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München - Es wird Guardiolas härteste Prüfung bislang. In der individuellen Klasse sind es nur Nuancen, die den FC Bayern und Real Madrid voneinander unterscheiden, beide Mannschaften sind gespickt mit weltklasse Spielern. Über Weiterkommen oder Ausscheiden wird die taktische Ausrichtung entscheiden. Vor dem Halbfinal-Rückspiel in der Champions League (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) muss der FCB-Coach die richtige Balance finden.

Die Probleme liegen auf der Hand. Der FC Bayern muss die 0:1-Hypothek aus dem Hinspiel im Bernabeu ausgleichen und zwangsläufig nach vorne spielen. Aber wie viel Risiko muss die Elf von Pep Guardiola eingehen, um mehr Chancen zu kreieren als in Madrid? Und wie viel darf sie eingehen, um in der Defensive noch stabil genug zu sein?

Grübeln über die richtige Taktik

Die Antwort will Guardiola spätestens heute Nacht finden. "Ich habe über die Taktik sehr viel nachgedacht. Dass wir das Hinspiel so gut kontrolliert haben, hat mir gefallen. Uns hat aber die Aggressivität und die Entschlossenheit vorne gefehlt", konstatierte der Spanier auf der Pressekonferenz in der Münchner Allianz Arena. "Über die richtige Balance muss ich noch eine Nacht nachdenken."

Die Vielseitigkeit der Madrilenen erschwert die Arbeit des Katalanen. Naheliegend wäre zwar, dass die Königlichen mit dem 1:0-Vorsprung im Rücken zunächst sehr zurückgezogen agieren und auf Konter lauern, doch Peps Gegenüber Carlo Ancelotti ist - wie vor Wochenfrist - immer wieder für Überraschungen gut. "Wir müssen uns auf verschiedene Varianten einstellen und uns dementsprechend anpassen", unterstreicht Guardiola. "Real Madrid kann sehr gut auf Konter spielen, aber auch selbst das Spiel machen."

Definitiv wird Ancelotti aber nicht darauf aus sein, ein torloses Remis in der Allianz Arena zu ermauern. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Real 90 Minuten auf Ergebnishalten spielt, die Spieler haben auch gar nicht die Mentalität dazu, nur hinten drin zu stehen", so Guardiola, der in Erwartung der offensivgewaltigen Superstars Cristiano Ronaldo, Gareth Bale und Karim Benzema nicht wirklich damit rechnet, zu Null zu spielen. "Wir brauchen zwei, drei Tore, um weiter zu kommen. Wir müssen nach vorne spielen."

"Ribery muss sauer mit sich selbst sein"

Im Spiel nach vorne ruhen die Hoffnungen bei den Bayern auch auf den Schultern von Franck Ribery, der nach einer kurzen Sinnkrise gegen Werder Bremen wieder in die Spur gefunden hat und dem Guardiola mit einem leichten Schmunzeln attestierte, "sauer mit dem Trainer, mit dem Publikum und vor allem mit sich selbst" sein zu müssen, um seine "Energie und Aggressivität" entfalten zu können.

Während der Spanier an der Taktiktafel noch über die letzten Kniffe grübeln muss, ist für ihn klar, dass die Mentalität und der "größere Wille" ausschlaggebend sein werden. Sowohl bei den Spielern als auch bei den Zuschauern. "Wir können das nicht alleine schaffen, nur mit den Fans. Ich bin mir sicher, dass sie uns morgen mit aller Kraft unterstützen werden", sagt der 43-Jährige. "Wir haben diesen Traum, weiterzumachen. Wir haben diesen Traum, nach Lissabon zu fliegen." Morgen könnte der Traum real werden.

Aus München berichtet David Schmidt

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