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Bad Ragaz - Der Konkurrenzkampf unter Kumpels fällt vorerst aus. Sebastian Jung sollte beim VfL Wolfsburg das Gerangel um den Platz hinten rechts befeuern. Gegen seinen Ex-Teamkollegen aus Frankfurter Zeiten, Patrick Ochs, und Christian Träsch sollte er sich durchsetzen. Doch erst zog sich Ochs beim Trainingsauftakt einen Kreuzbandriss zu, dann verletzte sich kurz vor dem Trainingslager auch noch Träsch schwer an der Schulter - und plötzlich hat Neuzugang Jung seinen Stammplatz mangels Konkurrenz quasi sicher.

"Natürlich ist es schade, dass sich beide verletzt haben. Im Moment bin nur noch ich auf der Rechtsverteidigerposition übrig", sagt Jung, der im Training trotz Konkurrenzlosigkeit keineswegs einen Gang runter schaltet. "Wir sind in der Vorbereitung auf die Saison, da kann man nicht zurückziehen, sondern muss Vollgas geben - und genau das werde ich auch tun."

Jung: "Konkurrenzkampf ist mir wurscht"

Auch weil sich die Situation schnell ändern kann. Denn da auch Innenverteidiger Felipe Lopes wegen Durchblutungsstörungen eine längere Pause einlegen muss, ist es gut möglich, dass Sportdirektor Klaus Allofs diesbezüglich noch mal auf dem Transfermarkt tätig werden wird.

Jung schaut derweil nur auf sich und seine Leistung: "Mir ist es wurscht, ob ein Konkurrenzkampf da ist oder nicht. Ich will mich selbst verbessern." Seit Freitag haben die Wölfe ihr Sommertrainingslager in Bad Ragaz in der Schweiz aufgeschlagen. Auch Neuzugang Jung will die Zeit bis zum Saisonstart nutzen, sich schnell an die neuen Teamkollegen zu gewöhnen.

Nach 16 Jahren bei Eintracht Frankfurt beginnt für den Rechtsverteidiger beim VfL eine neue Zeitrechnung. "In Frankfurt wussten alle, was sie an mir haben", sagt der 24-Jährige. "Hier gibt es ein neues Trainerteam und neue Mitspieler, da muss ich mich erst wieder neu beweisen."

Umstellung für Urgesteine

Und mit seinem neuen Zimmerkollegen Aaron Hunt kann er sich bestens über die Situation austauschen. Wie Jung sucht auch Hunt nach jahrelanger Treue zu Werder Bremen in Wolfsburg eine neue Herausforderung. "Klar redet man ein bisschen darüber und fragt, wie war das denn damals bei dir. Zumal jetzt ja Aaron Hunts früherer Trainer Thomas Schaaf in Frankfurt ist", meint Jung.

Doch für beide zählt nun nur noch der VfL. Die Unterschiede zu seinem früheren Arbeitgeber liegen für Jung in den Details. "In Frankfurt standen die Außenverteidiger bei Ballbesitz sehr weit vorne. Hier ist es ein bisschen anders. Wenn über eine Seite gespielt wird, soll der andere Außenverteidiger nicht ganz so weit nach vorne rücken", erklärt Jung, der bei Frankfurt vor allem als Vorbereiter glänzte.

Offensiv Richtung Nationalmannschaft

Im Trikot der Hessen schlug Jung in der Vorsaison die meisten Flanken mit Torfolge (sieben). Trotz der zunächst defensiveren Ausrichtung beim VfL will der Rechtsfuß diese Bilanz weiter ausbauen. "Ich als Außenverteidiger sehe bei mir in der Offensive noch Verbesserungspotential", gibt Jung zu.

Die Voraussetzungen für einen Stammplatz bei den ambitionierten Wölfen bringt der Rechtsverteidiger allemal mit. Eine gute Portion Ehrgeiz wird ihm zusätzlich helfen, diese Position auch gegen aufkommende Konkurrenz zu verteidigen.

Zudem will sich der einmalige Nationalspieler mit konstant guten Leistungen wieder für die DFB-Auswahl empfehlen - gerade auch nach dem Rücktritt von Rechtsverteidiger Philipp Lahm. "Das öffnet natürlich die Tür für neue Spieler, vielleicht auch für mich, das wird man sehen." Auf die Frage, wen er selbst denn als neuen Rechtsverteidiger beim DFB-Team spielen lassen würde, antwortete er mit einem Augenzwinkern: "Natürlich mich!"

Aus Bad Ragaz berichtet Maximilian Lotz