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München - Keine Spur von Anspannung oder gar Nervosität. Im Gegenteil: Vor dem wichtigen Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Porto setzt der FC Bayern München auf Lockerheit. Und Trainer Pep Guardiola geht mit gutem Beispiel voran. Der Schwere der Aufgabe sind sich die Münchner nach der 1:3-Niederlage im Hinspiel trotzdem bewusst.

Auf Thomas Müller habe der Trainer in den vergangenen Tagen einen "sehr entspannten" Eindruck gemacht. "Pep ist gut drauf", sagt der Stürmer, "und die Mannschaft versprüht sehr viel Energie." Dieser Tatendrang war dem Trainer der Bayern auf der Pressekonferenz deutlich anzusehen. Schwungvoll betrat der Katalane in Turnschuhen, schwarzem T-Shirt und Trainingshose das Podium im Presseraum der Allianz Arena.

"Ich bin komplett überzeugt", stellte Guardiola gleich zu Beginn seiner Ausführungen klar und verkörperte eindrucksvoll die "Pack ma's"-Mentalität der Bayern. Der 44-Jährige setzt trotz der großen Personalsorgen auf den Zusammenhalt im Team. "Wenn ich sehe, wie meine Spieler kämpfen, laufen und sich gegenseitig unterstützen, dann ist das bei all den Problemen, die wir hatten, mein größter Sieg in diesem Jahr", erläuterte Guardiola. Ein hoher Sieg kann auch am Dienstag gegen Porto nicht schaden, mindestens ein 2:0 müssen die Bayern erreichen, um zum vierten Mal in Folge ins Halbfinale der Königsklasse einzuziehen.

Lahm wieder fit, Schweinsteiger trainiert

Die angesprochene angespannte Personalsituation hat sich glücklicherweise etwas entspannt. So meldete sich Kapitän Philipp Lahm nach überstandenem Magen-Darm-Infekt wieder fit und auch Bastian Schweinsteiger ist nach seiner Knöchelverletzung wieder ins Mannschaftstraining zurückgekehrt. "Es wäre schön, wenn er dabei ist", sagte Lahm. "Er ist auch außerhalb des Platzes ein Anführer, der alle mitreißt."

Keine zusätzliche Motivation braucht jedenfalls Thomas Müller. Für ihn sind die Auftritte der letzten Wochen, in denen die Mannschaft in Leverkusen im Pokal oder auch in Dortmund in der Bundesliga erfolgreich den vielen Ausfällen getrotzt hat, Beweis genug, dass es auch gegen Porto klappt. "Ich bin grundsätzlich optimistisch, wenn ich selbst am Werk bin", betonte der 25-Jährige.

"2:0 wäre kein fußballerisches Weltwunder"

Doch die Herausforderung ist groß. Bereits vier Mal verloren die Bayern im Europapokal ein Hinspiel mit zwei Toren Differenz - kein Mal gelang im Rückspiel die Wende. "Ein 2:0 in einem Heimspiel, wäre kein fußballerisches Weltwunder, aber wir müssen es erst einmal erreichen", sagte Müller, der gegen die in der Champions League noch ungeschlagenen Portugiesen Geduld fordert: "Wir dürfen nicht überdreht ins Spiel gehen und zu viel wollen." Immerhin haben die Bayern bislang alle ihre Heimspiele in der Königsklasse gewonnen und dabei kein Gegentor kassiert, die 7:0-Gala gegen Donetsk im Achtelfinale ist noch in bester Erinnerung.

Eine Kamikaze-Taktik wäre in Müllers Augen aber der falsche Ansatz, gegen den konterstarken Gegner aus Portugal. "Aber wir müssen mit einer gewissen Bestimmtheit nach vorne agieren", ergänzte der Offensivspieler. Generell gilt es für die Bayern, die Balance zu finden und vor allem die in Porto verheerenden individuellen Fehler zu reduzieren. "Wir müssen mehr Chancen kreieren, weniger zulassen und mehr Risiko gehen", brachte es Trainer Guardiola auf den Punkt.

Keine Gedanken an ein Scheitern

Dass sein Gegenüber auf der Trainerbank, Julen Lopetegui, am Wochenende in der komfortablen Situation war, seine Stammkräfte schonen zu können, sieht Guardiola nicht als ausschlaggebend an. "Das zählt in diesem Spiel absolut gar nichts", sagte der Bayern-Coach. "Wir können in dieser Situation immer noch mehr laufen." Und Thomas Müller ergänzte: "Es kann alles ein Vor- oder Nachteil sein. Es kann auch ein Vorteil sein, dass es am Dienstag 18 Grad statt 17 Grad hat." Die Spieler werden jedenfalls füreinander kämpfen und dieser "Spirit" innerhalb der Mannschaft sei laut Müller eine gute Basis für den Erfolg.

Eine Garantie für das Weiterkommen ist auch das freilich nicht, das weiß auch sein Trainer, der die momentane Situation als die größte Herausforderung seiner Zeit beim FC Bayern bezeichnete. Und der Druck, nicht wie im letzten Jahr in der Champions League zu scheitern ist groß. "Ich weiß, dass es nicht genug ist, Meister und Pokalsieger zu sein. Nur das Triple ist genug", sagte Guardiola.

Bereits unmittelbar nach dem 2:0-Sieg in Hoffenheim schwor er seine Spieler mit einer langen, emotionalen Kabinenansprache auf das bevorstehende Spiel gegen Porto ein. „Ich habe allgemein gesagt, wie stolz ich auf sie bin - egal was passiert.“ Gedanken an ein mögliches Scheitern sind Guardiola jedenfalls fremd: "Wenn der Kopf sagt, dass wir es schaffen können, dann können unsere Beine das auch schaffen."

Aus München berichtet Maximilian Lotz