjbjerg zum FC Bayern könnte Trochowski die große Lücke, die der junge Däne im Mittelfeld hinterlassen hat, füllen. Vor allem seine Präzision bei Standards sollte den Fuggerstädtern helfen.

Von Tobias Schild