ANZEIGE

Köln - Der SC Freiburg steht vor dem Spiel gegen den im gesicherten Mittelfeld. Mit einem Dreier gegen den FC können die Breisgauer dem Ziel Klassenerhalt einen großen Schritt näher kommen. Vor dem Duell der Tabellennachbarn zieht Freiburgs Torjäger Nils Petersen im Interview mit bundesliga.de eine Zwischenbilanz und spricht über den möglichen Jokerrekord sowie seinen Stürmerkollegen Anthony Modeste.

bundesliga.de: Nils Petersen, der Sport-Club Freiburg steht nach 19 Spieltagen auf Platz 8 und hat 26 Punkte auf dem Konto. Im Berufsleben ist es ja durchaus üblich, ein Zwischenzeugnis auszustellen. Wie fällt Ihre Bewertung aus?

Nils Petersen: Ich würde unsere momentane Situation mit einem befriedigend bewerten. Wenn wir vor der Saison gehört hätten, dass wir nach 19 Spieltagen auf Platz 8 stehen und zehn Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hätten, hätten wir das alle unterschrieben.

>>> Hast du Nils Petersen schon im Fantasy Manager?

Im Video: Superjoker Petersen

bundesliga.de: Befriedigend klingt ein bisschen nach Understatement.

Petersen: Wir haben einen hohen Anspruch an uns selbst, können die Bundesliga richtig einschätzen und wissen, dass wir uns auch unterordnen müssen. Es stehen noch einige Mannschaften hinter uns, die ganz andere Möglichkeiten haben. Deshalb genießen wir den Moment und wissen, dass die Tabelle eine Momentaufnahme ist. Die Gefahr, noch in den Abstiegsstrudel zu geraten, ist noch da. Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Wir wissen, dass wir daher am besten gegen Köln mit einem Sieg Richtung 29 Punkte marschieren, um uns weiter von unten zu distanzieren.

>>> Das beste Aufsteigerduo überhaupt

bundesliga.de: Welche Gründe machen Sie für das gute Abschneiden des SC Freiburg aus?

Petersen: Unsere Heimstärke ist ein wichtiger Grund dafür, dass wir so gut dastehen. Wir haben die ersten vier Heimspiele alle gewonnen und uns selbst in einen Rausch gespielt. Wir haben im Laufe der Saison nicht nur kämpferisch und läuferisch, sondern auch spielerisch zugelegt. Wenn man die letzten Spiele mit denen vom Saisonstart vergleicht, muss man sagen, dass wir nochmal einen großen Schritt gemacht haben und zusammengewachsen sind. Wir sind eine junge und lernwillige Mannschaft. Wir sind auf einem guten Weg und haben eine entwicklungsfähige Mannschaft - nicht nur langfristig, sondern auch kurzfristig. Ich bin gespannt, was mit dieser Mannschaft noch möglich ist.

bundesliga.de: Sie können in dieser Saison auch bereits sechs Tore und zwei Assists vorweisen und haben damit im Freiburger Kader die meisten Tore erzielt. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Ausbeute?

Petersen: Wenn man die Ausbeute auf die Minuten umlegt, dann bin ich sowieso zufrieden. (lacht) Ich habe ja mehr Kurzeinsätze als Spiele über 90 Minuten. Deshalb bin ich zufrieden, auch wenn ich weiß, dass mehr möglich war. Aber ich spiele Bundesliga, sechs Tore in der höchsten Liga sind dann das Höchste der Gefühle. Ich habe auch wichtige Tore geschossen. So ist es eine absolut schöne Geschichte.

bundesliga.de: Sie haben in dieser Saison dreimal in der Startelf gestanden, in den Partien setzte es drei Niederlagen. Also scheint der Trainer alles richtig zu machen, wenn er Sie vor allem von der Bank bringt. Oder ärgert Sie das?

Petersen: Mich ärgert, dass wir verlieren, wenn ich von Beginn an spiele. Mit RB Leipzig, Borussia Dortmund und auswärts bei Borussia Mönchengladbach waren es aber auch drei sehr starke Gegner. Ich weiß es einzuordnen, der Trainer auch. Deswegen mache ich mir keine Gedanken. Aber natürlich würde ich gerne mal den Bock umstoßen und ein Spiel gewinnen, wenn ich in der Startelf stehe.

bundesliga.de: Auf der anderen Seite bietet Ihnen Ihr Joker-Dasein die Chance auf einen Bundesliga-Rekord. Den aktuellen Bestwert an Jokertoren hält Alexander Zickler mit 18 Treffern. Sie stehen bei 16. Hat diese Bestmarke Ihren Ehrgeiz geweckt, oder nehmen Sie es mit einem Lächeln zur Kenntnis?

