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Reit im Winkl, Köln - Heute, am 4. April, feiert Dettmar Cramer seinen 90. Geburtstag. Um den ehemaligen Bayern-Trainer ranken sich viele Geschichten.

Eine große Feier wie vor zehn Jahren wird es am Osterwochenende nicht geben. Dettmar Cramer ist nach einer Hüftoperation zu schwach, um an seinem 90. Geburtstag am Samstag großen Trubel zu ertragen. Dennoch werden an seinem Ehrentag in seinem Haus in Reit im Winkl unzählige Glückwünsche eingehen, nicht zuletzt von "Kaiser" Franz Beckenbauer und Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, den er zum Weltklassespieler formte.

Rummenigge hat nicht vergessen, was Bayern München, aber vor allem auch er Cramer zu verdanken hat. "Wir haben das jetzt im Griff. Die Franz-Beckenbauer-Stiftung und der FC Bayern unterstützen ihn", sagte der Münchner Vereinschef der Sport Bild zu den finanziellen Problemen, die Cramer im hohen Alter belasten sollen.

Ein Mann mit vielen Spitznamen

Der frühere DFB-Trainer, der aus gesundheitlichen Gründen bereits seit längerer Zeit auf seinen geliebten Frühsport verzichten muss, hat zweifelsohne Fußball-Geschichte geschrieben - und das in 90 Ländern. Seine erfolgreichste Zeit hatte Cramer beim FC Bayern, mit dem er zweimal den Europacup der Landesmeister (1975 und 1976) und 1976 auch den Weltpokal holte.

Schon damals sprach kaum einer so geschliffen über seinen Sport wie der gebürtige Dortmunder, weshalb ihn nicht nur Beckenbauer "den Professor" nannte. Für andere war er ein Fußball-Philosoph, weil er unter anderem folgende Sätze kreierte: "Fußball ist ein Spiel aus Raum und Zeit", "der springende Punkt ist der Ball", oder "solange besser möglich ist, ist gut nicht genug".

Cramer musste zeit seiner Trainerkarriere mit Spitznamen leben. Fußball-Deutschland kannte ihn nach einem berühmt gewordenen Foto im Münchner Olympiastadion als "Napoleon", für den früheren Bayern-Präsidenten Wilhelm Neudecker war er "der kloane Furz" und für den früheren Nationaltorwart Sepp Maier wegen seiner gerade mal 1,61 m Körpergröße der "laufende Meter".

Auch im Ausland überaus erfolgreich

Doch damit hatte Cramer kein Problem, denn für den Zögling von Sepp Herberger errechnete sich Größe nicht aus Zentimetern. Vor allem für die Japaner ist Cramer nach wie vor ein ganz Großer seines Fachs. Im Land der aufgehenden Sonne erhielt der frühere Oberstleutnant der Fallschirmjäger sogar aus den Händen von Kaiser Hirohito den höchsten Kulturorden für seine Verdienste. Bei den Olympischen Sommerspielen 1964 in Tokio führte er Gastgeber Japan zu einem 3:2-Erfolg gegen Argentinien, ehe das Team im Viertelfinale mit 0:4 gegen die damalige Tschechoslowakei ausschied.

"Ich bin mehrfacher Millionär, aber nicht in Euro, sondern in Flugkilometern", sagte Cramer vor einigen Jahren, wobei Japan im Laufe der Zeit zu seiner zweiten Heimat wurde. "Ich habe einen ekligen Charakter, keine Geduld und ein hässliches Temperament. Das ist für einen Pädagogen berufsschädigend. Von den Japanern habe ich aber Geduld gelernt", sagte er mal über sich selbst.

In Deutschland war Cramer nicht nur bei den Bayern, sondern auch für Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und eine Woche bei Hertha BSC Berlin aktiv. Im Ausland verdiente sich Cramer zudem Meriten. Diese brachten ihm zwei Ehrenprofessuren ein, von den Mohikanern und Sioux wurde er ehrenhalber zum Häuptling ernannt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zeichnete Cramer 2013 mit dem Ehrenpreis für dessen Lebenswerk aus.