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Fürth - Nach großem Kampf und feiner Leistung ist die SpVgg Greuther Fürth gegen Borussia Dortmund im DFB-Pokal-Halbfinale ausgeschieden. Nun gilt die ganze Konzentration dem geplanten Bundesliga-Aufstieg. Schon am Samstag erwartet man den Karlsruher SC.

Mike Büskens war bedient. "Mehr Pech als Jasmin Fejzic kann man nicht haben", fand der Fürther Trainer. "Was soll er auch machen bei so einem Tor?" Beim Stande von 0:0 hatte Büskens den bosnischen Keeper für Max Grün eingewechselt - der 26-Jährige gilt als Elfmetertöter.

Fejzics im Pech



Doch so weit sollte es nicht kommen. Mit Fejzics erstem Ballkontakt war die Partie entschieden. Tragischerweise, ohne dass der Keeper etwas dafür konnte, worin sich Büskens mit seinem Dortmunder Kollegen Klopp ("unhaltbar") einig war. Untröstlich war hingegen der Unglücksrabe: "Es war seit Wochen abgesprochen, dass ich rein komme, wenn es ein Elfmeterschießen gibt. Alle wissen, dass ich ein sehr gutes Auge habe beim Elfmeterschießen", sagte der einzige Spieler auf dem Platz, dessen Haare nach den 120 Sekunden ohne Schweißtropfen auskamen. "Aber was soll ich jetzt sagen? Ich stehe hier und könnte losheulen."

Nur wenige Sekunden nach dem Wechsel schnappte sich Dortmunds Ilkay Gündogan nämlich den Ball, es sollte der allerletzte Angriff des Spiels werden. Gündogans Schuss kam vom Pfosten zurück ins Feld, prallte aber nach wenigen Zentimetern von Fejzics Rücken ins Fürther Tor. Das DFB-Pokal-Halbfinale zwischen dem Tabellenführer der Bundesliga und dem Ersten der 2. Bundesliga war entschieden. Der Favorit hatte sich durchgesetzt. Und den gut 12.000 Sympathisanten der wackeren Franken - das Stadion war mit 15.500 Fans natürlich restlos ausverkauft - befiel lähmendes Entsetzen.

Büskens zufrieden



Einer der ersten, der wieder aufmunternde Worte fand, war Mike Büskens: "Wir haben diesem Gegner 120 Minuten Paroli geboten, haben läuferisch und fußballerisch mitgehalten. Auch wenn die Niederlage weh tut - wir können aus diesem Auftreten sehr viel positive Energie ziehen." Nur "ein kleines Stück" sei man "von einem großen Traum entfernt" gewesen. Nun gelte es alle Kräfte zu bündeln, um in den verbleibenden acht Ligapartien den Aufstieg in die Bundesliga tatsächlich unter Dach zu bringen, forderte der Coach. Und befand sich damit wie so oft in völliger Eintracht mit Präsident Helmut Hack, der im Vorfeld zur Überraschung vieler nicht das Pokalspiel, sondern das kommende Ligaspiel gegen den KSC zum "schwersten Spiel" erklärt hatte.

Auch Mittelfeldmann Stefan Fürstner, der wie seine Kollegen ein nahezu übermenschliches Laufpensum an den Tag gelegt hatte, forderte, "bei aller Enttäuschung" müsse nun der Blick möglichst schnell nach vorne gerichtet werden: "Wir haben schon bald das wichtige Spiel gegen Karlsruhe vor der Brust."

"Das haben die Jungs absolut verdient"



Im Badischen hat man bereits seit Wochen einen Heidenrespekt vor den Fürthern. Manager Oliver Kreuzer und Trainer Jörn Andersen haben sich in mehreren Interviews beeindruckt gezeigt, nachdem sie von der Spionagetour anlässlich des 1:0-Sieges am Ronhof zurückkamen. Ihr Respekt dürfte nach dem Pokalspiel nicht kleiner geworden sein.

In Fürth hoffen sie nun, dass die Zuschauer, die die Mannschaft mit stehenden Ovationen in die Kabine verabschiedete, im Ligaalltag ebenso zahlreich erscheinen wie beim Pokal-Feiertag. "Ich hoffe, die Leute unterstützen uns am Samstag gegen den KSC genauso", sagte Büskens. "Das haben die Jungs absolut verdient."

Aus Fürth berichtet Christoph Ruf