Petersen: Absolut. Es fängt damit an, dass man dankbar sein kann, dass man seinen Platz in der Bundesliga hat. Wenn man nicht von Beginn an spielen kann, muss man versuchen, sich das Schöne auszumalen. Und wenn ich mich dann in der Joker-Rangliste weit vorne ansiedeln kann, freue ich mich darüber. Das kann ein Rekord für lange Zeit werden, bei dem dann erstmal mein Name steht. Das ist doch positiv. Ich habe schon ganz andere Zeiten erlebt und genieße auch diese Rolle. Aber natürlich wäre ein Stammplatz auch schön.

>>> Petersen rückt Zickler auf die Pelle

bundesliga.de: Sie haben die zehn Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz bereits angesprochen. Ist die Tabelle trügerisch?

Petersen: Es ist eine Floskel, aber mit den 26 Punkten, die wir jetzt haben, steigt man am Ende ab. Wir brauchen noch Punkte und wollen noch viele holen, um unsere Ziele zu verfolgen. Wir wollen so gut wie möglich abschneiden und stehen gut da. Aber wir wissen auch, dass Werder Bremen und der Hamburger SV zwei Mannschaften sind, die enorme Qualität haben. Wir haben diese Gegner noch vor der Brust, genauso wie den FC Ingolstadt und Darmstadt 98, die auch ganz unangenehm sind. Diese Spiele stehen alle noch an. Deshalb sind wir noch nicht durch. Wir hoffen aber, dass wir dem Abstiegskampf schnell entkommen.

bundesliga.de: Am Sonntag gastiert der 1. FC Köln in Freiburg, eine Mannschaft vom Kaliber anderer Überraschungsteams wie Eintracht Frankfurt oder Hertha BSC, die der Sport-Club schon geschlagen hat. Wie schätzen Sie die Kölner ein?

Petersen: Als ich vor zwei Jahren noch als Leihspieler in Freiburg war, hatten wir eine gute Serie gegen Köln und inklusive Pokalspiel dreimal gegen sie gewonnen. Die Kölner werden aufgrund unserer Heimstärke und unserer Situation auch mit Respekt anreisen. Sie wissen, dass wir ein schwerer Brocken sind. Wir wissen genauso, dass es ein schwieriges Spiel wird, weil der FC eine Konstanz und Stabilität in der Mannschaft hat wie lange nicht. Ich bin gespannt und freue mich auf das Spiel, weil Köln auch einen attraktiven Fußball spielt und einen Stürmer hat, der viele Tore schießt. Sie haben sich enorm gut entwickelt, genau wie wir.

>>> Hier geht es zum Matchcenter von #SCFKOE

bundesliga.de: Wie genau gucken Sie als Stürmer auf den Kollegen Anthony Modeste aus Köln. Was macht der Franzose besonders gut?

Petersen: Er hat gute körperliche Grundvoraussetzungen und ist trotz der Körpermasse schnell. Er ist gut anzuschauen und eine Kante vorne drin. So einen Spieler wünscht sich jede Mannschaft. Er hat momentan eine brutal gute Quote, die für ihn spricht, und sich in dieser Saison in einen Rausch gespielt. Er hat auch extrem gute Vorlagengeber. Die habe ich in Freiburg aber auch. Ich freue mich immer, wenn ein Stürmer viele Tore schießt, weil dann keine Diskussionen um die Stürmer ganz allgemein aufkommen.

bundesliga.de: Mit einem Sieg kann der SC Freiburg bis auf drei Punkte an die Kölner herankommen und den Blick nach oben richten.

Petersen: Ich gucke nicht nach oben, sondern nach unten. Natürlich weiß ich, dass wir mit einem Sieg an Köln heranrücken können. Das spricht für uns. Jeder spricht davon, wie toll und erfolgreich die Kölner spielen. Aber wir sind auch nur sechs Punkte dahinter und können aufschließen. Wir wissen, dass wir auch eine gute Saison spielen und hoffen, daran anknüpfen zu können.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski