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Köln - "Oh, wie ist das schon… so was hat man lange nicht gesehen…" schallte es in den Schlussminuten durch das ausverkaufte Stadion. In der Tat endete mit dem spektakulären 4:2-Sieg gegen Eintracht Frankfurt für die Fans des 1. FC Köln eine fast fünfmonatige Leidenszeit.

Der letzte Heimsieg datierte vom 18. Oktober 2014 beim 2:1 gegen Borussia Dortmund. Durch den Befreiungsschlag verschaffte sich das Team von Trainer Peter Stöger auch wieder Luft im Abstiegskampf. Torschütze Marcel Risse: "Wir sind der Gewinner des Spieltags im Tabellenkeller." Die Freude darüber bekam auch Kölns Maskottchen "zu spüren".

Hennes geht es gut

Geißbock Hennes VIII. hatte dem Spielfeld den Rücken gekehrt und die Jubel-Attacke nicht kommen sehen, als Anthony Ujah ihn plötzlich kräftig von hinten an den Hörnern packte und versuchte ihn aufs Spielfeld zu ziehen. Nach seinem Tor zum 4:1 ließ der Stürmer des 1. FC Köln seinem Jubel freien Lauf und rannte schnurstracks auf Kölns Maskottchen zu, um mit seinem "besten Freund", wie er hinterher sagte, zu feiern.

"Der Hennes ist einiges gewohnt. Vielleicht hat er ein paar Nackenschmerzen. Jetzt bekommt er ein ABC-Pflaster und dann wird es schon wieder", scherzte Sportdirektor Jörg Schmadtke nach der ungewöhnlichen Aktion. Ujah "entschuldigte" sich derweil via Twitter bei seinem Kumpel. "Sorry, Hennes, das war etwas zu heftig von mir", so der Nigerianer. Der Geißbock indes verbrachte in seinem Domizil im Kölner Zoo eine ruhige Nacht, wie Zoo-Vorstand Christopher Landsberg im Kölner Stadt-Anzeiger erklärte. Allerdings solle Ujah den Jubel vielleicht nicht in jedem Heimspiel wiederholen, sondern dem Tier lieber eine Möhre zuwerfen.

Oder sich alternativ seinen menschlichen Freunden widmen, wie dem Brasilianer Deyverson, den er abseits des Platzes unter seine Fittiche genommen hat und mit dem er gegen die Eintracht erstmals gemeinsam in der Startelf stand. Ob des größer werdenden Erfolgsdrucks entschied sich Trainer Stöger erstmals für diese offensive Variante mit zwei kopfballstarken Angreifern, die sich laut Timo Horn "wie immer voll reingehauen" haben. Der Lohn: beide erzielten je einen Treffer - Ujah sogar im dritten Spiel in Folge - und Köln brannte nach zuvor nur fünf Heim-Toren in dieser Saison ein wahres Feuerwerk ab.  

Maroh: "Endlich mal ein Spektakel"

"Es ist wichtig solche Spieler zu haben, die so in jeden Zweikampf und jedes Kopfballduell gehen wie Ujah und Deyverson. So ist letztlich auch das 1:0 entstanden. Nicht schön herausgespielt, aber durch vollen Körpereinsatz", erklärte der Kölner Torwart die Situation, die zum Führungstreffer durch Deyverson, die Leihgabe von Belenenses Lissabon führte.

Nach zuvor sechs sieglosen Pflichtspielen in Folge hat der Dreier den "Effzeh" in der Tabelle wieder ein Stück nach oben (Platz 11) geführt. Das Polster auf Rang 16 beträgt fünf Punkte. "Die Tabelle ist mir im Moment egal. Wir haben den Fans endlich gezeigt, dass wir in der Lage sind, auch zuhause mal ein Spektakel abzuliefern", freute sich Abwehrspieler Dominic Maroh.

Mit breiter Brust nach Dortmund

Vor allem mit der Einstellung seiner Spieler zeigte sich auch der Trainer sehr zufrieden. "Die Mannschaft hat alles abgerufen. Wir haben brenzlige Situationen überstanden und uns nach dem Pokal-Aus für unsere heutige Leistung belohnt", so Peter Stöger.

Am kommenden Spieltag wartet mit dem Auswärtsspiel in Dortmund ein dicker Brocken auf die Domstädter. Dennoch will das viertbeste Auswärtsteam der Liga mit breiter Brust zum BVB reisen. "Wir haben uns eine gute Ausgangslage geschaffen", meinte Timo Horn (zum Interview). Wie sich ein Erfolg gegen Dortmund anfühlt, weiß Köln noch aus dem Hinspiel. Schöne Erinnerungen, auch bei Hennes, der bei Auswärtsspielen nicht dabei ist und folglich am kommenden Spieltag nichts zu befürchten hat.

Aus Köln berichtet Markus Hoffmann