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Köln - Seit zehn Tagen befindet sich Ottmar Hitzfeld wieder in Deutschland. Nach seinem Abschied als Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, nachdem die "Nati" bei der WM im Achtelfinale gegen Argentinien (0:1 nach Verlängerung) ausgeschieden war, verfolgte der ehemalige Trainer des FC Bayern München und von Borussia Dortmund weiterhin das Geschehen bei der Weltmeisterschaft.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Hitzfeld über die Gewinner der WM (Infografik zur Bundesliga-Elf der WM) und lobt den deutschen Fußball.

bundesliga.de: Herr Hitzfeld, Deutschland ist nach 1954, 1974 und 1990 wieder Weltmeister geworden. Kann man von einem verdienten Titel sprechen?

Ottmar Hitzfeld: Absolut. Deutschland war einfach zu stark für seine Gegner. Dieser Titel ist mehr als verdient. Der Druck war groß, Deutschland hatte viel zu verlieren, denn es war für mehrere Spieler vielleicht die letzte Chance, diesen Titel zu gewinnen. Diese Mannschaft ist reif und hat es eindrucksvoll bewiesen. Die Qualität ist riesengroß. Sie war einfach dran.

bundesliga.de: Was war in Ihren Augen die große Stärke der deutschen Nationalmannschaft in diesem Turnier?

Hitzfeld: Dass diese Nation über viele Weltklassespieler verfügt. Sie steht für eine geschlossene Mannschaftsleistung und das hat meiner Meinung nach den Unterschied bei diesem Turnier gemacht. Es gibt viele Persönlichkeiten, die das Spiel entscheiden können. Außerdem hat dieses Team die Stärke, auch an schlechteren Tagen das Spiel für sich zu entscheiden.

bundesliga.de: Ist der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft auch der Erfolg des FC Bayern München, der sechs Spieler der Startelf stellte?

Hitzfeld: Absolut. Der FC Bayern hat ja die meisten Spieler bei dieser WM abgestellt. Nicht nur bei Deutschland haben sie tolle Leistungen gebracht, sondern auch Arjen Robben mit den Niederlanden, der in jedem Spiel seine bestechende Form gezeigt hat, sowie Daniel van Buyten mit Belgien und Xherdan Shaqiri mit der Schweiz. Sie sind alle wichtige Spieler in ihren Nationalmannschaften. Außerdem steht der deutsche Rekordmeister weit vorne an der Spitze der erzielten Tore, somit sind sie die wichtigsten Spieler im Weltfußball.

bundesliga.de: Ist dieser Titel auch der Erfolg von Joachim Löw?

Hitzfeld: Natürlich. Joachim Löw ist gelungen, aus diesem Kader eine echte Einheit zu bilden und ihr dazu eine Stabilität in der Defensive zu geben. Seine Bilanz nach acht Jahren als Bundestrainer ist hervorragend.

bundesliga.de: Was macht Thomas Müller so stark?

Hitzfeld: Ich kenne sein Potenzial und er hat es in den letzten Jahren beim FC Bayern immer wieder unter Beweis gestellt. Er hält sich in der Spitze auf Weltklasseniveau, sonst wäre er ja nicht beim FC Bayern. Er ist unberechenbar und sehr unangenehm für den Gegner.

bundesliga.de: Kann er in Zukunft Weltfußballer werden?

Hitzfeld: Er wird ein heißer Kandidat, denn er hat eine sehr starke Weltmeisterschaft gespielt - und zwar vom ersten Spiel an bis zum Finale.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die Leistungen von Manuel Neuer?

Hitzfeld: Er verkörpert einfach absolute Weltklasse. Er war einer der Hauptgaranten des deutschen Erfolgs. Er hat keine Schwächen. Er hat mich fasziniert, nicht nur als Torwart, sondern auch als Libero. Er ist der Prototyp des modernen Torhüters.

bundesliga.de: Wie haben Sie das Halbfinale zwischen Brasilien und Deutschland mit dem historischen 7:1-Sieg der DFB-Elf erlebt?

Hitzfeld: Das war eine Welt-Sensation. Das habe ich in dieser Form auf einem solchen Niveau bei einem Halbfinale einer Weltmeisterschaft noch nie erlebt. Ein 5:0 nach einer halben Stunde, gab es ja noch nie bei angeblich gleichwertigen Gegnern. Aber die DFB-Elf war eben besser - und zwar in allen Belangen.

bundesliga.de: Wer sind die Gewinner bei dieser WM ?

Hitzfeld: Für mich gibt es vor allem einen großen Gewinner, nämlich die Bundesliga. Es sind vor allem Spieler, die in der Bundesliga unter Vertrag stehen, die in Brasilien am meisten brilliert haben. Die Stars aus der englischen Premier League oder aus der spanischen Primera División waren nicht so stark.

Das Gespräch führte Alexis Menuge