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Hamburg - Ein Sieg gegen den FC Barcelona. Für viele bleibt es nur ein Traum. Klaus Toppmöller hat es schon geschafft. Als Trainer von Bayer Leverkusen freute er sich 2001 in der Gruppenphase der Champions League über ein knappes 2:1. Sein Ex-Club muss am Mittwoch im Achtelfinal-Rückspiel nun erneut gegen die Spanier gewinnen - und dabei in Barcelona mindestens drei Tore schießen (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Toppmöller weiß, wie dieses Fußball-Wunder nach dem 1:3 im Hinspiel Wirklichkeit werden kann. "Alle müssen mitmachen und von Beginn aggressiv zu Werke gehen. Es muss alles passen. Das Potenzial hat die Mannschaft. Sie muss es jetzt aber auch abrufen", sagte er im bundesliga.de-Interview.

bundesliga.de: Herr Toppmöller, glauben Sie an das Bayer-Wunder von Barcelona?

Toppmöller: Zum Glück ist im Fußball alles möglich. Aber für das Wunder braucht Leverkusen unbedingt ein frühes Tor und am besten noch ein zweites vor der Pause. Selbst das wäre aber noch keine Garantie auf den dritten Treffer. Denn die Spanier werden nie nervös.

bundesliga.de: Wann haben Sie den FC Barcelona zuletzt spielen gesehen?

Toppmöller: Ich war in der vergangene Woche beim Länderspiel der Spanier gegen Venezuela. Bei der 5:0-Gala haben mit Pique, Puyol, Iniesta, Xavi, Busquets und Fabregas ja gleich sechs Spieler vom FC Barcelona gespielt. Es ist wirklich unglaublich, wie ruhig diese Spieler bleiben. Egal in welcher Situation.

bundesliga.de: Könnte es nach dem klaren Hinspielsieg vielleicht sein, dass Messi, Xavi und Co. die Zügel schleifen lassen?

Toppmöller: Vieles wird von Pep Guardiola abhängen. Sieht er seine Mannschaft schon im Viertelfinale und schont seine Stars? Oder lässt der die ganze Kapelle auflaufen? Aber egal welche Elf Guardiola starten lässt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Barca drei Gegentore kassiert.

bundesliga.de: Irgendwie muss Barcelona aber doch zu knacken sein.

Toppmöller: Ja, Leverkusen muss die Viererkette im Aufbau stören. Wenn Spieler wie Puyol, Pique oder Alves den Ball in Ruhe ins Mittelfeld schieben können, dann fängt das Uhrwerk der Spanier immer schneller an zu laufen. Dann sind sie kaum zu stoppen. Aber wenn man sie unter Druck setzt, dann schlagen sie auch viele unkontrollierte, lange Bälle.

bundesliga.de: Wenn Sie noch Bayer-Trainer wären: Wie würden Sie spielen lassen?

Toppmöller: Ich würde mit zwei Spitzen agieren. Am Wochenende gegen die Bayern hat man ja gesehen, was das bringt. Mit dem eingewechselten Derdiyok neben Kießling im Sturm haben sie die Münchner unter Druck gesetzt. Das hätte ich von Leverkusen auch gerne im Hinspiel gegen Barcelona gesehen. Da war Bayer viel zu passiv und ängstlich.

bundesliga.de: Könnte der Erfolg gegen den FC Bayern vielleicht die nötige Extra-Motivation gebracht haben?

Toppmöller: Das hoffe ich auf jeden Fall. Aber normalerweise dürfte man die Spieler gar nicht noch extra motivieren müssen. Denn die Spiele des FC Barcelona werden weltweit übertragen. Da kann nun jeder Leverkusener zeigen, dass er auch gut Fußball spielen kann. Insgesamt muss Bayer aber als Team funktionieren. Alle müssen mitmachen und von Beginn aggressiv zu Werke gehen. Es muss alles passen. Das Potenzial hat die Mannschaft. Sie muss es jetzt aber auch abrufen.

bundesliga.de: Also ist das Wunder doch möglich?

Toppmöller: Ich würde mir das natürlich wünschen. Und für den deutschen Fußball wäre das auch überragend. Aber alleine der Glaube fehlt mir dafür. Barcelona wird vor heimischem Publikum nichts mehr anbrennen lassen.

Das Gespräch führte Michael Reis