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Den Rekord brechen, dann die Zukunft planen: Erst will Bundestrainer Joachim Löw mit der deutschen Nationalmannschaft die beste WM-Qualifikation aller Zeiten hinlegen, anschließend seinen Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund verlängern.

Nach dem abschließenden und eigentlich unbedeutenden WM-Qualifikationsspiel am Mittwoch (ab 17:45 Uhr im Live-Ticker) in Hamburg gegen Finnland will der 49-Jährige die Gespräche über eine Fortsetzung seines nach der WM 2010 in Südafrika auslaufenden Vertrags mit DFB-Präsident Theo Zwanziger aufnehmen. In den nächsten Wochen soll eine Entscheidung fallen - doch die scheint nur noch Formsache. Alles deutet derzeit darauf hin, dass Löw dem DFB mindestens bis zur EURO 2012 erhalten bleibt.

Keine unliebsame Überraschung erleben

Die Diskussionen um seine Zukunft beim DFB stellte Löw am Tag vor der Finnland-Partie zurück: "Wir verlangen von den Spielern volle Konzentration auf das Spiel, dann gilt das auch für die Trainer. Alle Vertragsgespräche sind erst einmal zurückgestellt. In den nächsten Wochen werde ich mir in Ruhe ein paar Gedanken machen", betonte der Bundestrainer.

Denn zunächst einmal sei er "voll" auf den Abschluss der WM-Qualifkation fokussiert. Er lebe "die Konzentration vor", um mit seiner Mannschaft nach dem 1:0 in Russland wie vor der EURO 2008 in einer ähnlichen Konstellation keine unliebsame Überraschung zu erleben. Damals war die DFB-Auswahl vor dem letzten Spiel gegen Tschechien ebenfalls schon für das Turnier qualifiziert, enttäuschte beim 0:3 in München aber auf der ganzen Linie.

"Jetzt beginnt schon die WM-Vorbereitung"

Einen derartigen Rückschlag will der Vize-Europameister in Hamburg trotz einiger Experimente und Veränderungen mit aller Macht verhindern. "Das Spiel soll natürlich Spaß machen, aber ich kann den Fans versichern, dass wir das Spiel mit aller Ernsthaftigkeit angehen werden. Wir wollen die Qualifikation mit einem Sieg beenden. So etwas wie gegen Tschechien wird diesmal nicht passieren. Das wird ein anderes Spiel", versprach Löw.

Zumal seine Elf mit einem "Dreier" immerhin einen Rekord in der WM-Qualifikation aufstellen würde. Neun Siege hat bisher noch nie eine DFB-Auswahl erreicht. Vor der WM 1982 gab es einmal acht Erfolge.

Zudem hat der Bundestrainer das eigentlich unbedeutende Spiel gegen die Finnen schnell einmal zum ersten Härtetest für Südafrika ausgerufen und damit den Druck auf die Spieler erhöht: "Im Grunde genommen beginnt jetzt schon die WM-Vorbereitung. Wir haben in diesem Jahr noch drei Länderspiele, dazu noch eines im März. Das sind nicht so viele Chancen für die Spieler, um zu zeigen, ob sie für so ein Turnier bereit sind."

"Spieler stehen vor schweren Aufgaben"

Entsprechend nimmt Löw, der im Tor wieder Rene Adler vertraut und wie schon nach dem Russland-Spiel angekündigt, einige Veränderungen vor. Im Gegensatz zu Moskau stehen in Andreas Beck, Piotr Trochowski, Arne Friedrich, Thomas Hitzlsperger, Cacau und vermutlich Mario Gomez gleich sechs neue Spieler in der Startformation. Kapitän Michael Ballack soll zudem nur eine Halbzeit spielen und dann von Christian Gentner ersetzt werden.

"Wir haben natürlich auch im Hinterkopf, dass die Spieler in der Liga und auch in der Champions League vor schweren Aufgaben stehen", meinte Löw zu seinen Wechselspielen. Trotzdem forderte er am Dienstag von seiner neuformierten Truppe, "dass wir von Beginn an agieren und uns viel bewegen müssen". Ansonsten hätten die Finnen die Möglichkeit ihre Stärken einzusetzen - "den Gegner einzulullen, das Spiel zu zerstören und einem richtig auf die Nerven zu gehen".

"Hoffnung für die nächsten Jahre"

Dies soll nach Vorstellung von Löw tunlichst vermieden werden, um nach dem gefeierten Auftritt in Russland weitere Sympathiepunkte zu sammeln. Doch schon jetzt sieht er die deutsche Nationalelf auf dem richtigen Weg. "Wir haben einen Prozess eingeleitet, die Mannschaft zu verjüngen. Wir haben viele junge Spieler integriert. Dies war ein klarer Auftrag und gibt Hoffnung für die nächsten Jahre", erklärte der DFB-Coach.

Dass er selbst besonders im Fokus stehen würde, würde ihn natürlich freuen. "Aber man sieht sich auch immer wieder Kritikern gegenüber. Vor einer Woche noch musste ich meine Nominierung rechtfertigen. Wir haben einen Plan und treffen die Entscheidungen, unabhängig davon, was geschrieben wird."

Die voraussichtliche deutsche Mannschaftsaufstellung:

Adler - Beck, Friedrich, Mertesacker, Lahm - Schweinsteiger, Ballack, Hitzlsperger, Trochowski - Cacau, Gomez