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Gelsenkirchen - Bayer 04 Leverkusen jubelt über den 1:0-Sieg auf Schalke, der einen Meilenstein Richtung Champions League bedeutet - und Torschütze Karim Bellarabi wirkt nach dem Abpfiff fast ein wenig enttäuscht. Worüber er sich trotz seines Siegtreffers geärgert hat, erklärt der Nationalspieler im Interview.

120 Minuten bei Atletico Madrid und das bittere Aus in der Champions League steckten Bayer Leverkusen in den Knochen. Trotzdem suchte die Mannschaft im Sechs-Punkte-Spiel auf Schalke die Offensive – allen voran Karim Bellarabi. Es war kein Zufall, dass ausgerechnet der Stürmer nach 35 Minuten auch das goldene Tor des Tages erzielte. Allein vier Torschüsse standen schon bis zur Halbzeit auf seinem persönlichen Konto – so viele wie die ganze Schalker Mannschaft zusammen verzeichnete. Sein elftes Saisontor war dabei alles andere als gewöhnlich. 

"Ich rege mich trotzdem auf"

Frage: Karim Bellarabi, aus spitzestem Winkel hinein ins Schalker Tor – erklären Sie doch bitte mal diesen Treffer.

Karim Bellarabi: Es haben in dieser Szene wohl alle damit gerechnet, dass ich in die Mitte abspiele. Ich habe mir gedacht, ich probiere mal was anderes aus und habe es einfach mal direkt versucht. Der Ball ist perfekt unter der Latte eingeschlagen. Aber ich rege mich trotzdem auf.

Frage: Ein Tor und drei Punkte – worüber kann man sich da noch ärgern?

Bellarabi: Ich hatte noch zwei, drei Großchancen in diesem Spiel. Die muss ich einfach auch rein machen. Dann hätte es 2:0 gestanden, die Sache wäre entschieden gewesen und wir hätten nicht noch bis zum Ende um den Sieg zittern müssen. Daher kann ich trotz des Sieges mit meiner Leistung dieses Mal nicht ganz zufrieden sein.

Frage: Ihr Treffer hat auch irgendwie wütend gewirkt, mit so viel Wucht haben Sie den Ball ins Netz gehämmert.

Bellarabi: Wut hatte ich keine. Aber ich hatte mir in dieser Szene schon vorgenommen, den Ball ein bisschen härter zu schießen. Toll, dass ich ihn so perfekt getroffen habe!

"Haben Spanien abgehakt"

Frage: War dieser Sieg auch die perfekte Antwort von Bayer auf das unglückliche Ausscheiden in der Champions League?

Bellarabi: Wir haben abgehakt, was da in Spanien passiert ist. Das Spiel gegen Madrid ist vergessen, auch wenn es uns gegen Schalke natürlich noch in den Knochen saß. Wir haben schon ein bisschen gebraucht, die Müdigkeit heraus zu bekommen. Aber wir wussten einfach, wie wichtig dieses Spiel für uns in der Bundesliga ist. Wir wollen unbedingt wieder in die Champions League.

Frage: Nach diesem Sieg sind die Perspektiven dafür doch hervorragend.

Bellarabi: Wir stehen jetzt in der Tabelle sechs Punkte vor Schalke, das war an diesem Tag unser Ziel. Jetzt hoffen wir natürlich noch, dass Gladbach bei den Bayern keine Punkte holt. Dann wären wir auch nach Abschluss dieses Spieltages auf dem dritten Platz. Und damit da, wo wir auch hingehören!

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte