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Deutschlands größtem Fanclub-Dachverband, dem Schalker Fan-Club Verband (SFCV), gehören heute über 75.000 Mitglieder in mehr als 1.300 verschiedenen Clubs an. Der Fan-Club Schalker Freunde zählte 1978 zu den neun Gründungsmitgliedern des Dachverbands. Zum Ende der abgelaufenen Hinrunde wurde der Club Schalker Freunde vom Schalker Vorstands-Vorsitzenden Josef Schnusenberg für 30 Jahre Mitgliedschaft im SFCV geehrt.

Der Club Schalker Freunde ist quasi die Urzelle aller Fan-Clubs. Doch aller Anfang war schwer. Drei Anläufe benötigte man, um die Strukturen zu schaffen, sich dauerhaft einzurichten. Der erste Versuch im seinerzeit als verrucht geltenden Lokal "Westfalenschänke" endete 1965 noch in wüsten Beschimpfungen der Anhänger untereinander.

Drei Jahre später folgte der zweite Anlauf. Doch auch diesmal hielt die Interessensgemeinschaft nur wenige Monate. Tatsächlich gab es aber 1968 bereits nachweislich die ersten Ansätze einer Fanbetreuung.

"Zum seinerzeit bundesweit einzig weiteren offiziell bestehenden Fan-Club, dem Club der VfB-Freunde aus Stuttgart, haben wir Auswärtsfahrten unternommen und gemeinsame Feiern organisiert", kann sich Gründungsmitglied Klaus Böse sogar an eine zarte Fanfreundschaft mit den Anhängern der Schwaben erinnern.

Erste Deutsche Fan-Club Meisterschaft

Auch erste Spiele gegeneinander fanden statt. "Zu den Stuttgartern bestand ein ausgezeichnetes Verhältnis!", so Böse. In den 70er Jahren entstand daraus die erste Deutsche Fan-Club Meisterschaft. Ausrichter war der heute nicht mehr existierende Deutsche Fan-Club Verband.

Der Club Schalker Freunde gehörte ebenfalls zu dessen Gründungsmitgliedern und absolvierte in den ersten zehn Jahren 183 Begegnungen gegen andere Supporter. Sogar Punkt- und Torverhältnis ist dokumentiert: 186:180 Zähler, 505:500 Tore.

Eine Zeitung schrieb 1975: "Sie haben vieles gemeinsam mit ihren großen Lieblingen. Die rot-weißen Trikots, die sie sich selbst zusammengespart haben, und den Bammel vor dem FC Schalke 04. Die Jungs vom RWE-Fan-Club, die in einem Freundschaftsspiel ihren Kollegen in 'Königsblau' mit 1:3 unterlagen."

Legendäre Westliga

In der Saison 1978/79 wurde durch den Club Schalker Freunde die legendäre Westliga mit eingeführt. "Heute ist das fast undenkbar. Aber wir haben gegen die Anhänger aus Essen, Duisburg, Fortuna Köln, Fortuna Düsseldorf, Mönchengladbach, VfL Bochum, Preußen Münster und Lüdenscheid eine eigene Runde ausgespielt", sagt der heute 57-jährige Böse. Das war die Zeit, als die Schalker Freunde sogar regelmäßig auf einem Nebenplatz des Parkstadions trainieren durften.

Schon früh erkannte der damalige Trainer Rudi Gutendorf die Bedeutung der Anhänger für den Verein und kam bereits 1968 regelmäßig mit seinen Spielern zu Podiumsdiskussionen in das neue Vereinslokal "Im Industriehof". Dann aber, schmunzelt Klaus Böse, "trennte sich der Vereinswirt von seiner Frau, nicht aber von der Vereinskasse".

Zudem wurde der gesamte Vorstand gleichzeitig zur Bundeswehr eingezogen. Dennoch, schwört Böse, der zu den drei noch heute aktiven Gründungsmitgliedern gehört, sei der Club danach "nie aufgelöst worden". Ohne Führung und Geld dümpelte der Verein jedoch vor sich hin.

Unterstützung durch Präsident Günter Siebert

Als offizielles Gründungsdatum der Schalker Freunde wird daher der 18. September 1971 genannt. Das war der Tag, als der Fan-Club nach einem 2:0 gegen Werder Bremen in der Gaststätte "Zum Kreisel" zu neuem Leben erweckt wurde. Dieses Datum ist ganz eng mit der Essener Familie Zebunke verbunden.

Die beiden Brüder Manfred und Helmut wollten sich ihre Idee eines Fan-Clubs nicht nehmen lassen. Nach zwei vergeblichen Versuchen spannten sie nun Vater Arthur vor den Karren. Mit seiner ausgleichenden Art gelang es ihm, den Fan-Club zu etablieren und verloren gegangenen Kredit beim Verein zurückzugewinnen. Zuvor hatte man sich per Zeitungsanzeigen auf die Suche nach neuen Mitstreitern begeben.

"Manfred und ich waren zwar die treibenden Kräfte, aber mein Vater war der ruhende Pol. Er fuhr schon nicht mehr mit zu Auswärtsspielen, hatte aber aufgrund seiner Lebenserfahrung und seiner stets korrekten Kleidung ein ganz anderes Auftreten gegenüber den Verantwortlichen von Schalke 04 als wir", erklärt Helmut Zebunke. Das gefiel auch Präsident Günter Siebert. Im November 1975 übertrug er den Fans die Bearbeitung der Autogrammpost. Das war der endgültige Durchbruch.

Großes Fan-Interesse

"Gegen eine Aufwandsentschädigung von 200 Mark monatlich und Freiumschlägen bekamen wir fortan Kartons mit Briefen, die wir für Schalke 04 beantwortet haben", erinnert sich Zebunke. "Dabei merkten wir schnell, dass immer mehr Wünsche nach Mitgliedschaften in Fan-Clubs und Informationen über den Verein aus ganz Deutschland - auch aus der DDR - und dem nahen Ausland ankamen. Da es keine anderen Fan-Clubs gab, boten wir zunächst allen Interessenten die Mitgliedschaft in Club Schalker Freunde an."

Die Zahl der Mitglieder stieg dadurch innerhalb weniger Jahre auf 300 Personen an. "Das war für uns nicht mehr zu stemmen. Es gab noch keine E-Mails und kein Handy. Jeder Brief, jede Information mussten mühsam kopiert und einzeln verschickt werden", war dies laut Zebunke der Auslöser für eine Verhaltensänderung.

Gründung des Schalker Fan-Club Verbands

"Nach einem Gespräch zwischen meinem Vater und Ernst Kuzorra sowie Günter Siebert erhielten wir die Unterstützung, für weitere Fan-Clubs über Stadiondurchsagen und Veröffentlichungen zu werben. So konnten wir die Fans regional aufteilen und vernetzen."

Neun dieser Fan-Clubs gründeten am 12. August 1978 den Schalker Fan-Club Verband. Erster Vorsitzender war der 1999 verstorbene Arthur Zebunke. Die anderen acht Fan-Clubs lösten sich im Laufe der Jahre wieder auf. Den Club Schalker Freunde gibt es immer noch.