ANZEIGE

Köln – Den Spitznamen verdankt er seinem ehemaligen Teamkollegen Juan Arango. Patrick Herrmann wird bei Borussia Mönchengladbach seit einigen Jahren nur noch "Flaco" gerufen, was aus dem Spanischen übersetzt soviel bedeutet wie der "Dürre", der "Schmächtige". Gar nicht mager dagegen ist die aktuelle Ausbeute des Flügelflitzers, der vor allem in der Rückrunde zu großer Form aufgelaufen ist. 

Mehr als sechs Tore waren ihm bisher in keiner Saison gelungen. Mit seinen Treffern sieben und acht beim 2:0-Erfolg gegen Hannover 96 hat er die Marke nun bereits am 25. Spieltag überboten und sich nebenbei an die Spitze der internen Torschützenliste vor Max Kruse (7 Tore) gesetzt.

"In München habe ich noch nie getroffen"

"Ich hatte vor der Saison gehofft, mal mehr als sechs zu machen. Dass es nun schon acht sind, ist natürlich riesig", freute sich Herrmann über seinen persönlichen Rekord. Seinen Lauf will er möglichst auch am Sonntag im Auswärtsspiel beim FC Bayern München ("Dort habe ich noch nie getroffen") fortsetzen.

Dabei hatte die Saison für den 1,79 Meter großen Außenstürmer so gar nicht nach seinem Geschmack begonnen, als sich der vermeintliche Stammspieler plötzlich auf der Bank wiederfand und an den ersten fünf Spieltagen maximal zu Kurzeinsätzen kam. "Damit musste er erst einmal zurechtkommen", erinnert sich Manager Max Eberl und meint damit die Konkurrenzsituation auf den Flügeln, die mit André Hahn, Ibrahima Traore, Thorgan Hazard und Fabian Johnson hochkarätig verstärkt wurden.

Eberl: "Er ist ein Mann geworden"

"Patrick hat sich dem Kampf gestellt und es für sich sehr gut gelöst. Wenn man sieht wie ballsicher er ist, wie er die Tore erzielt und sich in Spielsituationen verhält, hat er sich enorm entwickelt", sagt Eberl, der augenzwinkernd hinzufügt: "Er ist ein Stück weit ein Mann geworden".

"Wer bis heute nicht wusste, wie gut Patrick ist… Nun sind wohl auch die letzten aufmerksam geworden", sagt Eberl über das Eigengewächs der Borussia, das wettbewerbsübergreifend bereits 13 Saisontore (4 x Europa League, 1 x DFB-Pokal) auf dem Konto hat und zudem in der Rückrunde die Hälfte der Gladbacher Tore erzielt (5 von 10) und die Fohlen in drei Partien mit seinen entscheidenden Treffern quasi im Alleingang zum Sieg geschossen hat.

"Ich denke, ich habe eine gute persönliche Entwicklung genommen. Gerade auch wieder am Anfang der Saison, als es für mich nicht so gut lief. Das gehört alles dazu. Mittlerweile bin ich soweit, dass ich sogar ein Spiel wie heute entscheiden kann", sagte Herrmann nach der Partie gegen Hannover. Die Konkurrenz auf seiner Position – am liebsten spielt er rechts, wird aber häufig auch auf der linken Seite, gelegentlich auch hinter den Spitzen eingesetzt – tue ihm sogar gut, denn "wenn man so viele gute Spieler um sich hat, muss man in jedem Training Gas geben", erklärt er.

Favre scherzt: "Er ist fast noch ein Kind"

Bei seinem Trainer Lucien Favre ist er längst wieder eine feste Größe. Dennoch fällt das Lob des Perfektionisten – wie man es von ihm gewohnt ist – eher sparsam aus. "Er macht Fortschritte, kleine Fortschritte. Er hat gut gespielt, will immer Tore schießen und erkennt die Situationen im Strafraum. Das ist wichtig", sagt der Schweizer, der gleichwohl betont, dass Herrmann noch viel zu tun habe. In Eins-gegen-Eins-Situationen beim Dribbling zum Beispiel gebe es noch Verbesserungsbedarf. "Aber er ist ja noch jung. Für mich ist er fast noch ein Kind", sagt der 57-Jährige mit einem Lächeln, das vermitteln soll, welch enormes Potenzial er noch in seinem Schützling sieht.

Mit seinen 24 Jahren hat es Herrmann vom schmächtigen Youngster längst zum Bundesliga-Star geschafft. Dennoch hat der "kleine Patrick" - wie er selbst sagt -, der vor einigen Jahren in die erste Mannschaft aufstieg, auch als gestandener Mann auf der Karriereleiter wohl noch einiges vor sich. Der Spitzname "Flaco" wird ihn dabei wohl trotzdem weiter begleiten.   

Markus Hoffmann