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Es war sicherlich kein fußballerischer Leckerbissen, mit dem sich die deutsche Nationalmannschaft in Moskau für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika qualifiziert hat. Beim 1:0 in Russland zeigte die DFB-Elf aber eine taktische Meisterleistung und den weltweit gefürchteten, unbändigen Siegeswillen.

"Ich war die ganze Woche überzeugt, dass meine Mannschaft konzentriert zu Werke gehen und konsequent unser Ziel verfolgen wird. Ich habe vor dem Spiel gespürt, dass jeder dieses Sieger-Gen in sich hat", erklärte Bundestrainer Joachim Löw nach dem Spiel.

Hiddink bringt es auf den Punkt

Eine Geniestreich von Mesut Özil im Zusammenspiel mit Lukas Podolski und der eiskalte Abschluss von Miroslav Klose sorgten dafür, dass die Russen im 52. Heimspiel in einer WM-Qualifikation die erste Niederlage hinnehmen mussten. Ansonsten blieben Torchancen auf Seiten des DFB Mangelware.

"Der Unterschied war die Durchschlagskraft der Deutschen. Deutschland braucht nur eine halbe Chance zum Tor. Wir haben dagegen gute Möglichkeiten vergeben", analysierte Russlands holländischer Trainer Guus Hiddink respektvoll.

Vor allem im zweiten Durchgang setzten die Hausherren dem Löw-Team mächtig zu. Angriff auf Angriff rollte in der Schlussphase auf das deutsche Tor zu. Doch da stand Rene Adler wie ein Fels in der Brandung und parierte am Fließband die Schüsse von Superstar Andrej Arschawin, Vladimir Bystrow und Co.

Adler festigt seine Position

Trotz einer geschlossenen Mannschaftsleistung war Adler am Ende der Mann des Spiels. Im Kampf um die Nummer 1 im Tor der DFB-Auswahl hat der Leverkusener nun klar die Nase vorn, auch wenn er selber nichts davon wissen wollte.

"Dass ich so ein gutes Spiel abgeliefert habe, macht mich sehr glücklich. Es war das emotionalste Spiel meiner Karriere. An die Torwartdiskussion habe ich nicht gedacht. Ich wollte einfach nur meinen Teil dazu beitragen, dass wir erfolgreich sind", sagte Adler in gewohnt ruhiger Manier.

Auch Bundestrainer Löw wollte nicht näher auf Spekulationen um den Platz im Tor für Südafrika eingehen, sondern beurteilte lediglich nüchtern die Leistung Adlers: "Der Rene strahlt so viel Ruhe und Gelassenheit aus. Kompliment für diese Leistung."

"Eine verschworene Einheit"

Für einen deutschen Spieler war der Abend im Luschniki-Stadion aber nicht nur ein freudiges Ereignis. Zwar kam der Hamburger Jerome Boateng überraschend in der Startelf zu seinem Debüt im DFB-Trikot. Doch mit seinem Platzverweis in der 69. Minute erwies er Deutschland einen Bärendienst.

Aus der Bahn ließ sich die deutsche Elf dadurch aber zum Glück nicht werfen. "Wir haben vor allem nach dem Platzverweis gezeigt, dass wir eine verschworene Einheit sind", freute sich Kapitän Michael Ballack.

Boateng findet Trost

Auf der rechten Abwehrseite ließ Boateng sein Können durchaus aufblitzen. Bei den Gelben Karten zeigte sich aber seine Schwäche: Der 21-Jährige geht in vielen Situationen noch zu ungestüm in die Zweikämpfe.

"Es waren zwei unglückliche Szenen. Aber ich würde es wieder machen, um eine Torchance zu verhindern", schilderte Boateng die Aktionen, die zur Gelb-Roten Karte führten. Immerhin fand er durch den Sieg Trost: "Wir haben gewonnen. Das ist das Wichtigste."

Chancen für die jungen Spieler

Anstatt sich nun wie Russland in nervenaufreibenden Playoff-Spielen um ein WM-Ticket zu balgen, nimmt der DFB-Tross schon jetzt die Planungen im Hinblick auf die Vorbereitung für Südafrika in Angriff. Chile und Ägypten heißen am 14. und 18. November die Gegner in zwei Freundschaftsspielen. Der abschließende Quali-Spieltag am Mittwoch in Hamburg gegen Finnland wird wohl auch eher ein Schaulaufen vor heimischem Publikum.

"Die drei Spiele stehen mit Sicherheit im Zeichen, einiges auszuprobieren. Im Oktober und November müssen wir uns noch nicht für die WM im nächsten Jahr einspielen", sagte Löw.

So werden einige bewährte Kräfte wohl eine Pause bekommen. Das bietet den jungen Spielern die Chance, sich zu empfehlen, denn Löw will sehen, "was für Möglichkeiten sie haben und ob man ihnen so ein Turnier zutrauen kann".

Michael Reis