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Bremen - Vor dem 102. Nord-Derby zwischen dem SV Werder Bremen und dem Hamburger SV verabschiedeten sich Club und Fans mit einer Gedenkminute von ihrem Ehrenspielführer Arnold Schütz, von allen nur liebevoll "Pico" genannt, der am 14. April im Alter von 80 Jahren verstorben ist.

"Ich bin und bleibe Werderaner", hat Schütz, der von 1955 bis 1972 in 826 Pflichtspielen das grün-weiße Trikot trug, davon 253 in der 1963 gegründeten Bundesliga, jahrelang allen Abwerbeversuchen anderer Vereine eine Abfuhr erteilt. Das haben ihm die Fans nie vergessen.

Nicht nur sein jahrelanger Freund Uwe Seeler, der am Sonntag im Stadion weilte, erinnerte sich an das erste Nord-Derby in der Bundesliga, als Schütz beim 4:2 am 7. Spieltag 1963/64 den großen Konkurrenten von der Elbe mit drei Treffern ganz alleine abschoss. Ein Ergebnis, das die Fans 101 Liga-Derbys später gerne wiederholt sehen wollten.

Skripnik fordert Taten statt Worte

"Ich will nicht dauernd hören, dass die Spieler nach Europa wollen, ich will es sehen", hatte Viktor Skripnik nach zuletzt vier sieglosen Spielen in Folge von seiner Mannschaft Taten statt Worte gefordert. Der Werder-Coach hat nicht vergessen, wo sich der Club noch vor einigen Monaten befand und seinen Blick eher nach unten Richtung Tabellenkeller als Richtung Europapokal-Plätze gerichtet.

Eine Blickrichtung, die der 45-Jährige nach dem 1:0-Erfolg über den HSV änderte. "Jetzt reden wir über Hoffenheim, Augsburg oder Schalke", verabschiedet sich Skripnik aus dem Abstiegskampf und bläst nach dem 500. Heimsieg von Werder in der Bundesliga (nur Rekordmeister Bayern feierte häufiger vor eigenem Publikum) zum Angriff auf die Konkurrenz und die Europa-League-Plätze.

"Der siebte Platz ist Wahnsinn"

"Wir haben zu null gespielt und endlich mal wieder drei Punkte geholt. Da kann ich als Trainer nicht meckern", war Skripnik sichtbar zufrieden. Nach dem Sieg steht Werder auf Rang sieben. Eine Position, die zur Europa-League-Teilnahme berechtigt, wenn Bayern oder Wolfsburg den DFB-Pokal gewinnen.

"Der siebte Platz ist Wahnsinn", sagt Skripnik. "Die Mannschaft hat den Willen gezeigt, und wir haben den Ehrgeiz, den siebten Platz zu behaupten." In den abschließenden Partien beim SC Paderborn, gegen Frankfurt, in Hannover sowie gegen die Borussen aus Mönchengladbach (heim) und Dortmund (auswärts) wolle man nicht nur diesen Platz verteidigen, sondern auch versuchen, die vier Punkte auf die vor Werder liegenden Clubs Augsburg und Schalke noch aufzuholen.

Hilfe erhofft sich Skripnik dabei vom großen Konkurrenten von der Elbe. Die Hamburger haben noch beide Clubs zu Gast. Aber nicht nur deshalb wünschte Skripnik dem HSV für die abschließenden fünf Partien "alles Gute. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir auch im kommenden Jahr wieder Nord-Derbys haben. Diese Spiele sind etwas ganz Besonderes."

Aus Bremen berichtet Jürgen Blöhs