Gelsenkirchen - Der FC Schalke 04 ist zurück in der Erfolgsspur. Seit sechs Pflichtspielen ungeschlagen, hoffen die Königsblauen auch im Revierderby am Samstag bei Borussia Dortmund auf einen Erfolg. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Führungsspieler Naldo über die Gründe für die schwierigen ersten Wochen der Saison, über seine Art mit negativen Phasen im Leben umzugehen und was auf seine Elf im Signal Iduna Park zukommen dürfte.

>>> Alle Infos zu #BVBS04 im Match-Center

bundesliga.de: Naldo, obwohl Sie mit mehr als 300 Bundesliga-Spielen der erfahrenste Schalker sind und mit Ihren früheren Teams schon oft im Signal-Iduna-Park zu Gast waren, steht nun mit dem Revierderby für Sie eine Premiere an...

Naldo: Und ich freue mich riesig auf dieses Spiel! Dortmund gegen Schalke, Schalke gegen Dortmund – diese Paarung elektrisiert jedes Mal eine ganze Region, und diese zwei Spiele sind für die Fans beider Vereine die unbestrittenen Highlights des Jahres.

bundesliga.de: Wenn auch nicht als Schalker, so können Sie doch auf etliche Gastspiele vor der legendären Südtribüne zurückblicken. Erinnern Sie sich an Ihr erstes Mal?

Naldo: Nein. Da muss ich passen. Wahrscheinlich aber war das 2005/2006, als ich meine erste Saison für Werder Bremen gespielt habe. Woran ich mich aber definitiv erinnern kann ist, dass ich in Dortmund schon ein paarmal getroffen habe. (lacht)

bundesliga.de: Kann die besondere Atmosphäre in Dortmund Spieler, die zum ersten Mal dort auflaufen, einschüchtern?

Naldo: Das glaube ich nicht. Eher ist es umgekehrt. Diese Atmosphäre löst ein positives Gefühl aus. Und bei uns brennt jeder auf dieses Spiel. Zudem können wir auf große Unterstützung durch unsere Fans zählen. Die Dortmunder sind sehr laut, die Schalker aber auch. (lacht)

Video: Schalker Derby-Debütanten

>>> Zur Bildergalerie: Helden im ersten Revierderby

bundesliga.de: Zieht man nur die drei vergangenen Bundesliga-Spiele heran, könnte man Schalke in der Favoritenrolle sehen: Während Königsblau sieben Punkte bei nur einem Gegentor holen konnte, waren es für Schwarzgelb nur zwei Zähler bei sechs Gegentreffern...

Naldo: Wir sind kein Favorit. Vor einem Derby mit der Bedeutung, wie sie das Revierderby hat, kann man eigentlich überhaupt nie davon sprechen, dass eine der beiden Mannschaften der Favorit ist. Was in den Wochen zuvor war, zählt jetzt nicht mehr. Da kann man vorher eine noch so schlechte Serie gehabt haben, in einem solchen Derby ist immer alles möglich. Jeder versucht über seine Grenzen hinauszugehen und alles abzurufen, was nur irgendwie verfügbar ist. Und jeder weiß: Ein Sieg im Derby kann für die kommenden Wochen noch einmal ganz besonders Auftrieb und Selbstvertrauen geben. Nein, Favorit sind wir ganz sicher nicht. Was aber nichts daran ändert, dass wir nach 90 Minuten drei Punkte mit nach Hause nehmen wollen.

bundesliga.de: Sieben Punkte bei nur einem Gegentor, so die Bilanz der vergangenen drei Spiele. Gab es nach dem schwierigen Saisonstart einen Schlüsselmoment, in dem Sie gespürt haben „Jetzt haben wir den Bock umgestoßen“?

Naldo: Nein. Diesen einen, ganz besonderen Moment gab es nicht. Vielmehr habe ich beim Training zunehmend gespürt, dass die Automatismen immer besser greifen, dass wir als Mannschaft besser funktionieren und wir immer weniger Fehler machen.

>>> Jetzt anmelden und mitmachen beim Bundesliga Fantasy Manager

bundesliga.de: Wo sehen Sie die Ursachen für die schwierigen ersten Wochen?

Naldo: Wir hatten im Sommer ein sehr gutes Trainingslager, das uns allen ein gutes Gefühl gegeben hat. Und doch muss man sich eingestehen, dass der Umbruch auf Schalke mit einem neuen Manager, einem neuen Trainer und sieben Neuzugängen eine große Kraftanstrengung und nicht ganz so schnell zu bewältigen war. Der Auftakt in Frankfurt ist uns dann auch völlig misslungen und war von den fünf Niederlagen, die wir hinnehmen mussten, mit Abstand unser schlechtestes Spiel. Die Leistung gegen Bayern München war gut, das Ergebnis nicht. Und dann folgte das Spiel bei Hertha BSC...

bundesliga.de: ...das nach der guten Leistung gegen die Bayern, die allen Mut gemacht hatte, eine große Enttäuschung war.

Naldo: Genau. Vor allem in der zweiten Halbzeit haben wir als Mannschaft nicht funktioniert. Das war wirklich enttäuschend, weil nach dem Bayern-Spiel und dem Sieg in der Europa League bei OGC Nizza jeder gedacht hat „Jetzt geht es endlich los!“. Stattdessen wurde die Unruhe im Umfeld immer größer und das Selbstvertrauen der Spieler, wenn es überhaupt noch vorhanden war, immer kleiner. Umso wichtiger ist es dann, dass man sich selbst nach fünf Niederlagen nicht auseinanderdividieren lässt und weiter fest zusammensteht.

bundesliga.de: Selbst ein Top-Mann wie Sie wirkte auf dem Platz bisweilen verunsichert.

Naldo: Umso wichtiger ist es, dass man den Glauben an sich selbst nie ganz verliert und dass man immer positiv denkt.

bundesliga.de: Belastet Sie eine solche Situation wirklich nicht?

Naldo: Nicht nur im Fußball, aber gerade auch dort ist der Glaube an sich selbst und an die eigenen Fähigkeiten das A und O, wenn man erfolgreich sein will. Mir persönlich gelingt das ganz gut, auch noch nach fünf Niederlagen und auch wenn ich selbst schlecht gespielt habe. Das heißt aber nicht, dass ich unkritisch mir gegenüber wäre. Im Gegenteil: Ich hinterfrage mich nach jedem Spiel und überlege, was ich hätte besser machen können. Aber ich werde nie kopflos. Denn als erfahrener Spieler bin ich gerade in einer so schwierigen meine Aufgabe gefragt und muss den jüngeren und den neuen Spielern zur Seite stehen.

>>> Exklusiv-Interview mit Pierre-Emerick Aubameyang (BVB)

bundesliga.de: Kommen die Kollegen zu Ihnen, oder nehmen Sie von sich aus den einen oder anderen schon mal zur Seite?

Naldo: Ich suche ganz bewusst immer wieder das Gespräch zu den Jungs, übrigens auch jetzt, wo es wieder besser läuft und sich die ersten Erfolge einstellen. Denn ebenso wie nach Niederlagen muss man auch bei Siegen die Ruhe und die Übersicht bewahren. So wie nach der fünften Niederlage nicht alles verloren war, haben wir jetzt, nach sieben Punkten aus drei Spielen, überhaupt noch nichts gewonnen. Unser Weg ist noch lang und wir müssen weiter hart arbeiten.

Das Gespräch führte Andreas Kötter