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Paderborn - Nach den Sonntagsspielen ist die Sensation perfekt: Aufsteiger SC Paderborn 07 führt nach vier Spieltagen dank Moritz Stoppelkamps Treffer aus 82 Metern die Bundesliga-Tabelle an. Der 1. FSV Mainz 05 und die TSG 1899 Hoffenheim belegen punktgleich die Ränge dahinter - mit einer schlechteren Tordifferenz.

Dabei hatte Moritz Stoppelkamp am Samstag die Vorentscheidung bereits in der 78. Minute auf dem Fuß, als er in der Benteler-Areana in der Partie SC Paderborn gegen Hannover 96 sieben Meter vor dem Gehäuse von Ron-Robert Zieler frei zum Schuss kam - und den Ball übers Tor drosch.

Rekord-Tor gegen Ex-Club

"Typisch Stoppel", erinnerte sich auf der Pressetribüne ein Journalist, der Hannover 96 seit Jahren begleitet, an die Zeit von Stoppelkamp in der niedersächsischen Landeshauptstadt. In 44 Bundesliga-Spielen für die Hannoveraner hatte er nicht einmal getroffen. Dabei hatte sich Stoppelkamp in der Vorbereitung auf die Saison 2011/12 als Goalgetter empfohlen. 26 Tore hatte er erzielt, davon allein zwölf beim 21:0 über den TSV Limmer.

Insgesamt kommt Stoppelkamp auf 21 Treffer in der 2. Bundesliga, von denen er sich bei 18 im gegnerischen Strafraum befand. Auch bei den drei weiteren Treffern befand er sich in Strafraumnähe. Umso erstaunlicher der Treffer zum endgültigen K.o. seines Ex-Clubs in der Nachspielzeit:

Aus 82 Metern traf Stoppelkamp zum endgültig entscheidenen 2:0 - und schrieb mit seinem zweiten Saisontreffer Bundesliga-Geschichte. Noch nie in über 50 Jahren Bundesliga wurde ein Treffer aus so einer Entfernung erzielt. Bisheriger Rekordhalter war Giorgos Tzavelas, der im März 2011 für Eintracht Frankfurt auf Schalke aus 73 Metern traf. Es sollte der einzige Bundesliga-Treffer des Griechen bleiben.

In Blau trifft Stoppelkamp besser

Dass Aufsteiger Paderborn durch das Stoppelkamp-Tor und den zweiten Saisonsieg sensationell an der Tabellenspitze steht, macht die Geschichte so richtig rund.

Auf sein erstes Bundesliga-Tor, den Treffer am 2. Spieltag zum 3:0-Endstand beim Hamburger SV, musste Stoppelkamp über drei Jahre warten, da er von 2012 bis 2014 in der 2. Bundesliga für den TSV 1860 München spielte. Bei den Löwen lernte Stoppelkamp auch das Toreschießen. Zwölf Mal traf er in 67 Partien für die Münchner.

Lag es an der Trikotfarbe? Bis zu seinem Engagement bei den Blauen herrschte die Farbe Rot vor. In 147 Spielen für Rot-Weiss Essen, Rot-Weiß Erfurt, Rot-Weiß Oberhausen und Hannover 96 konnte er gerade 16 Mal über eigene Treffer jubeln.

"Wusste nicht, dass ich so weit schießen kann"

"Ich wusste überhaupt nicht, dass ich so weit schießen kann", wunderte Stoppelkamp sich im Interview bei "Sky" nach dem ersten Bundesliga-Heimsieg des Aufsteigers. "Der Ball setzte zweimal auf und ich habe gehofft, dass er reingeht." Den Treffer lobte auch André Breitenreiter: "So ein Tor macht man nur einmal im Leben. Das ist Qualität, den Ball so zu treffen, dass er reingeht. Es freut mich für ihn unheimlich."

Geholt hatte der Trainer den Mittelfeldspieler ohnehin nicht wegen seiner Torgefährlichkeit, sondern als Vorbereiter. In München war er mit 14 Vorlagen in der Vorsaison der beste Tor-Vorbereiter der 2. Bundesliga, auch seine 156 Flanken waren Liga-Bestwert. Allerdings musste Stoppelkamp die Position wechseln. Spielte er bei 1860 noch zentral hinter den Spitzen, setzt ihn Breitenreiter auf der rechten Seite ein.

Großes Lob vom Trainer

"Er bringt überragende Leistungen. Man sieht, dass er die Qualität in unserem Spiel deutlich hebt", lobt Breitenreiter den "Königstransfer" der Paderborner. 700.000 Euro war den Westfalen Stoppelkamp wert. So viel hat der Verein zuvor nie für einen Spieler ausgegeben.

Und der zahlt zurück. "Moritz ist unheimlich gereift in den zwei Jahren nach Hannover. Er gibt ordentlich Gas, hat immer die besten Laufwerte in unserer Mannschaft. Er marschiert ohne Ende", lobt der Trainer. Und er macht das Spiel beim Aufsteiger. Kaum ein Angriff, der nicht über Stoppelkamp läuft.

"Wer hätte gedacht, dass er noch einmal der Star bei einer Bundesliga-Mannschaft wird", wunderte sich der Journalist aus Hannover nach der Partie. Kein Zweifel, Moritz Stoppelkamp ist mit 27 jahren angekommen in der Bundesliga. Und da auch Paderborn in Blau spielt, dürfen sich die Fans bestimmt noch über den einen oder anderen Treffer ihrer Nummer 11 feuen. Es muss ja nicht aus 82 Metern sein.

Aus Paderborn berichtet Jürgen Blöhs

Bildergalerie: Die weitesten Tore in der Bundesliga