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München - Geschäftsmäßig saß Jupp Heynckes auf der Bühne im überfüllten Presseraum des FC Bayern und beantwortete gewohnt sachlich die Fragen der Journalisten. Die Marschroute seines Teams beim Champions-League-Duell gegen Neapel (M., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker)? "Wir wollen natürlich gewinnen und damit die Gruppengegner distanzieren". Die Schwere der Aufgabe? "Mir imponiert Napoli als Team, wie leidenschaftlich sie spielen."

Erst als die Sprache auf die Aussage von Clubpräsident Uli Hoeneß kam, der den Bayern-Trainer am Samstag dafür gelobt hatte, er würde den Fußball zelebrieren und zur Kunst erheben, leuchteten Heynckes' Augen und er konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. "Wenn ich solche Worte höre, fühle ich mich zurückversetzt in meine Zeit als Spieler mit Borussia Mönchengladbach. Da haben wir große Zeiten erlebt, wo wir manchmal Fußball zelebriert haben."

"Es ist Pflicht, drei Punkte zu holen"

Im Gegensatz zu den legendären "Fohlen", die bei ihrem Sturmdrang bisweilen die Abwehrarbeit vernachlässigten, haben die Bayern jedoch auch noch eine atemberaubend sichere Defensive, die in der "Königsklasse" bislang nur durch Holger Badstubers Eigentor in Neapel bezwungen wurde.

Acht Siege in Folge und 33:0 Tore lautet Bayerns erstaunliche Heimbilanz der vergangenen Wochen - entsprechend breit ist die Brust der Verantwortlichen an der Säbener Straße. "Erst Neapel schlagen, dann Villarreal bezwingen - und ab geht es ins Achtelfinale. Unser Ziel muss sein, Gruppenerster zu werden. Und dafür sind in den beiden noch ausstehenden Heimspielen Siege notwendig", formulierte Hoeneß seinen Auftrag klar und unmissverständlich - und den wollen seine Angestellten seine pflichtbewusst erfüllen.

"Es ist Pflicht für Bayern München, drei Punkte zu holen. Wir können und wollen die Vorentscheidung schaffen", sagt Bastian Schweinsteiger, der trotz einer beim 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg erlittenen Wadenverletzung mitwirken kann - ebenso wie Abwehrchef Daniel van Buyten (Bluterguss am Fuß).

Bayern am Mittwoch schon im Achtelfinale?

Spielführer Philipp Lahm ergänzt im Brustton der Überzeugung: "Wir wollen mit einem Sieg alles klar machen. Das ist der Anspruch des FC Bayern, der Anspruch des Trainers und der Anspruch jedes Spielers." Und auch Toni Kroos wollte dem nicht widersprechen: "Es ist ganz klar unser Ziel, Gruppenerster zu werden". Bei einem Sieg wäre das vorzeitige Weiterkommen bereits perfekt, falls Manchester City gleichzeitig nicht seine Partie beim FC Villarreal gewinnt.

Gegner Neapel soll auf dem Weg zum Gruppensieg jedenfalls kein Stolperstein werden - auch wenn die Italiener mit ihrer Dreier-Abwehrkette unorthodox daherkommen. "Es ist nicht immer leicht für uns, die Außenspieler zu decken", so Kroos, der beim 1:1 im Hinspiel den Bayern-Treffer markiert hatte. Dennoch: "Wir richten uns nicht nach dem Gegner. Der FC Bayern ist so dominant, dass sich der Gegner nach uns richten muss”, fordert Heynckes.

Heynckes denkt ans Finale

Dementsprechend sollen Gruppenphase und Achtelfinale jeweils nur Zwischenstation sein. "Dass das Endspiel in München stattfindet, ist natürlich eine zusätzliche Motivation”, sagt der Münchner Cheftrainer: "Manchester United, der FC Barcelona und Real Madrid gehören zum Favoritenkreis. Aber warum soll das nicht möglich sein, dass wir ins Finale einziehen können?”

Mit Spielkunst die Fußballwelt aus den Angeln heben und am Ende im eigenen Stadion den Champions-League-Pokal in die Höhe stemmen - für Jupp Heynckes wäre es wohl die Erfüllung eines Traumes. Und dann würde ihm bestimmt mehr als nur ein Lächeln übers Gesicht huschen.

Von der Säbener Straße berichtet Johannes Fischer