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Köln - Es sieht gut aus in diesen Tagen beim FC Bayern München. Viel besser als erwartet sogar. Denn Pep Guardiola war vor der Saison noch skeptisch gewesen. Bis zur Winterpause müsse man sich irgendwie über die Runden retten, die Weltmeisterschaft in Brasilien würde bei seinen arg strapazierten Stars sicherlich Spuren hinterlassen. Nach den Punktverlusten auf Schalke und in Hamburg schien sich die Prognose des Spaniers zu bewahrheiten.

Doch inzwischen läuft die Maschinerie des letztjährigen Doublegewinners wieder mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. In Köln passten die Bayern ihren Gegner schwindelig. Über 900 Mal wanderte der Ball durch die eigenen Reihen, der Ballbesitz lag bei knapp 80 Prozent. Xabi Alonso hatte allein 204 Ballbesitzphasen - neuer Bundesliga-Rekord (Ballmagnet: Xabi Alonso mit neuem Rekord). Auch Philipp Lahm und Dante stellten einen neuen Rekord auf: Ganze 33 Auswärtsspiele haben beide Akteure in Folge nicht mehr verloren.

Auf einem guten Weg

„Wir sind sehr zufrieden, dass wir den ersten Auswärtssieg in dieser Saison gefeiert haben“, freute sich Pep Guardiola. „Es war nicht einfach, weil Köln gut organisiert war, aber wir haben den Ball gut kontrolliert, nie die Konzentration verloren und wenige Konter zugelassen.“

Die Münchener laufen also langsam aber sicher wieder zu großer Form auf, die vermeintlichen Hauptkonkurrenten aus Schalke und Dortmund liegen bereits sechs bzw. sieben Punkte zurück, nur Mönchengladbach und Leverkusen können derzeit einigermaßen Schritt halten (Zur Tabelle). „Wir haben jetzt einen kleinen Vorsprung. Den wollen wir nach den Ansprüchen des FC Bayern auch bis zum Ende halten. Wir sind auf einem guten Weg“, lacht Thomas Müller.

Training am Geißbockheim

Nach der Pflichtaufgabe in der Bundesliga wartet nun am kommenden Dienstag die nächste Herausforderung auf die Bayern. In Moskau kommt es in der Champions League zum Geisterspiel auf Kunstrasen. In der Vorbereitung auf dieses Spiel überlässt Pep Guardiola natürlich nichts dem Zufall. Die Bayern übernachteten in Köln und trainieren am Sonntag unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf einem Kunstrasenplatz am Geißbockheim. Danach ging es direkt weiter gen Moskau.

Das Spiel auf dem ungewohnten Untergrund können die Bayern-Profis simulieren, Erfahrungen mit einer Partie ohne Zuschauer hat unter professionellen Bedingungen noch keiner vorzuweisen. „Ich habe noch kein Geisterspiel mitgemacht“, sagt Mario Götze, dem in Köln bereits sein vierter Saisontreffer gelang (Torjäger). „Ich kenne es nur aus der Jugend, da waren auch nicht so viele Zuschauer dabei.“ Ähnlich geht es Manuel Neuer, als er in seinen Erinnerungen kramt. „Ohne Zuschauer habe ich nur früher mit meinen Jungs in der Halle gekickt."

Schwierige Bedingungen in Moskau

Arjen Robben gefallen die Voraussetzungen in Moskau gar nicht. „Das gehört nicht zum Fußball. Es ist schade, vor allem auch für unsere Fans, dass sie bestraft werden“, meint der Holländer. „Wir müssen im Kopf gut vorbereitet und darauf eingestellt sein, dass es ohne Publikum sein wird. Wir müssen da drei Punkte holen, denn wir haben eine schwierige Gruppe.“

Den Gegner ZSKA Moskau, der zum Auftakt mit 1:5 in Rom eine Bruchlandung hinlegte (Champions-League-Gruppenphase), will niemand auf die leichte Schulter nehmen. „Wenn jemand denkt, dass es ohne Zuschauer wie ein Trainingsspiel wird, kann man da auch schnell untergehen“, warnt Xherdan Shaqiri. „Moskau hat auch eine gute Mannschaft und kann auch gut Fußball spielen. Es wird keine einfache Aufgabe für uns.“ Wenn die Bayern jedoch eine Leistung wie in Köln auf den Platz bringen, sollte der nächste Dreier schon möglich sein.

Tobias Gonscherowski