ANZEIGE

Rio de Janeiro - Die Endstation Sehnsucht ist erreicht, die deutsche Nationalmannschaft ist bereit wie nie: "Wir haben Respekt, aber wir sind überzeugt: Wenn wir unser Spiel durchziehen können, werden wir gewinnen", sagte Bundestrainer Joachim Löw, als er knapp 26 Stunden vor dem Anpfiff des WM-Endspiels am Sonntag gegen Argentinien im Bauch des Estadio Maracana (ab 20:45 Uhr im Live-Ticker) saß. Löw war bestens gelaunt - und er klang sehr übertzeugend.

Den Bundestrainer und seine Mannschaft um Kapitän Philipp Lahm hatte bereits bei der Ankunft in Rio am Freitagnachmittag endgültig das Endspiel-Fieber gepackt. "Jetzt ist das Feuer zu spüren. Wir sind jetzt so weit gegangen, da wollen wir uns das nicht mehr nehmen lassen", sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger sprach von "sehr, sehr goßer Vorfreude" und ergänzte, er habe mit Bayern München schon "ganz Großes gewonnen, ich weiß wie es funktioniert. Deshalb bin ich zuversichtlich."

Den vierten Titel vor Augen

Der Wille, den goldenen WM-Pokal nach 24 Jahren endlich wieder nach Deutschland zu holen und sich unsterblich zu machen - beides ist beinahe mit Händen zu greifen. "Jetzt sind wir einen Schritt von unserem großen Traum entfernt. Da gibt es nur eins: Volle Konzentration auf unser Ziel. Die Zuversicht ist sehr groß", sagt auch Philipp Lahm. Als vierter Kapitän der DFB-Historie nach den Legenden Fritz Walter, Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus will er die Trophäe in die Höhe stemmen.

1954, 1974, 1990 und 2014 sollen ab Sonntag die magischen vier Jahreszahlen im deutschen Fußball sein, im legendären Maracana-Stadion vor den Augen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck neue Helden geboren werden. Die Goldene Generation des deutschen Fußball hätte sich diese Bezeichnung endlich verdient, Löw stünde auf dem höchsten Gipfel, den ein Trainer erklimmen kann.

Klose als Feierbiest?

Während selbst der sonst zurückhaltende Torjäger Miroslav Klose bereits ankündigte, er könne bei einem Triumph für nichts garantieren und werde womöglich zum Feierbiest mutieren, würde Löw den größten Augenblick seines Sportler-Lebens wohl eher gelassen genießen. "Jogi ist eben, wie er ist", sagt Bierhoff. Er geht deshalb auch nicht davon aus, dass Löw im Falle eines Erfolges "wild über den Platz rennt. Er wird sich freuen, aber nicht verrückt spielen."

Dafür wird wohl ganz Deutschland verrückt spielen. Nach Fußball wie vom anderen Stern im historischen Halbfinale gegen Brasilien (7:1) ist die Erwartungshaltung riesig. "Der neue Weltmeister kann nur Deutschland heißen", glaubt auch "Kaiser" Franz Beckenbauer - er drückt damit die Hoffnungen von 80 Millionen Fußball-Fans in Deutschland aus.

Große Entschlossenheit

Den Spielern, die am Freitag nach knapp fünf Wochen ihre Zelte im Quartier Campo Bahia in Santo Andre abbrachen, scheint dieser Druck nichts auszumachen. Bierhoff ist überzeugt, "dass die Mannschaft das jetzt gnadenlos durchzieht". Als Pluspunkte gegenüber Argentinien mit Superstar Lionel Messi nannte er "die hohe Qualität unserer Spieler, die gute Organisation auf dem Platz und unsere Entschlossenheit".

Und diese Entschlossenheit ist groß. "Wir werden alles in die Waagschale werfen, mental, fußballerisch, kämpferisch. Wir geben Gas, wir hauen alles raus", versichert Thomas Müller, der zudem noch seinen Titel als WM-Torschützenkönig verteidigen kann. Gerade Spieler wie Klose (36), Lahm (30), Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker oder Lukas Podolski (alle 29) wollen nicht als Unvollendete dastehen sondern als eine Goldene Generation, die auch mit dem Nationalteam den Gipfel erreicht hat.

"Die Vergangenheit spielt keine Rolle"

Für Lahm ist nach den Enttäuschungen bei den vergangenen Turnieren die Zeit reif. "Unsere Generation hat Qualität, Erfahrung und sie weiß, um was es geht. Die Säulen des Teams spielen in großen internationalen Mannschaften", sagt der Münchner. Mit dem FC Bayern hat er auf Vereinsebene alles gewonnen, jetzt strebt er nach dem Höchsten. "Ein WM-Finale steht klar über dem Champions-League-Finale", stellte auch Müller schon einmal klar.

Es ist nach 1986 (2:3) und 1990 (1:0) das dritte WM-Finale der DFB-Auswahl gegen Argentinien. 2010 hatte es zudem im WM-Viertelfinale ein klares 4:0, 2006 ebenfalls im WM-Viertelfinale einen emotionalen Sieg im Elfmeterschießen (4:2) mit anschließender Schlägerei gegeben. Lahm war damals dabei, "doch die Vergangenheit spielt für uns keine Rolle. Es geht darum, Weltmeister zu werden." Dennoch warnt Bierhoff davor, "dass wir uns nicht provozieren lassen dürfen".

Damit erst gar keine Zweifel aufkommen, will die deutsche Mannschaft die Initiative ergreifen - und nicht nur auf Messi schauen. "Argentinien ist sehr stark, sehr kompakt in der Defensive. Diese Mannschaft ist nicht nur Messi. Wer das denkt, ist auf dem Holzweg", betonte Löw und ergänzte: "Das wird ein packendes Duell auf Augenhöhe."

Die voraussichtliche Aufstellung: 1 Neuer/Bayern München (28 Jahre/51 Länderspiele/0 Tore) - 16 Lahm/Bayern München (30/112/5), 20 Boateng/Bayern München (25/45/0), 5 Hummels/Borussia Dortmund (25/35/4), 4 Höwedes/Schalke 04 (26/27/2) - 7 Schweinsteiger/Bayern München (29/107/23), 6 Khedira/Real Madrid (27/51/5) - 13 Müller/Bayern München (24/55/22), 18 Kroos/Bayern München (24/50/7), 8 Özil/FC Arsenal (25/61/18) - 11 Klose/Lazio Rom (36/136/71)