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Dortmund - Was der Bundesliga-Konkurrenz derzeit nicht gelingt, haben Mitarbeiter der Flughäfen Nürnberg und Dortmund am Sonntagabend geschafft: Sie haben Herbstmeister Borussia Dortmund ausgebremst. 29 Sekunden vor dem geplanten Aufsetzen des Flugzeuges, das die Delegation nach dem 2:0 beim 1. FC Nürnberg zurückbringen sollte, schloss der Tower den Dortmunder Airport und zwang die im Landeanflug befindliche Maschine nach Paderborn.

"Das ist eine Provinzposse erster Güte", schimpfte Sportdirektor Michael Zorc: "Man schickt uns nach Paderborn, weil wir 29 Sekunden zu spät gelandet wären. Ein Ding der Unmöglichkeit." Kapitän Roman Weidenfeller meinte: "Wir sind die Repräsentanten der Stadt - und dann so etwas. Eine Lachnummer." Statt wie geplant um 21.50 Uhr war der BVB-Tross damit erst um 0:30 Uhr zurück in Dortmund.

Der Ärger über die kleine Odyssee dürfte die "schwarz-gelbe" Stimmung jedoch nicht nachhaltig betrüben. Denn beim Blick auf die nackten Zahlen müssen die eingefleischten BVB-Fans höchstens fürchten, irgendwann aus einem schönen Traum aufzuwachen.

Rekordausbeute in der Hinrunde angepelit

Ihr Team zieht von Woche zu Woche durch die Stadien der Republik und fährt einen Sieg nach dem anderen ein - zuletzt das 2:0 in Nürnberg. Mit 40 Punkte nach 15 Spielen hat Dortmund eine Ausbeute, die zuvor noch nie ein Team in der Bundesliga vorzuweisen hatte.

In den letzten beiden Vorrundenpartien gegen Bremen und Frankfurt fehlen dem BVB noch vier Punkte zur besten Hinrunde in der Bundesliga-Geschichte - die spielte bisher der FC Bayern in der Saison 2005/06 (44 Zähler).

Doch der vorzeitige Herbstmeister könnte auch in anderen Bereichen Geschichte schreiben. bundesliga.de zeigt, wo sich die "Schwarz-Gelben" auf Rekordjagd befinden:

  • Borussia Dortmund ist seit 14 Bundesligaspielen ungeschlagen und sammelte in diesen Partien 40 von 42 möglichen Punkten. Vereinsrekord sind 19 ungeschlagene Spiele in Serie - das gelang den Borussen in der Saison 1991/92, als sie Vizemeister wurden.


  • 13 der 15 Spiele konnte der BVB gewinnen. Zum Vereinsrekord fehlen noch 8 Dreier - in der Meistersaison 2001/02 waren es 21 Siege. Die meisten BL-Siege in einer Saison feierte der FC Bayern (25).


  • Dortmund baute mit dem 2-0 in Nürnberg den BL-Rekord an Auswärtssiegen in Serie innerhalb einer Saison aus und stellt einen weiteren ein: 8 Gastspiele in Folge hatte bisher nur der FC Bayern 2005 saisonübergreifend gewonnen.


  • In der gesamten Vorsaison feierte der BVB nur 6 Siege auf des Gegners Platz - aktuell sind es schon acht.


  • Nur ein Mal in der Bundesliga-Geschichte holte der BVB mehr als acht Auswärtssiege in einer kompletten Saison - in der Meistersaison 2001/02 waren es insgesamt neun.


  • Elf Siege in der Fremde sind der BL-Rekord innerhalb einer Saison, aufgestellt vom Hamburger SV (2005/06) und Werder Bremen (2003/04).


  • Der BVB hat 37 Tore erzielt und nur neun kassiert - das ist jeweils Bestwert. Logischerweise haben die Dortmunder damit auch die beste Tordifferenz (+28).


  • Die neun Gegentore nach 15 Spielen sind neuer Bundesliga-Vereinsrekord - in der Meistersaison 2001/02 waren es zum selben Zeitpunkt zehn.


  • In Nürnberg blieb Roman Weidenfeller zum siebten Mal in dieser Saison ohne Gegentor - kein anderes Team mehr als fünf. 19 "Weiße Westen" sind Bundesliga-Rekord - den Bayern (2001/02) und Werder Bremen (zwei Mal, 1987/88 und 1992/93) gelang dieses Kunststück innerhalb einer Saison. Beim BVB liegt der Vereinsrekord bei 14 Spielen ohne Gegentor (2008/09, 2002/03 und 1994/95).


  • Bayern München kassierte 2007/08 nur 21 Gegentore - dieser Rekord könnte in dieser Saison vom BVB eingestellt oder unterboten werden. Zum Vergleich: Zum selben Zeitpunkt der Saison hatte der Rekordmeister acht Gegentreffer hinnehmen müssen.


  • Zwei Spieltage vor Hinrundenende standen vor dem BVB nur 2 Mannschaften als Herbstmeister fest - Eintracht Frankfurt (1993/94) und Kaiserslautern (1997/98), wobei die Pfälzer davon profitierten, dass der Verfolger FC Bayern nach 15 Spieltagen bei 4 Punkten Rückstand schon 16-mal gespielt hatte.

    Nach der Landung im 90 Kilometer entfernten Paderborn musste der BVB per Bus auf der Straße zurückreisen. "Bei Glatteis schicken die uns auf die Autobahn", war Trainer Jürgen Klopp zunächst ungehalten. Sein Ärger dürfte jedoch ebenfalls schnell verraucht sein.